Coronavirus

Coronavirus: Dortmund diskutiert Thema Schul-Schließungen

Archivbild: Dortmunds OB Ulrich Sierau kritisiert die Aufforderung der NRW-Landesregierung, Schulen und Kitas für mehrere Wochen zu schließen.

Archivbild: Dortmunds OB Ulrich Sierau kritisiert die Aufforderung der NRW-Landesregierung, Schulen und Kitas für mehrere Wochen zu schließen.

Foto: Ingo Otto / Funke Foto Services

Dortmund.  In Dortmund wurde am Samstag intensiv diskutiert, wie Schulen und Kitas wegen Corona geschlossen werden können. Entschieden wurde am Sonntag.

Eltern von Schul- und Kita-Kindern in Dortmund hängen derzeit doppelt in der Luft: Während andernorts berufstätige Eltern sich die Köpfe zerbrechen, wie sie die Kinderbetreuung organisieren, weil Schulen und Kitas ab Montag schließen, wussten Eltern in Dortmund auch am Samstag noch nicht, ob sie diese Frage überhaupt betrifft: Denn auch am Samstag hat sich die Stadt noch nicht entschieden, ob Schulen und Kitas auch in Dortmund wegen der Corona-Krise geschlossen werden sollen.

„Der städtische Krisenstab wird zu diesem Thema am Sonntag erneut tagen“, teilte die Stadt am Samstag mit. Dortmunds Oberbürgermeister Ulrich Sierau (SPD) hatte am Freitag die Vorgaben von NRW-Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) kritisiert, Schulen und Kitas landesweit zu schließen, um so die weitere Ausbreitung des Coronavirus im Land zu verlangsamen. „Diese Entscheidungen der Landesregierung kamen für die Stadt Dortmund völlig überraschend. Sie wurden zuvor weder besprochen noch angekündigt“, kritisiert Sierau.

Coronavirus: Auch Dortmund verbietet jetzt Veranstaltungen

„Mit Blick auf die sehr berechtigte Unsicherheit der Eltern bezüglich der kurzfristig nicht mehr gesicherten Betreuung ihrer Kinder in der kommenden Woche sowie die weiteren sich daraus ergebenden Probleme zum Beispiel für Arbeitnehmer und Arbeitgeber wird die Stadt Dortmund nach Übergangslösungen suchen“, hatte Sierau begründet. Und er kündigte an, man werde in Dortmund die Vorgabe aus Düsseldorf „prüfen“ und dann zu den Entscheidungen der Landesregierung „Stellung beziehen“.

Am Samstag indes schwenkte die Stadt in einigen Bereichen auf die Landes-Linie ein: Bis auf weiteres dürfen auch in Dortmund „keinerlei öffentliche Veranstaltungen mehr stattfinden“, gab OB Ulrich Sierau bekannt. Ausnahmen seien aber Wochenmärkte, die der Lebensmittelversorgung der Bevölkerung dienten, und Veranstaltungen, die zum Beispiel „zur Aufrechterhaltung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung bestimmt sind“, sagte Sierau. Zudem gelte in Dortmund: „Gaststätten, Bars und Restaurants bleiben weiter geöffnet“.

Stadt appelliert an Bürger, Älteren zu helfen

Die Bestimmungen treten ab diesem Sonntag, 15. März, in Kraft. Die Stadt verfügte zudem, dass Besuche in stationären Pflegeeinrichtungen „ab sofort auf das Notwendigste zu beschränken“ sind. Höchstens eine Person pro Tag je Bewohner dürfe Zutritt bekommen - für „maximal eine Stunde“.

Außerdem appellierte die Stadt an ihre Bürgerinnen und Bürger, „soziale Kontakte weitgehend einzuschränken“, private Treffen nur „in kleinem Rahmen“ stattfinden zu lassen und generell zu anderen Menschen „Abstand zu halten“. Wer keinen positiven Corona-Nachweis habe, möge zudem etwa älteren Menschen helfen: „Dortmund ist eine solidarische Stadt“, appellierte Sierau und bat um Verständnis, „dass die aktuelle Verfügung das gewohnte Leben in unserer Stadt einschränkt“.

Fünf Stunden habe der Verwaltungsvorstand am Samstag über die Maßnahmen beraten, mit denen man in Dortmund helfen will, die weitere Ausbreitung des Coronavirus zumindest zu verzögern. An diesem Sonntag will man erneut beraten, wie es nun in Dortmund um Schulen und Kitas steht: Bleiben sie, anders als im Rest NRWs, womöglich geöffnet? Der städtische Krisenstab soll am Sonntag entscheiden, kündigte Sierau an: „Die Ergebnisse wird die Stadt Sonntagabend mitteilen“. (dae)

Update: 15.3.2020: Wie die Stadt die Schließungen der Schulen umsetzen will, teilte sie am Sonntag mit: "Dies bedeutet, dass in Dortmund ab Montag kein Unterricht mehr stattfinden wird. Die Betreuung von Kindern von Klasse 1 bis einschließlich Klasse 6 wird in den gewohnten Schulen allerdings für Eltern, die keine andere Betreuung ihrer Kinder ermöglichen können und in „kritischen Bereichen der Infrastruktur“ arbeiten, durch Lehrer sichergestellt. Die Betreuung dieser Kinder in der OGS findet bis auf weiteres statt.

Dies gilt analog auch für die Kindertageseinrichtungen in der Stadt: von Montag an hat das Land NRW ein Betretungsverbot der Kindertageseinrichtungen verfügt und damit eine Regelung, die auch für Kindertagespflegepersonen und „besondere Formen der Kindertagesbetreuung“ wie Brückenangebote gilt. Ab Montag werden bis auf weiteres nur noch die Kinder betreut, deren Eltern keine andere Betreuung organisieren können und in „kritischen Bereichen der Infrastruktur“ arbeiten, das heißt Schlüsselpersonen sind.

Zu „kritischen Bereichen der Infrastruktur“ zählen laut Erlass des Landes folgende Sektoren: Angehörige von Berufsgruppen, deren Tätigkeit der Aufrechterhaltung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung sowie der medizinischen und pflegerischen Versorgung der Bevölkerung und der Aufrechterhaltung zentraler Funktionen des öffentlichen Lebens dient. Dazu zählen insbesondere:

Alle Einrichtungen die der Aufrechterhaltung der Gesundheitsversorgung und der Pflege sowie der Behindertenhilfe, Kinder- und Jugendhilfe, öffentlichen Sicherheit und Ordnung einschließlich der nicht polizeilichen Gefahrenabwehr (Feuerwehr, Rettungsdienst und Katastrophenschutz), der Sicherstellung der öffentlichen Infrastrukturen (Telekommunikationsdienste, Energie, Wasser, ÖPNV, Entsorgung), der Lebensmittelversorgung und der Handlungsfähigkeit zentraler Stellen von Staat, Justiz und Verwaltung dienen.

Für die Stadt Dortmund selber sind das die Beschäftigten von Stadtverwaltung, Stadttöchtern und die Beschäftigten in den Schulen und in der Kinderbetreuung."

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