Entscheidung im Wilden Westen

Voerde.   Im Bürgerkrieg kämpfte Martin Sound auf der Seite der Union unter Abraham Lincoln, danach führt ihn der Weg in den Westen. Den wilden Westen. Dort, wo man auf sich allein gestellt ist, in einem quasi gesetzlosen Raum seine eigenen Entscheidungen treffen muss. Entscheidungen mit Konsequenzen auf Leben und Tod.

Im Bürgerkrieg kämpfte Martin Sound auf der Seite der Union unter Abraham Lincoln, danach führt ihn der Weg in den Westen. Den wilden Westen. Dort, wo man auf sich allein gestellt ist, in einem quasi gesetzlosen Raum seine eigenen Entscheidungen treffen muss. Entscheidungen mit Konsequenzen auf Leben und Tod.

Der Grat dazwischen ist so schmal wie der zwischen Gut und Böse. Denn: Wo keine festgefügten gesellschaftlichen Normen die eigene Moral als Korsett stützen, fällt man schnell auf die falsche Seite. Ein Schuss zu viel oder eine Nacht zu lang und die Stimme des eigenen Gewissen bereitet einem ein Leben lang Tinnitus. Beauftragt, in einem scheinbar harmlosen Nachbarschaftsstreit zwischen Landbesitzern für seinen Geldbeutel lukrativ zu vermitteln, gerät Sound in ein Spiel mit falschen Zügen und doppelten Rochaden.

Harald Stollmeier aus Voerde ist bislang als Autor von Märchen für Erwachsene in Erscheinung getreten. Nun tritt er als Übersetzer in Erscheinung. „The Talks. Die Verhandlungen“ ist im Ruhland Verlag erschienen. Damit hat die deutsche Übersetzung dem amerikanischen Original bereits etwas voraus. „The Talks“ ist bislang ein unveröffentlichtes Manuskript, liegt derzeit bei einem amerikanischen Magazin. Und Roger Strayt, der als Autor genannt wird und dessen Name offensichtlich ein Pseudonym eines Mark Twain-Verehrers ist, ist auch noch ein recht unbeschriebenes Blatt.

Stollmeier hat sich verändert

Harald Stollmeier hat sich verändert, vom poetischen Märchenautor zum Übersetzer einer Sprache, die lakonisch und präzise ist. Eine Sprache, die nicht viele Worte macht, um den Leser plastische, teils drastische Szenen vor Augen zu führen, Menschen zu charakterisieren und Einblicke in eine Seele zu gewähren. Stollmeier ist mit dem Englischen bestens vertraut, als Sohn eines Offiziers war er bei den kanadischen Pfadfindern in Holland. Seine Vorliebe in Sachen Western gelte den Italo-Klassikern, eine Aussage, die sich mit Strayts Bemerkungen über „Spiel mir das Lied vom Tod“ im Nachwort der „Verhandlungen“ deckt. Auch diese Erzählung mache eigenverantwortliches und verantwortungsvolles Handeln erkennbar, spreche sie aber nicht ausdrücklich aus, so Stollmeier. Die Bewertung der Taten erfolgt durch die Konsequenzen, die sie hervorrufen. „Das ist eben kein Karl May, der offen moralisch ist.“ Über Roger Strayt habe er seine Freude daran entdeckt, den amerikanischen Erzählstil ins Deutsche zu übertragen.

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