Lesung

Jens Dirksen und Hubertus A. Janssen lasen im Strandhaus Ahr

Hubertus A. Janssen (l.) und Jens Dirksen machten sich im Strandhaus Ahr so manchen Reim über Gartenarbeit, Tiere am Niederrhein und im Ruhrgebiet, die Jahreszeiten und das Ende des Bergbaus.

Hubertus A. Janssen (l.) und Jens Dirksen machten sich im Strandhaus Ahr so manchen Reim über Gartenarbeit, Tiere am Niederrhein und im Ruhrgebiet, die Jahreszeiten und das Ende des Bergbaus.

Foto: Heiko Kempken / Heiko Kempken / FUNKE Foto Services

Voerde.  „Kohle, Kappes, Koniferen“: Jens Dirksen und Hubertus A. Janssen lasen im Strandhaus Ahr Erlesenes aus ihren wortverspielten NRZ-Beiträgen.

„Mehr Licht“ waren bekanntlich des Dichters letzte Worte. Aber am Mittwoch hörte man sie zur Begrüßung. Buchhändlerin Sabine Friemond-Kund hatte den Lyriker Hubertus A. Janssen und Jens Dirksen, Feuilleton-Chef der NRZ und Verfasser der Wochenendkolumne, zur Lesung von „Kohle, Kappes, Koniferen“ ins Strandhaus Ahr eingeladen. Und dort saßen sie vor ihrem Publikum erst einmal im Dunkeln.

Die Bühnenbeleuchtung war ausgefallen und Sonnenlicht von draußen? Fehlanzeige. Die Gewitterfront aus Süd-West schob dunkle Wolken und Starkregen über den Rhein und verfinsterte jede Aussicht auf Lichtblicke. Dass Gedeih oder Verderb der Lesung dann von einer einzigen Leselampe im Strandhaus Ahr abhingen, wäre eigentlich schon wieder ein Anekdote für eine neue Geschichte oder ein neues Gedicht.

Janssen rhythmisiert seine Verse aus dem Klang ganzer gleichlautender Familienstämme

Fragt man Hubertus A. Janssen nach dem ersten zündenden Gedanken seiner heiteren Gedichte und Limericks, sagt er es frei heraus: „Am Anfang ist das Wort.“ Ein Wort, das nicht allein bleibt, ja nicht einmal nur die traute Zweisamkeit als Reimpaar sucht. Janssen rhythmisiert seine Verse aus dem Klang ganzer gleichlautender Familienstämme – der Sinn, der sich daraus ergibt, ist teils originell, teils skurril, pointiert, erhellend und manchmal auch nur herrlich verrückt.

Jens Dirksen sei „gleich darauf hereingefallen“, als der aus dem Münsterland stammende und jetzt im Ruhrgebiet lebende Lyriker ihm erstmalig seine Gedichte zur Veröffentlichung anbot. Seitdem fanden „Igor, der Labrador im Sprachlabor“ und so manch anderer Reim ihr Heim zwischen Poesie von Heine bis Ringelnatz auf der ersten Kulturseite.

Ein Angsthase im Katzenfell

Jens Dirksens Kolumne über Kohl und Kappes im heimischen Garten gehört zum Sonntagsfrühstück von Sabine Friemond-Kund wie die Butter aufs Brot. Als sie erfuhr, dass der Journalist zusammen mit dem Lyriker Lesungen macht, nahm sie sofort Kontakt auf. Im Strandhaus Ahr zeigte sich, dass sie nicht die einzige ist, die Anteil nimmt an all dem, was sich im Dirksenschen Garten regt.

Oskar, der Angsthase im Katzenfell, weckt nicht nur Erinnerungen an den Kater Jones des unvergessenen Jörg Bartel – Dirksen las in Götterswickerhamm zur Freude der Anwesenden noch einmal dessen von „ent-stör-ten“ Gartenteich, Hühner sind allesfressende Schweine „mit zwei Flügeln dran“ und erweisen sich so als Eier produzierende Biomüllanlagen und mit Eichhörnchen Horst hat ein ganz ungeahntes kleines Wesen seinen Weg zunächst in den Hühnerstall, dann zum Hosenbein des Autors und schließlich in die Herzen der Leser gefunden.

Kolumne gibt auch ganz praktische Tipps

Auf der anderen Seite sind da die ganz praktischen Tipps: Selbst eingemachte Pflaumen machen sich im Glühwein gut, Unkraut dagegen lässt sich besser samt der Wurzeln mit alten, langforkigen Gabeln aus der Erde lösen. Danke, Oma Lisbeth, dass du nie etwas weggeworfen hast – sei es das ausgediente Besteck oder die leeren Weckgläser. Und danke, Jens Dirksen, für die Inspirationen.

Und dann „noch ein Gedicht“. Es ist Dirksen, der Janssen mit Erhard vergleicht, aber Janssen schöpft mehr aus der Sprache, aus ihrem Klang und ihrem Rhythmus. Und dies mit tierischem Vergnügen: Da haut es nicht nur den Otter locker vom Schotter-Hocker, wenn das Rind mit Rückenwind beschwingt im Sprint von einem Reim zum nächsten schwingt. Kann man einen Limerick über die deutsche Partnerschaft der irischen Stadt schreiben? Klar. Und schon wird das Publikum über die Verstauglichkeit von Renntauben aus Remscheid eingeweiht. Janssen verdichtet sogar Kolumnen von Dirksen zu Gedichten.

Der revanchiert sich am Ende der kurzweiligen Lesung mit eigenen Versen: „Ich dacht’ es wär’ ein Ringelnatz ohne Fransen – dabei war’s ein Janssen.“

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