Robert-Bosch-Berufskolleg

Beim Schulneubau wurden Außensitzplätze vergessen

Ein extremes Weitwinkelobjektiv bannte die neuen Gebäude für das Robert-Bosch- und Robert-Schuman-Berufskolleg auf ein Bild, mit dem U-Turm als Kulisse. Zwischen den Gebäuderiegeln entstand ein mit Bäumen bepflanzter Schulcampus.

Foto: Stephan Schütze

Ein extremes Weitwinkelobjektiv bannte die neuen Gebäude für das Robert-Bosch- und Robert-Schuman-Berufskolleg auf ein Bild, mit dem U-Turm als Kulisse. Zwischen den Gebäuderiegeln entstand ein mit Bäumen bepflanzter Schulcampus. Foto: Stephan Schütze

Dortmund.  Die Schüler des neu gebauten Robert-Bosch-Berufskollegs (RBB) haben müde Beine: In den Pausen müssen sie wegen des Brandschutzes raus aus den Zimmern und Fluren, aber im Hof können sie sich nicht setzen weil es keine Sitzplätze gibt. Sie wurden vergessen. Wir beantworten die wichtigsten Fragen zu diesem kuriosen Fall.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >

Warum sind Sitzplätze eigentlich so wichtig - schließlich sind die Schüler mit Anfang 20 noch jung und sitzen schon den ganzen Unterricht über?

Aus mehreren Gründen. Viele Schüler fahren mit der Bahn, kommen je nach Fahrplan früher an und warten auf dem Schulhof auf den Unterrichtsbeginn. In den 20-minütigen Pausen, vor allem in der ersten um 9 Uhr, möchten viele frühstücken, außerdem vielleicht schreiben oder sich unterhalten - das geht im Sitzen besser.

Was sagen die Schüler?

Dass sie in der Pause gern an die frische Luft gehen würden, ohne die ganze Zeit stehen zu müssen.

Was passiert also zurzeit in den Pausen?

Viele Schüler stehen im Foyer oder sitzen dort auf der Treppe. Einige sitzen in der Aula auf Stühlen an Tischen, wo etwa 80 Schüler Platz finden, aber eben nicht draußen. Auf dem Hof verteilen sich die Schüler zumeist vor den Fenstern des Erdgeschosses, denn deren Fenstersimse bieten die einzige Möglichkeit, sich halb sitzend, halb lehnend auszuruhen. Das schadet den Jalousien, die die Schüler mit Rücken und Rucksäcken berühren. So finden zudem nur wenige Platz und bequem ist es auch nicht.

Was ist mit den Pflanzenkübeln im hinteren Bereich des Hofs? Deren roter Betonrand ist doch breit genug zum Sitzen?

Ja, aber Beton ist kalt und die Farbe färbt ab.

Was ist mit der Freitreppe auf dem benachbarten Hof des Robert-Schuman-Berufskollegs (RSB)?

Da wollen die Schüler nicht hin, weil die roten Steine auf die Hose abfärben und weil sie von dort die Schulglocke nicht hören. Und das ist auch besser so, weil in ihrer Pause im Schuman-Kolleg noch der Unterricht läuft.

Was sagt die Schulleitung?

Dass sie noch vor dem Baubeginn im Sommer 2013 darauf hingewiesen hat, dass der Schulhof Sitzplätze braucht, und seitdem immer wieder. Dass sie am 13. September 2016 in einer Mail einen konkreten Vorschlag an die Stadt geschickt habe: 50 Bänke um die Bäume in der Mitte des Schulhofs, die Platz für etwa 200 bis 250 Schüler böten. Dass das Schulverwaltungsamt gut und schnell reagiert habe, dass der Antrag dann monatelang beim Tiefbauamt lag und dass die Stadt kürzlich signalisiert habe, nach den Sommerferien die Bänke aufzustellen.

Was sagt die Stadt?

Die Stadt bestätigt den Plan, in Kürze die Bänke aufzustellen. Ob die Schulhofgestaltung von der Stadt gewünscht oder vom Architekten entschieden wurde, beantwortete sie bisher nicht.

Was sagt der Architekt des Gebäudes?

Am Montag haben wir bei Gerber Architekten gefragt: "Warum gibt es keine Sitzgelegenheiten auf dem Schulhof? Inwiefern ist beim Entwurf und der Planung daran gedacht worden, den Schülern Sitzgelegenheiten zu bieten?" Man werde sich bald melden, hieß es. Am Dienstag riefen wir telefonisch an und wurden vertröstet.

Am Mittwoch mailte das Büro, Herr Gerber sei in Berlin und könne erst nach seiner Rückkehr am Freitag darauf angesprochen werden. Wir antworteten: "Es ist natürlich jedem freigestellt, ob er unsere Fragen beantwortet. Aber von einem Architekten, der ein so wichtiges Gebäude für Dortmund gebaut hat, ist es meiner Meinung nach nicht zu viel verlangt, sich ein paar Minuten Zeit für eine Antwort zu nehmen, wenn es ein Problem mit dem Gebäude gibt." Seitdem haben wir nichts mehr gehört.

Unsere Quellen dieser Recherche sind: Kevin Butschko, Schülersprecher des RBB; Markus Herber, stellvertretender Schulleiter; die Pressestelle der Stadt, die Pressesprecherin von Gerber Architekten, ein Besuch der Schule und des Schulhofs und Gespräche mit einigen Schülern.

Beide Schulen, RBB und RSB, wurden im Auftrag der Stadt von Gerber Architekten geplant, von der Investmentgesellschaft Cordea Savills für 80 Millionen Euro gekauft und werden aktuell von der Stadt für die Berufskollegs gemietet.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >
Auch interessant
Leserkommentare (1) Kommentar schreiben
    Aus der Rubrik