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Niedrigzinsen - so begründen Sparkassen die Schaltergebühren

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Kreis Wesel  Bestimmte Kunden der Kreis Weseler Sparkasse müssen fürs Geldabheben am Schalter seit Oktober 1,50 Euro zahlen. So werden die Gebühren begründet.

Die Niederrheinische Sparkasse Rhein-Lippe im Kreis Wesel nimmt seit Anfang Oktober Gebühren für die Bargeldauszahlung am Schalter. Wer Geld in der Sparkassen-Filiale abhebt, muss bei bestimmten Kontomodellen 1,50 Euro pro Vorgang zahlen. Die Sparkassen begründen solches Vorgehen in einer allgemeinen Stellungnahme mit den Niedrigzinsen.

Die Nispa hat mit der Gebührenumstellung offenbar ein Urteil des Bundesgerichtshofs Karlsruhe aus dem Juni umgesetzt. Danach dürfen Banken für das Abheben und Einzahlen von Geld am Schalter Gebühr verlangen. Anlass war eine Klage der Wettbewerbszentrale aus dem Jahr 2016 gegen die Kreissparkasse in Günzburg, die je nach Kontomodell einen bis zwei Euro Schaltergebühr verlangt hatte.

Diese Kunden sind betroffen

Betroffen sind Nispa-Kunden, die das Standardkontomodell der Sparkasse, das Nispa-Klassik-Konto (Grundgebühr 3,90 Euro) nutzen. Sie wurden per Kontoauszug vom 30. August informiert. "Zum 1. Oktober 2019 passen wir die Preise für Bartransaktionen an unseren Kassen an. Ab diesem Zeitpunkt berechnen wir für jede Ein- und Auszahlung an Kassen oder am Schalter ein Entgelt in Höhe von 1,50 Euro," heißt es da. Den Kunden wird ein Widerspruchsrecht und ein kostenfreies Kündigungsrecht zum 30. Dezember eingeräumt.

Die teureren Kontomodelle - "Komfort" mit Grundgebühr 8,90 Euro und "Premium" mit 14,90 Euro Grundgebühr - sowie die Schülerkonten sind nicht betroffen.

Das schreiben die Sparkassen

Die Nispa war am Wochenende für eine Stellungnahme nicht zu erreichen. In einem offenen Brief Anfang des Jahres erklärten die Sparkassen erhöhte Kontoführungsgebühren oder Entgelte für das Abheben oder Überweisen mit den aktuellen Niedrigzinsen. Sparkassen hätten "Ausgaben und die müssen gedeckt werden. Das ist aufgrund der Niedrigzinsphase jedoch nicht mehr so einfach möglich." Um weiter den gewohnten Service bieten zu können, "müssen die Sparkassen heute einen Teil der Kosten an ihre Kunden weitergeben". Bislang sei es weitgehend möglich gewesen, Kunden von Gebühren zu verschonen, das werde "heute immer schwieriger".

Präsident warnt vor "Auswirkungen für breite Bevölkerung"

„Wenn es langfristig Geld kostet, Einlagen anzunehmen, und wenn man gleichzeitig Kreditnehmern Zinsen mitgeben muss, wird das irgendjemand bezahlen müssen“, so kritisierte Helmut Schleweis, Präsident des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes (DSGV), jüngst die Zinspolitik der Europäischen Zentralbank. In einem Interview mit dem Handelsblatt hat Schleweis, der 385 Sparkassen repräsentiert, Ende August vor höheren Kosten für die Bürger gewarnt: „Die Europäische Zentralbank setzt die bisherigen wirtschaftlichen Spielregeln außer Kraft. Wir haben schon lange darauf hingewiesen, dass die Auswirkungen eines Tages die breite Bevölkerung erreichen werden“, so Schleweis. (mit dpa)

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