Garten

Dinslakener überlasst seinen Garten weitgehend der Natur

Wolfgang Krüsmann kann sich über reichlich Quitten freuen. Inzwischen muss er die Äste seinen kleinen Baumes abstützen, damit sie nicht unter der Last der Früchte zusammenbrechen.

Wolfgang Krüsmann kann sich über reichlich Quitten freuen. Inzwischen muss er die Äste seinen kleinen Baumes abstützen, damit sie nicht unter der Last der Früchte zusammenbrechen.

Foto: Markus Weissenfels / FUNKE Foto Services

Dinslaken.  Wolfgang Krüsmann lässt in seinem Garten in Dinslaken weitgehend wachsen, was wachsen möchte. Die Natur dankt mit Kiwis, Quitten und vielem mehr.

Es ist Erntezeit im kleinen Garten von Wolfgang Krüsmann. Ein wenig verwildert sieht er aus, der Garten – und voller Früchte. „Lass mal wachsen, mal gucken was daraus wird“ – so lautet das Motto des Hobbygärtners. Manchmal hilft nur ein Blick in Dr. Google, um herauszufinden, welches Kraut denn nun im heimischen Garten so urplötzlich wächst, ohne dass Krüsmann es ausgesät hatte. „Vögel und Co sorgen wohl dafür, dass es hier rundherum wächst und gedeiht“, so der Gärtner.

Seinen Zierhaselstrauch beispielsweise verdankt er einem hungrigen Eichhörnchen, das Nüsse im Garten versteckt und nicht wiedergefunden hatte. Heute bedient sich das possierliche Tier oder seine Nachkommen am reich gedeckten Tisch.

Wildwachsender Kiwibaum wurde schon dreimal gekappt – und kam immer wieder

Schutz vor der Sonne bietet dem Gärtner und seiner Frau inzwischen der wildwachsende Kiwibaum, der über eine Palisade gespannt wurde.

„Schon dreimal habe ich den Baum gekappt, er kam immer wieder.“ Zwei Kiwisträucher, ein männlicher und ein weiblicher, waren einst von seinem Vater gesetzt worden. Als sie auch nach Jahren keine Früchte trugen, bat er seinen Sohn den ineinander verschlungenen Baum zu kappen. „Zweimal habe ich zur Axt gegriffen, doch immer wieder wuchs er nach“, erzählt Wolfgang Krüsmann. Beim dritten Versuch hatte er wohl wieder eine Wurzel übersehen, und die Kiwi zeigte ihm erneut, was eine Harke ist. Wolfgang Krüsmann gab bei so viel Überlebenswillen auf und ließ den Baum wachsen.

Ganze 40 Kilo Kiwi hat Krüsmann im vergangenen Jahr geerntet

Die Kiwi dankte es ihm ein paar Jahre später mit immer mehr werdenden Früchten. „Ganze 40 Kilo habe ich im vergangenen Jahr geerntet“, so Krüsmann. Bis ans Fenster seiner Wohnung ist der Riesenstrauch gewachsen. Zur Ernte muss Krüsmann nur das Fenster öffnen und kann sich bedienen. Auf 35 Jahre schätzt Krüsmann seinen Kiwistrauch inzwischen.

Doch wohin mit den Früchten? Zwar esse er ganz gerne mal eine Kiwi, auch schon mal zehn des abends vor dem Fernseher, aber es reifen ja noch andere Genüsse in seinem Garten. Bei einem kleinen Likörchen kam die Erleuchtung – was mit Beeren klappt, muss auch mit anderen Früchten funktionieren. Rezepte wurden gewälzt und Versuche unternommen. Mal hier, mal dort probiert bis die richtige Mischung für den Likör stimmte. Nun hat Krüsmann sogar einen „Schaumwein“ kreiert. „Das war Zufall, der ist in der Flasche einfach so geworden“, sagt er und lacht. Na ja, ein wenig spritzig, also sauer, ist er schon.

Für den Wein fehlt Krüsmann noch die nötige Inspiration

Dabei kann er sich auch über mangelnde Ernte bei seinen Weintrauben nicht beklagen. Zwei verschiedenen Trauben reifen an den Reben, eine schwarze mit spritzigem Geschmack und eine rote, die hervorragend duftet. „Averbrucher Morgentau“ und „Averbrucher Dämmerschoppen“ nennt er seine Schöpfungen.

Der Wein allerdings – da fehle ihm noch die nötige Inspiration. Das Gelee hingegen schmecke. Leider habe die Trockenheit in diesem Jahr den Trauben zugesetzt. Sei’s drum – die Vögel freuten sich dennoch über ihre Beute. Auch die Apfelernte fällt in diesem Jahr nur begrenzt gut aus, dafür quillt der Quittenstrauch über. Und die Kürbisse schwellen zu wahren Monstern an. Einer ist bereits abgeerntet und versorgte fünf Familien mit seinem Fruchtfleisch.

Liköre gibt’s beim Apfelfest

Ob Zucchini oder Walnüsse, ebenfalls durchs Eichhörnchen gepflanzt, Lampionblumen mit Früchten oder Wilderdbeeren – Krüsmann überlässt in der Regel der Natur das Wachstum. Die dankt es ihm, auch mit allerlei Insekten, Vögeln und anderem Kleintier. Den Vorgarten prägen im Sommer die verschiedensten Kräuter. „Ich muss nur einfach in den Garten gehen und ein paar Minuten später ist der Tee fertig“, sagt er und schnuppert an der Minze. Andere Kräuter, wie beispielsweise auch der Fenchel, eignen sich für Speisen oder für einen guten Kräuterlikör.

Marmeladen stellt er für seine Familie und die Freunde her, die Liköre hingegen spendet er der IG Altstadt. Dort ist Wolfgang Krüsmann nämlich Mitglied und auf dem Apfelfest an Erntedank, 6. Oktober, am Museum Voswinckelshof wird auch Wolfgang Krüsmann in mittelalterlicher Tracht hinter seinem Tresen stehen und Liköre anbieten. Oder Wein – abgezapft aus großen Glasbehältern, die eigentlich für Öl und Essig gedacht waren. Dort werden auch seine Äpfel zu Mus und Saft verarbeitet.

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben