Solidarische Landwirtschaft trifft einen Nerv

Voerde.   Die Solidarische Landwirtschaft (Solawi) Niederrhein geht in ihr zweites Wirtschaftsjahr. Nach einem turbulenten ersten Jahr trafen sich bisherige Mitglieder und neu Interessierte in der Stockumer Schule, um den aktuellen Stand der Dinge zu besprechen. Dabei zogen die Pioniere ein positives Fazit für die ersten zwölf Monate: „Es lief wesentlich besser als wir befürchtet hatten“, scherzte Regina Großefeste, die von Anfang an mit dabei war. „Wir haben hier Leute, die von der Idee begeistert sind.“

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Die Solidarische Landwirtschaft (Solawi) Niederrhein geht in ihr zweites Wirtschaftsjahr. Nach einem turbulenten ersten Jahr trafen sich bisherige Mitglieder und neu Interessierte in der Stockumer Schule, um den aktuellen Stand der Dinge zu besprechen. Dabei zogen die Pioniere ein positives Fazit für die ersten zwölf Monate: „Es lief wesentlich besser als wir befürchtet hatten“, scherzte Regina Großefeste, die von Anfang an mit dabei war. „Wir haben hier Leute, die von der Idee begeistert sind.“

Planungssicherheit für den Landwirt

Die Idee der Solidarischen Landwirtschaft ist es, die klassische Produzenten-Konsumenten-Beziehung aufzulösen. Der Landwirt produziert hier nicht mehr für einen globalen, anonymisierten Markt, in dem es keine finanzielle Sicherheit gibt. Stattdessen wird das Gemüse für eine Gruppe produziert, die sich dazu verpflichtet, die Arbeit des Landwirts für ein Jahr zu finanzieren. Der Landwirt erhält dadurch Planungssicherheit und teilt die Verantwortung etwa bei Ernteausfällen mit der Solidargemeinschaft. Die erhält im Gegenzug einmal wöchentlich regional und saisonal produziertes Gemüse und kann über die Produktion mitbestimmen. Zeichnet man einen Anteil der Solidarischen Landwirtschaft, werden also Anbau, Ernte und Verteilung finanziert, nicht aber das Gemüse selbst wie es etwa im Supermarkt der Fall ist. „Die Lebensmittel verlieren ihren Preis und erhalten damit ihren Wert zurück“, erläutert Regina Großfeste das Prinzip.

Mit der Solidarischen Landwirtschaft Niederrhein haben die Pioniere einen Nerv getroffen: Im ersten Wirtschaftsjahr wurden 40 volle und 47 halbe Anteile gezeichnet. So waren weit mehr als 80 Menschen an der Verbrauchsgemeinschaft beteiligt. Möglich wurde das Projekt nicht zuletzt durch die Kooperation mit Christian und Heike Hülsermann, die in Spellen den Tinthof betreiben und der Solawi auch in diesem Jahr wieder einen Hektar Land zur Verfügung stellen. „Unser Beweggrund ist es, dass wir den Menschen die Landwirtschaft wieder ein bisschen näherbringen wollen. Der Bezug zur Realität ist gar nicht mehr vorhanden“, sagt Christian Hülsermann.

Das Ehepaar Hülsermann sieht die Solawi als Pendant zu ihrem Hof, der bereits biologisch-dynamisch nach Demeter-Richtlinien geführt wird. Da die Familie allerdings mit dem eigenen Hof gut ausgelastet ist, hat die Solawi Niederrhein zwei Gärtner eingestellt, die sich um den Acker kümmern. Einer ist Maik Frevel, der für das Projekt von Mecklenburg-Vorpommern an den Niederrhein gezogen ist. Während sein Kollege sich nach einem Jahr von der SoLaWi verabschiedet und ein Nachfolger gefunden werden muss, möchte Frevel weiter in Spellen arbeiten: „Wenn ich sehe, wie ich den Acker bewirtschafte, dass es dem Acker guttut, ist das für mich das Größte“, sagt er.

Auch Rückschläge zu verkraften

Doch im ersten Jahr gab es für die ambitionierte Gemeinschaft auch einige Rückschläge zu verkraften. So wurde der 65 Meter lange Folientunnel im Herbst von einem Orkan erfasst und schwer beschädigt. Außerdem war es ein extrem trockener Sommer, und das Unkraut – das in der SoLaWi häufiger Beikraut genannt wird – wucherte: „Wenn man ökologisch wirtschaftet, ist Handarbeit angesagt“, sagt Regina Großefeste.

Dass die Mitglieder einer SoLaWi mitanpacken, ist nicht verpflichtend, aber durchaus erwünscht. Dafür bekomme man dann wieder ein Gefühl für die Lebensmittel, eine andere Wertschätzung für das, was letztlich zu Hause auf dem Teller landet.

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