Betonwerk in Hünxe

Hünxer Gottlieb Schmitgen erhält Diamantenen Meisterbrief

Liesel, Anne und Gottlieb Schmitgen sowie Innungsmeister Gerhard Landwehrs (v.l.) während der Überreichung des Diamantenen Meisterbriefes an Gottlieb Schmitgen in Hünxe.

Liesel, Anne und Gottlieb Schmitgen sowie Innungsmeister Gerhard Landwehrs (v.l.) während der Überreichung des Diamantenen Meisterbriefes an Gottlieb Schmitgen in Hünxe.

Foto: Heiko Kempken / FUNKE Foto Services

Hünxe.  80-jährige Hünxer Betonstein- und Terrazoherstellermeister erhält Auszeichnung der Handwerkskammer Düsseldorf für 60-jähriges Meisterjubiläum.

Im Büro seines Betriebes am Hardtbergweg 4 nahe des Hünxer Ortskerns hängen bereits die Ehrenurkunde seines Vaters zum 25-jährigen Betriebsjubiläum 1956, sein eigener Meisterbrief von 1959 und der Goldene Meisterbrief aus dem Jahr 2009. „So viel Platz haben wir hier gar nicht mehr“, sagt Gottlieb Schmitgen. Gerade hat der 80-Jährige aus den Händen von Gerhard Landwehrs, Obermeister der Baugewerksinnung des Kreises Wesel, den Diamantenen Meisterbrief erhalten – eine hohe Auszeichnung der Handwerkskammer Düsseldorf zum 60-jährigen Meisterjubiläum des gelernten Betonstein- und Terrazoherstellers. Auch seine Frau Liesel, Tochter Anne und die Mitarbeiter gratulieren dem Chef.

Betonfertigteile seit 1931 für den Tiefbau, Garten- und Landschaftsbau

Schmitgen Betonwerk GmbH & Co. KG ist ein Familienunternehmen mit Sitz in Hünxe und ist auf die Produktion und den Vertrieb von Betonschächten für die Abwasserentsorgung spezialisiert. Seit knapp 80 Jahren stellt es Betonfertigteile für den Tiefbau, Garten- und Landschaftsbau her. Zu den Produkten gehören Schachtbauwerke, ferner Entwässerungstechnik zur Regenwassernutzung und -versickerung, für Pumpstationen und Abwasser-Sammelanlagen, ebenso Klärtechnik für Kleinkläranlagen und Abscheider (s. auch Firmenporträt).

Sein Vater Albert gründete den Betrieb 1931. Als kleiner Junge erinnert sich Gottlieb Schmitgen (Jahrgang 1938) noch daran, „wie vor dem Krieg, dort wo jetzt der Marktplatz ist, die Kanalrohre hingerollt und verlegt wurden, denn an der Dorfkreuzung lief der Bach her“. Auch heute noch fertige sein Betrieb Rohre von 60 Zentimeter bis 2,50 Meter Durchmesser. „Wir haben nur noch wenig Privatkunden, fast alles verlagert sich zu Händlern für den Tiefbau“, sagt Schmitgen. Auch Abdeckungen für Deponien, Hafenanlagen und mehr würden im Betonwerk hergestellt, ebenso Sonderteile wie Rohre als Blumenkübel oder jüngst für einen Kunden in Duisburg als Schlafstätte im Garten.

Mit 14 Jahren Lehre zum Betonstein- und Terrazohersteller begonnen

Mit 14 Jahren begann er seine Lehre zum Betonstein- und Terrazohersteller bei Maurern in Dinslaken – für ein Jahr. Nach Blockunterricht, Gesellenprüfung („die alte Pionierkaserne ist heute ein Maritim-Hotel“) und Meisterkursen an der Bundesfachschule in Ulm bestand der Hünxer am 18. Juli 1959 die Meisterprüfung. Zehn Jahre später, am 4. Juni 1969 erfolgte mit seinem Bruder die Eintragung der Firma Hünxer Zementrohr-Betonsteinwerk Gottlieb und Albert Schmitgen, im Februar 1970 verstarb der Vater.

Der Familienbetrieb, immer mit rund acht bis zehn Mitarbeitern, setzt bis heute auf Kundennähe. „Wir bemühen uns um kurze Lieferzeiten und arbeiten flexibel mit hochwertigen Materialien wie Splitt und Zement“, sagt Gottlieb Schmitgen, seit 1962 mit Liesel verheiratet. Von den drei Kindern ist Anne als Älteste seit über 30 Jahren mit im Betrieb, kümmert sich vornehmlich um Kalkulation und Einteilung im Werk. Die meisten Mitarbeiter sind seit über 25 Jahren dabei. „Wir sind wie eine große Familie, sprechen auch private Dinge durch“, sagt Liesel Schmitgen. „Einen Schlosser könnten wir gut gebrauchen.“

„So lange ich kann, helfe ich mit, repariere und bin der Springer im Urlaub“

Gottlieb Schmitgen lächelt. „So lange ich kann, helfe ich mit, repariere und bin der Springer im Urlaub. Ich kann nicht ruhig sitzen. Meine Latzhose ist immer dreckig.“ – Obermeister Gerhard Landwehrs schüttelt allen die Hände: „Ich wünsche der Familie und der Firma weiterhin gutes Gelingen. Sie können auf eine starke Zeit zurückblicken.“

Firmenporträt: Im Jahre 1931 gründete Albert Schmitgen die gleichnamige Firma. Der Gründer fing zunächst mit dem Brunnenbau an und stellte die hierfür benötigten Betonschachtringe selbst her. Eine zweite Sparte war die Herstellung von Terrazo, Treppenläufen, Grabsteinen und Betonwaren.

Im Zweiten Weltkrieg ruhte der Betrieb, da der Inhaber zum Militärdienst eingezogen wurde. Nach dem Krieg wurde die Produktion von Betonteilen erweitert – nicht nur für den Eigenbedarf, sondern auch für den Hoch- und Tiefbau. Der Betrieb entwickelte sich kontinuierlich weiter.

Die Söhne Gottlieb und Albert Schmitgen absolvierten erfolgreich die Meisterschule für das Betonsteinhandwerk an der Bundesfachschule in Ulm. 1968 übernahmen beide Söhne den Betrieb.

Mit zunehmendem Umweltschutz wurde die Produktpalette im Bereich Tiefbau enorm ausgedehnt. Die Herstellung von Terrazo, Treppenläufen und Grabsteinen wurde eingestellt.

Seit Anfang der 1980er Jahre ist Diplom-Ingenieurin Anne Schmitgen im Unternehmen tätig. Als familiengeführtes Unternehmen setzt man auf Nachhaltigkeit und Langfristigkeit.

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