Gericht

Staatsanwältin fordert elf Jahre Haft für Dinslakener (56)

Vor dem Landgericht Duisburg muss seit Juli sich ein 56-jähriger Dinslakener wegen Totschlags verantworten.

Vor dem Landgericht Duisburg muss seit Juli sich ein 56-jähriger Dinslakener wegen Totschlags verantworten.

Foto: Volker Hartmann / dpa (Symbol)

Dinslaken/Duisburg.  Mann, der seine Frau erstickt und versucht haben soll, die Tat als Selbstmord zu tarnen, soll in Haft. Verteidiger spricht von bloßen Hypothesen.

Elf Jahre wegen Totschlags. So lautete am Donnerstagnachmittag der Antrag der Staatsanwältin gegen einen 56-jährigen Dinslakener. Zur Überzeugung der Anklagevertreterin hat er in der Nacht zum 13. Januar seine 52-jährige Ehefrau erstickt und anschließend versucht, die Tat als Selbstmord zu tarnen.

„Wir wissen, dass die Getötete keinen Selbstmord beging“, so die Staatsanwältin in ihrem Plädoyer, das im Verhältnis zur einstündigen Dauer Substanz vermissen ließ. Bei der Obduktion waren Spuren von massiver Gewalteinwirkung gegen Gesicht und Hals des Opfers entdeckt worden. Dann war die Frau erstickt worden. Die Kabelbinder, die bei der Auffindung fest um den Hals der Leiche geschlungen waren, wurden erst nach dem Tod der 52-Jährigen angebracht.

Staatsanwältin entlastet Sohn: „Schon rein körperlich war dazu nur der Angeklagte in der Lage“

In der Wohnung hätten sich zur Tatzeit nur der Angeklagte und sein Sohn aufgehalten, referierte die Anklagevertreterin. Sie ging allerdings davon aus, dass der 17-Jährige nicht fähig gewesen sei, einen solchen Totschlag zu begehen. „Schon rein körperlich war dazu nur der Angeklagte in der Lage.“ Den stellte die Staatsanwältin als selbstsüchtigen Menschen an den Pranger, der seine unter Depressionen leidende Ehefrau in keiner Weise unterstützt habe. Sein Motiv für die Tat: Der 56-Jährige habe es nicht ertragen, dass sich seine Ehefrau von ihm trennen wollte.

Der Nebenklagevertreter, selbst erfahrener Strafverteidiger, machte darauf aufmerksam, dass der Sohn des Angeklagten, der vier Monate unter Verdacht stand, bevor die Ermittlungen gegen ihn eingestellt wurden, sich in keiner von fünf Vernehmungen in Widersprüche verwickelt habe. „Es gibt keinen Anhaltspunkt für ein Motiv des 17-Jährigen. Alles spricht für eine Täterschaft des Vaters.“ Falls der Angeklagte seinen Sohn durch sein Schweigen lediglich habe schützen wollen, sei es unverständlich, wieso der Sohn nicht auch einfach geschwiegen habe und sich stattdessen noch zum Nebenkläger bestellte.

Verteidiger meint: Das alles sind nur Hypothesen

„Mag alles so sein“, meinte der Verteidiger trocken. „Doch es sind nur Hypothesen. Und es ist genau so gut auch eine andere Hypothese denkbar.“ Der Rechtsanwalt wies darauf hin, dass es nur eine Quelle für angebliche Familienprobleme gebe: „Der Sohn war der einzige, der uns hier erzählt hat, dass seine Mutter sich von seinem Vater trennen wollte.“ Der Jugendliche sei auch der einzige gewesen, der davon berichtete, dass seine Mutter einmal mit Selbstmord gedroht habe.

Der Verteidiger fand es erstaunlich, dass die Anklagevertreterin nur seinem Mandanten die Tat zutraute. „Der Sohn der Getöteten ist Fußballer und seine Mutter war laut eigenen Ausführungen der Frau Staatsanwältin aufgrund von Beruhigungsmitteln gar nicht mehr zur Gegenwehr in der Lage.“ Denkbar sei, dass der 17-Jährige, der seine Mutter abgöttisch liebte, mit der krankheitsbedingten Wesensveränderung der 52-Jährigen nicht zurecht gekommen sei. „Als sie ihn dann, als er alkoholisiert von einer Party kam, anwies, den Fernseher leiser zu stellen, könnte der sonst so ruhige Zeuge sich zur Tat entschlossen haben.“ Doch das alles seien nur Gedankenspiele, gab der Verteidiger zu. „Letztlich haben wir nur eine tote Frau, eine zerstörte Familie und keine Beweise.“ Er beantragte Freispruch.

Das Urteil des Landgerichts Duisburg soll am Freitag kommender Woche verkündet werden.

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben