Kein BVB-Stadion in FIFA18

Aus dem Spiel genommen

Der Signal Iduna Park.

Foto: Archivfoto: DeFodi.de

Der Signal Iduna Park. Foto: Archivfoto: DeFodi.de

Dortmund.  FIFA, die meistverkaufte Computerspiel-Reihe der Welt, muss in seiner aktuellen Variante ohne den Signal-Iduna-Park auskommen. Das lag, sagt der BVB, an der Softwarefirma EA Sports. Die habe sich "gegen eine Weiterentwicklung der Partnerschaft mit dem BVB ausgesprochen.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >

Man kann FIFA 18 einfach nur für eines von vielen Computerspielen halten, die es auf dem Markt gibt. Wenn man die Sache so sieht, dann juckt einen die Nachricht, dass in dieser Simulation der Signal-Iduna-Park nicht stattfindet, wahrscheinlich nicht weiter. Doch die FIFA-Reihe des amerikanischen Softwareherstellers EA Sports ist das seit Jahren meistverkaufte Computerspiel auf einem der wichtigsten Computerspiele-Märkte der Welt (Deutschland) - hier ahnt man, dass das doch eine Nachricht ist.

An der Spielereihe FIFA kann man ganz wunderbar nachverfolgen, wie sich Rechner (am Anfang) und später auch Spielekonsolen weiterentwickelt haben. Rannten am Anfang, 1993, noch mehr oder minder Strichmännchen über eine grüne Tapete, sieht man in der letzten Versionen Spieler, die ihren Alter Egos im richtigen Leben immer ähnlicher wurden.

Echte Fußball-Ligen mit den tatsächlichen Spielernamen

Das ist hübsch anzusehen und gleichzeitig eines der großen Pfunde der FIFA-Reihe: Es gibt dank umfangreicher Lizenzen, unter anderem etwa ein Exklusivvertrag mit der Deutschen Fußball-Liga (DFL), echte Fußball-Ligen mit den tatsächlichen Spielernamen in detailgetreuen Stadien - ein entscheidendes Verkaufspfund im Konkurrenzkampf mit der anderen Fußballsimulation PES (Pro Evolution Soccer) aus dem japanischen Haus Konami.

Dieses Spiel ist vergleichsweise jünger, 2001 kam die erste Version auf den Markt. Es hat weniger Lizenzen - daher laufen bei PES mehr Mannschaften mit Fantasiespielernamen aufs Feld. Wett gemacht wurde das, so hieß es zumindest unter den Fans dieser Reihe, weil das Spiel realistischer sei und darüber hinaus taktisch besser. Der Streit zwischen den Anhängern beider Spiele, welches jetzt das bessere sei, wird mit einem annähernd religiösen Eifer geführt.

Manche richten nach dem Veröffentlichungsdatum ihren Urlaub

Doch der Marktführer, die FIFA-Reihe, ist ein Selbstläufer geworden, dem Veröffentlichungsdatum der nächsten Reihe fiebern viele Tausend Menschen entgegen. Es gibt Fans, die passen ihren Urlaubsplan der Veröffentlichung an. 2016 etwa war die damals erschienene FIFA17-Version wenige Stunden nach dem Verkaufsbeginn über eine Million Mal verkauft worden. Fußballsimulationen sind mit ihrer zunehmenden Detailtreue und Verbreitung für die Vereine immer wichtigere Marketinginstrumente geworden.

In der aktuellen FIFA-Version, die am 29. September auf den Markt kam, ist der Signal-Iduna-Park allerdings nicht mehr vorhanden. Laut der Pressestelle von EA Sports Deutschland liegt das an Borussia Dortmund, der Verein habe eine exklusive Partnerschaft mit Konami abgeschlossen, daher sei der Signal-Iduna-Park in der aktuellen FIFA18-Reihe nicht mehr zu sehen. Weiter wolle man sich zu vertraglichen Inhalten nicht äußern.

Zusammenarbeit mit Bayern und gegen den BVB

BVB-Marketingdirektor Carsten Cramer bestätigt auf Anfrage eine mehrjährige Partnerschaft mit dem japanischen Softwarehersteller Konami. Nach dem Grund für den Wechsel gefragt, antwortet Cramer wie folgt: "Leider hat sich EA Sports vor dieser Saison für eine umfangreiche und extrem werthaltige Zusammenarbeit mit einem Mitbewerber und gegen eine Weiterentwicklung der Partnerschaft mit dem BVB ausgesprochen, obwohl wir von unserer Seite aus erhebliche Anstrengungen unternommen haben, diese erfolgreich fortzusetzen." Erfolgreich heißt hier, einen ähnlicher Premium-Status in der Spielereihe wie Bayern München zu erhalten, bei diesem Verein dürfte es sich um den von Cramer genannten Mitbewerber nach unseren Informationen handeln - Lizenzen in diesem Segment werden siebenstellig entlohnt, nicht zu unterschätzen ist auch der Werbeeffekt.

Zu einer Einigung kam es nicht, doch mit Konami stand ein Mitbewerber bereit, über dessen "engagiertes Bekenntnis zum BVB" sich Cramer, wie er sagt, freut. Dass die Zusammenarbeit zwischen EA Sports und dem BVB in der Vergangenheit eng war, zeigt ein Blick auf das Spielecover der Fifa 17-Variante. Dort war Marco Reus abgebildet. Beim aktuellen Spiel ist das Cristiano Ronaldo von Real Madrid. Jetzt fehlt also das laut der Times "schönste Stadion der Welt" in der wichtigsten Fußballspiel-Simulation. Die BVB-Spieler indes werden weiter auch bei Fifa 18 auflaufen.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >
Auch interessant
Leserkommentare (0) Kommentar schreiben
    Aus der Rubrik