Bergbau

Auf Zeche Gneisenau soll Bergbaukultur erlebbar werden

Die Zeche Gneisenau in Dortmund.

Foto: Stefan Reinke

Die Zeche Gneisenau in Dortmund. Foto: Stefan Reinke

Dortmund.   Das ehemalige Bergwerk Gneisenau in Dortmund-Derne prägt schon von weitem das Ortsbild. Die beiden Fördertürme überragen den kleinen Stadtteil. Dabei sind von einer der größten europäischen Zechen nur noch wenige Relikte erhalten. Ein Förderverein aus ehemaligen Kumpeln kümmert sich liebevoll darum.

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Stolz ragt der Doppelbock der ehemaligen Zeche Gneisenau in den Himmel über Dortmund-Derne. Er ist eines der letzten Relikte, die der Bergbau hier am nördlichen Stadtrand hinterlassen hat. Das Bauwerk überragt die geduckten Arbeiterhäuser des Ortes und wirkt etwas deplatziert.

Die Zeche Gneisenau steht sinnbildlich für Dernes Vergangenheit – und soll zugleich Schlüssel zur Zukunft dieses kleinen Stadtteils sein. Rund 6000 Menschen leben in Derne, genau so viele waren einst auf Gneisenau beschäftigt. Bis 1985. Am 4. August wurde die letzte Schicht gefahren, die Arbeitsplätze zogen weiter.

Seit 1886 ernährte Gneisenau die Bevölkerung des Ortes. Das Bergwerk wuchs und wuchs. 1934 wurde Schacht IV, das ist der mit dem mächtigen Doppelbock, abgeteuft. Mehr als eine Million Tonnen Kohle wurden jährlich gefördert.

Eine der größten Zechen Europas

Selbst die Bombardierung durch alliierte Flieger im Zweiten Weltkrieg konnte den Aufstieg der Zeche nur kurz bremsen. Zwei Monaten nach Kriegsende lief die Förderung bereits wieder. Ihren Höhepunkt erreichte die Zeche in den Siebzigerjahren. 6300 Bergleute malochten und förderten bis zu 4,5 Millionen Tonnen im Jahr.

„Wir waren eine der größten und modernsten Zechen Europas“, erinnert sich Helmut Böcker. Der 55-Jährige hat elf Jahre als Hydrauliker unter Tage gearbeitet. Später ging er zu Hoesch.

Jetzt ist er wieder auf Gneisenau und verwaltet gewissermaßen seinen eigenen Nachlass. Mit dem „Förderkreis Zechenkultur Gneisenau“ versucht er zu retten, was noch zu retten ist.

Einer der ältesten Fördertürme des Ruhrgebiets

Zum Beispiel den Tomson-Bock, diese klassischste aller Förderturm-Bauformen im Ruhrgebiet. Der auf Gneisenau ist der letzte seiner Art im Revier – und zugleich einer der ältesten. Zwei weitere standen auf dem Gelände, wurden jedoch abgerissen. Zu schnell, wie Böcker meint. „Für vieles hätte man eine sinnvolle Nutzung finden können“, sagt er mit Wehmut in der Stimme, wägt aber auch ab: „Natürlich kann man nicht alles erhalten. Das Rad der Zeit muss sich weiterdrehen.“

Auf Gneisenau sollen sich in Zukunft vor allem Lkw-Räder drehen. Das Zechengelände wird als Logistik-Standort angepriesen. Viel zu sehen ist davon noch nicht. 6000 Menschen werden hier nie wieder arbeiten.

Eine Halde lädt zum Spazierengehen ein. Mit satten Wildwiesen, Blumen, Bienen und einem Blick bis ins Münsterland. Eine knallig-orangefarbene Schaukel rahmt den aus der Zeit gefallenen Doppelbock ein. Am Fuße des 56 Meter hohen Fördergerüsts stehen die Maschinenhallen, in der nördlichen richten die rund 60 Mitglieder des Fördervereins mit viel Hingabe ein kleines Museum ein.

In der Mitte des Gebäudes dominieren die zwei Antriebsmaschinen. Die 4000-PS-Boliden wurden 1934 installiert und beförderten Kumpel bis zur 5. Sohle in rund 500 Metern Tiefe.

"Türkische Bergleute sind nicht wegzudenken"

Doch das Museum soll den Blick nicht nur auf die Technik richten. „Wir wollen über das Leben über und unter Tage informieren“, sagt Böcker. Umso bedauerlicher sei es, dass sich keine Kumpel ausländischen Kumpel im Verein engagieren. „Die türkischen Bergleute sind gar nicht wegzudenken“, lädt Böcker auch ehemalige Gastarbeiter zum Mitmachen ein.

Denn Arbeit gibt es genug. Exponate wollen gesammelt und gepflegt und die Halle zur Begegnungsstätte für ehemalige Bergleute ausgebaut werden. Und auch der Nachwuchs steht im Fokus. So wollen die Männer und Frauen vom Förderkreis Schulen ansprechen und das Museum als Lernort anbieten, um anschaulich zu machen, wie hart die Arbeit unter Tage war – in einer Zeit, als der Doppelbock noch kein Relikt aus besseren Tagen war, sondern eine Stütze des Wirtschaftswunders.