RhineCleanUp

Weniger Müll, mehr Helfer: RhineCleanUp feiert erste Erfolge

Eva und Michael Heyne mit Janne, Felix und Skip räumten das Rheinufer in Dinslaken auf.

Eva und Michael Heyne mit Janne, Felix und Skip räumten das Rheinufer in Dinslaken auf.

Foto: Lars Fröhlich / FUNKE Foto Services

Dinslaken/Voerde.  An den Ufern des Rheins in Dinslaken und Voerde lag weniger Müll als beim RhineCleanUp im vergangenen Jahr. Und mehr Helfer packten mit an.

Es ist einiges los auf den Rheinwiesen am Stapp in Dinslaken. Überall verteilt sind am Ufer Menschen unterwegs, ausgerüstet mit Handschuhen, Müllsäcken und Zangen und sammeln Unrat entlang des Flussufers auf. Gut 150 Teilnehmer zählt die Aktion RhineCleanUp hier. „Das sind wesentlich mehr als im vergangenen Jahr“, sagt Ralf Köster vom Din-Service, der die Aktion am Flussufer mit Ausrüstungsgegenständen unterstützt. Und auch in Sachen Müll hat sich etwas getan. „Es ist nicht mehr ganz so schlimm wie im vergangenen Jahr“, sagt Ralf Köster.

RhineCleanUp in Dinslaken
RhineCleanUp in Dinslaken

Zelte und Klappstühle von Anglern - aber weniger als 2018

Trotzdem haben die fleißigen Helfer beim RhineCleanUp noch einiges zu tun. Es finden sich Zelte und alte Klappstühle am Ufer des Flusses, oft vermutlich von Anglern dort zurückgelassen. Wegen dieser Art von Verschmutzung ist Peter Kopitto bei der Aktion mit dabei. Gerade hat er eine Sonnenliege am Flussufer entdeckt und trägt sie zur Sammelstelle auf dem Deich an der Emschermündung.

„Es liegt nicht mehr so viel Müll von Anglern am Ufer wie im vergangenen Jahr noch“, sagt er. Da er selbst Mitglied eines Angelvereins ist und selbst oft in der Gegend spazieren geht, ist es ihm wichtig, dass die Angler keinen Müll am Rheinufer hinterlassen. „Ich versuche, dafür ein Bewusstsein bei den Anglern hier zu schaffen“, sagt er.

Umweltschutz als Familienaufgabe

Ebenfalls lehrreich soll der Ausflug zum Müllsammeln am Rheinufer für die Kinder der Familie Bühling sein. Mutter Julia sammelt gerade mit ihrem zweijährigen Sohn Till Abfall ein. „Ich finde es wichtig, dass man den Kindern vermittelt, dass man Müll nicht einfach liegen lässt“, erklärt sie. „Außerdem denke ich, die Aktion ist eine gute Sache, die man unterstützen sollte.“

60 Helfer räumten allein in Götterswickerhamm auf

Das dachten sich auch in Voerde sehr viele Menschen. Allein in Götterswickerhamm, neben Mehrum und Ork einer von drei Orten, an denen die Aktion RhineCleanUp auf Voerder Stadtgebiet startete, waren 60 Menschen vor Ort, um sich an der Aktion zu beteiligen.

Schnell füllen sich entlang des Ufers die Müllsäcke. Isabelle Steinwerth und Arno Litterscheidt haben sich dabei ein ganz eigenes Ziel gesetzt: „Wir kümmern uns heute um kleinere Plastikteile“, sagt Isabelle Steinwerth. Mit Handschuhen ausgestattet durchkämmen die beiden das Treibgut. „90 Prozent von dem, was man hier findet, sind die Überreste von Wattestäbchen“, erklärt er und zeigt eine Hand voll der kleinen Plastikteile, die er gerade aus dem Treibgut am Ufer gepult hat.

„Schöne Stunden an der frischen Luft“

Vor allem geht es den beiden um Umweltschutz, aber als neu aus Duisburg nach Voerde gezogene junge Menschen wollen sie hier auch mit Gleichgesinnten ins Gespräch kommen.

Die Chancen dafür stehen nicht ganz schlecht, sind doch auch in Götterswickerhamm viele engagierte Helfer unterwegs – und auch darunter wieder viele Familien mit Kindern. Julian Bossack ist mit seinen Söhnen Arne (2) und Ole (3) am Rheinufer unterwegs. „Wir wollten den Jungs zeigen, wie man richtig mit dem Müll umgeht“, sagt er. „Außerdem hatten wir einige schöne Stunden an der frischen Luft.“ Dann geht es für ihn und seine Söhne weiter – auf die Suche nach einem Eis als kleine Belohnung für die Arbeit.

Die gibt es für alle Helfer im Dorfgemeinschaftshaus in Götterswickerhamm. Dort wartet schon Mona Kronenburg vom Verein Unser Dorf hat Zukunft, der sich in Götterswickerhamm um die Aktion Rhine-CleanUp kümmert. „Wir hatten drei Mal so viele Menschen hier, wie im vergangenen Jahr“, sagt sie. Und die haben neben reichlich Wattestäbchen eine Kühlschranktür, einen Sonnenschirm und diverse alte Angelstühle am Rheinufer entdeckt. „Ein Großteil der Sachen kommt von den Schiffen oder von Anglern“, sagt Mona Kronenburg. Für sie ist die Aufräumaktion gelungen.

In Mehrum türmte sich nach getaner Arbeit dennoch ein beachtlicher Müllberg. „Viele volle Säcke mit Wohlstandsmüll von vielen dummen Säcken“, schimpfte Heiko Herbstsommer.

Nabu konzentrierte sich auf Kleinteile

Für die Nabu-Jugendgruppen war Müllsammeln schon lange vor RhineCLeanUp ein Thema. Schon etliche Male hat der NABU am Rheinufer und an der Rotbachmündung Müllsammelaktionen gestartet, um die Hinterlassenschaften von Personen, die dort grillen oder angeln zu beseitigen. Nun haben rund 20 Kinder der NABU-Jugendgruppen Dinslaken/Voerde zusammen mit Eltern, Gruppenleiterin Petra Sperlbaum und dem Kreisgruppenvorsitzenden Peter Malzbender erneut Müll gesammelt. Bei der RhineCleanUp und NAJU-Trashbuster-Aktion lag der Fokus auf Plastikstäbchen lag, die für Umwelt und Tiere verheerende Folgen haben können.

„Diese Stäbchen werden von den Kläranlagen nicht aufgefangen und landen insbesondere bei Hochwasser über die Emscher im Rhein“, erklärt Diplom-Biologin Petra Sperlbaum. Auch Plastikringe von Flaschenverschlüssen seien eine Gefahr, insbesondere für Vögel, die sich darin verfangen würden. „Wir sammeln nicht nur die großen Teile, sondern wollen möglichst viel Kleinmüll sammeln, der mit dem Holz-Schwemmgut ans Ufer gespült wird.

„Es ist unfassbar, was die Leute hier zurücklassen“

Neben den vielen Plastikteilchen fanden die Müllsammler aber auch Schaumstoffmatten oder einen Regenschirm. „Es ist unfassbar, was die Leute hier zurücklassen. Wir haben auch schon Fernseher oder Kühlschränke gefunden“, berichtet Peter Malzbender mit einem Kopfschütteln. Im vergangen Jahr habe die Gruppe auf 100 Metern 20 Säcke Müll gesammelt, erinnerte sich Malzbender.

„Wenn man oben auf dem Deich spazieren geht, sieht man den ganzen Müll nicht, aber hier am Ufer liegt jede Menge“, ergänzt Petra Sperlbaum. Auch werde der Müll bei Hochwasser ein Stück Richtung Deich herauf gespült und dann von den Pflanzen und Sträuchern überwuchert. „Durch solche Aktionen merken die Kinder, dass extrem viel Müll am Rhein liegt und dass es eklig ist. Sie sollen sensibilisiert werden und dieses Wissen an die Erwachsenen weitergeben. Nachhaltiges Verhalten ist das A und O. Wenn jeder an seinem eigenen Verhalten arbeiten würde, wäre schon eine Menge gewonnen“, appelliert Sperlbaum. (Philipp Stroetmann)

>>Hintergrund und Ausbeute

Beim RhineCleanUp sollte der Fluss von der Quelle bis zur Mündung von Unrat befreit werden.

Die Veranstaltungen in Dinslaken und Voerde waren nur zwei der Aktionen entlang des Flusses. Insgesamt gab es am Aktionstag 189 Veranstaltungen mit mehr als 20.000 Helfern, die mehr als 170.000 Kilogramm Müll entlang des Flusses einsammelten.

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