Rettungsdienste

Voerde bekommt Rettungswache – Standort ist noch nicht klar

Zwölf Minuten sollen die Retter maximal benötigen, um zum Einsatzort zu gelangen. Im ländlichen Bereich des Kreises Wesel dauert es oft länger.

Zwölf Minuten sollen die Retter maximal benötigen, um zum Einsatzort zu gelangen. Im ländlichen Bereich des Kreises Wesel dauert es oft länger.

Foto: Oliver Mengedoht / FUNKE Foto Services

Durch die neue Rettungswache in Voerde erwartet die Stadt, dass die Bewohner aller Ortsteile einfacher eine ausreichende Versorgung erhalten.

Kreis Wesel. Zu langsam, nicht transparent: Die Kreisverwaltung musste zum Thema Rettungsdienstbedarfsplan auch in ihrer Infoveranstaltung im Kreishausfoyer Schelte einstecken. Eigentlich müsse der Kreis nur die Zustimmung der Krankenkassen und der Städte mit eigener Rettungswache – Moers, Dinslaken und Wesel – einholen, erläuterte Gutachter Jens-Christian Petri vom Büro Orgakom in Waldbronn. Frank Tatzel, Bürgermeister Rheinbergs, kritisierte, dass er über die Zeitung vom Beschluss erfahren habe, den nächtlichen Notarztdienst in Rheinberg und Xanten zunächst zu erhalten – das Problem ist um ein Jahr vertagt. Eine „verfehlte Kommunikation“ nannte er das. Drastischer wurde Xantens Bürgermeister Thomas Görtz, der die Kommunikation als „Vollkatastrophe“ bezeichnete. Landrat Ansgar Müller führte die vielen Verfahrensbeteiligten als Grund an. „Ich räume aber gerne ein, dass wir als Kreis in der Kommunikation nicht alles richtig gemacht haben.“

Kreis hat sich nicht in allen Punkten an die gutachterlichen Vorschläge gehalten

Nicht in allen Punkten hat sich der Kreis in seinem Entwurf an die gutachterlichen Vorschläge gehalten (die NRZ berichtete), so soll der nächtliche Notarztdienst in Rheinberg und Xanten vorerst bleiben. Der Entwurf enthalte ein Plus von knapp einem Viertel mehr Personal und Fahrzeugen, so Petri. Insgesamt soll es im Rettungsdienst 300 Vollzeitstellen geben, 65 davon im Krankentransport aktiv.

Ein Ziel sei es, die Ausrückedauer zu senken: den Zeitraum vom Alarm bis zum Losfahren. Häufig sorgten ungünstige Gebäude für Verzögerungen. Jede gesparte Minute erhöhe den Radius um einen Kilometer innerhalb der gewünschten Hilfsfrist von zwölf Minuten. Der Schwerpunkt liegt bei den Rettungstransportwagen (RTW), denn künftig sollen weniger Notarzteinsätze anfallen: Die RTW sind mit besser ausgebildeten Notfallsanitätern besetzt.

Zwölf Minuten sollen die Retter zum Einsatzort brauchen. Bei knapp 90 Prozent der Einsätze im Kreis gelingt das – im Durchschnitt. Das Problem: Es wird nicht die einzelne Kommune, sondern das gesamte Kreisgebiet gerechnet. In den Städten geht es schneller als auf dem Land.

Nachbarstadt Dinslaken wird Wache in Voerde betreiben

Die neue Rettungswache in Voerde, die nach dem Entwurf des Rettungsdienstbedarfsplans ganzjährig rund um die Uhr einsatzbereit sein muss, wie Voerdes Erster Beigeordneter und Ordnungsdezernent, Wilfried Limke, auf Anfrage der NRZ erklärt, wird durch die Stadt Dinslaken (Feuerwehr) betrieben. Vereinbarungen dazu seien noch zu treffen. Die Rettungswache in Dinslaken sei gemäß des gegenwärtig bestehenden Rettungsdienstbedarfsplanes schon jetzt für die überwiegende Zahl der Voerder Bürgerinnen und Bürger zuständig, erklärt Limke.

Nach dem jetzigen Kenntnisstand kann der Beschluss für die neue Rettungswache in Voerde, die im Entwurf des am Montag vorgestellten Rettungsdienstbedarfsplans vorgesehen ist (die NRZ berichtete), beim Kreis voraussichtlich Ende dieses Jahres gefasst werden, wie Wilfried Limke, Voerdes Erster Beigeordneter und Ordnungsdezernent, erklärt. Danach, „besser: bis dahin“, müsse ein Standort gefunden werden. Dabei kann ein bestehendes Gebäude, das die vorgesehene Nutzung ermöglichen muss, in Frage kommen oder es muss neu gebaut werden, was naturgemäß mehr Zeit in Anspruch nehmen würde. Wo die neue Rettungswache, die durch den Kreis Wesel als Träger des Rettungsdienstes errichtet wird, in Voerde entstehen soll, sei noch nicht bekannt, wie Wilfried Limke weiter ausführt.

Beigeordneter: Hilfsfrist von zwölf Minuten künftig leichter einzuhalten

Durch deren Stationierung in Voerde erwartet er, dass die Einwohner des gesamten Stadtgebietes, in allen Stadtteilen, „künftig einfacher eine ausreichende Versorgung erhalten“ werden. Dies begrüße er sehr, betont der Erste Beigeordnete und Ordnungsdezernent. Bereits jetzt könne anhand der öffentlich gemachten Daten als sicher gelten, dass Bereiche in Voerde wie etwa die Rheindörfer, die bisher nur schwierig innerhalb von zwölf Minuten anzufahren waren, zukünftig leichter in dieser Hilfsfrist erreicht werden könnten.

„Darüber hinaus sollte dieser neue Standort auch geeignet sein, die Versorgung bis in die Gemeinde Hünxe hinein zu verbessern“, konstatiert Limke. (sz/P.K.)

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