Trockenheit

Der Rotbach in Dinslaken ist seit drei Monaten ausgetrocknet

Der Rotbach an der Gneisenaustraße in Dinslaken hat sich von der Dürre im Sommer noch nicht erholt. Im Bachbett wächst Gras.

Der Rotbach an der Gneisenaustraße in Dinslaken hat sich von der Dürre im Sommer noch nicht erholt. Im Bachbett wächst Gras.

Foto: aha

Dinslaken.   In der Innenstadt ist der Rotbach seit Juli trocken. Lippeverband hofft auf Erholung bis zum Frühjahr. Aber die Dürre werde Spuren hinterlassen.

Von Bachlauf kann fast keine Rede mehr sein: Im Rotbach läuft nichts. Seit drei Monaten ist das Bachbett in der Dinslakener Innenstadt ausgetrocknet. Wo im Sommer sandiger Boden zu sehen war, wächst nun Gras und Moos. Seit Monatsbeginn sind gerade einmal sechs Liter Regen pro Quadratmeter gefallen. Die Aussichten: trocken. Selbst, wenn wieder genügend Regen fällt, um den Bachlauf zu füllen, „wird das Spuren hinterlassen“, vermutet Michael Steinbach, Sprecher des Lippeverbandes, der den Rotbach-Abschnitt in der Dinslakener Innenstadt bewirtschaftet.

In Eppinghoven wird Wasser in den Rotbach geleitet

In Eppinghoven ist die Welt nur scheinbar in Ordnung: Enten plätschern im

Wasser unter der Brücke an der Eppinkstraße. Hier wird das Wasser der Kläranlage am Wohnungsbusch in den Rotbach eingeleitet, erklärt Marcel Sturm, Sprecher der Stadt Dinslaken. Kurz hinter der Brücke ist Schluss mit Nass: Das Wasser endet als Pfütze und versickert dann ganz. Wo sonst Aal, Bachforelle, Gründling, Karpfen, Rotfeder, Stichling oder Flussbarsch schwimmen, sammelt sich nun Laub, weiter in Richtung Innenstadt erobern die gräsernen Abhänge das Bachbett. Steinerne Randbefestigungen, große Brocken und Kleidung, die irgendjemand wohl von der Brücke am Thomashof hat fallen lassen, werden sichtbar.

Aus dem Rotbachsee konnte kein Wasser abgelassen werden

Michael Steinbach kann sich nicht erinnern, den Bach einmal in einem solchen Zustand gesehen zu haben. „Das ist in gewissen Grenzen ein

natürliches Phänomen, dass kleinere Gewässer trocken fallen können.“ Auch, wenn der Bach derzeit ein „sehr bedauerliches Bild bietet“ - der Lippeverband kann nicht helfen: „Wir können keinen Regen machen“ so Steinbach. Die Sperre am Rotbachsee zu öffnen, komme ebenfalls nicht in Frage. „Das ist zwar eine Talsperre. Aber wenn wir seit Juli Wasser aus dem Rotbachsee abgelassen hätten, wäre der längst leer gelaufen. Dann hätten wir nicht nur einen trocken gefallenen Rotbach sondern auch einen trocken gefallenen Rotbachsee.“ Das wäre „im Ergebnis noch viel schlimmer“, so Steinbach, denn der Rotbachsee habe eine „eigene Mikroflora und -fauna, und die wäre jetzt komplett weg“.

„Nicht jedes Tier in der gleichen Population“

Auch der Rotbach hatte eine Fauna und Flora, „er ist durchaus ein artenreiches Gewässer“, so Steinbach. Ein Großteil der Bestände an Pflanzen und Tieren werde sich nach dem Winter wieder erholen, glauben die Experten vom Lippeverband. Allerdings „nicht jedes Tier in der gleichen Population“, so Steinbach. „Der Bach wird wieder voll sein, die Frage ist nur: Sind dann wieder die gleichen Fisch drin, und die gleichen Pflanzen am Ufer?“

Der Bach hat ein Einzugsgebiet von 51 Quadratkilometern

Sollte es im Oberlauf des Baches noch Bereiche geben, in denen Wasser steht, verlaufe die Wiederbesiedlung aus diesen intakten Bereichen schnell – wenn wieder Wasser fließt. Der Bach habe ein „beträchtliches“ Einzugsgebiet von 51 Quadratkilometern, so Steinbach, das komplett über den Rotbach entwässert werde. „Da muss nur mal wieder ein richtiger Landregen drübergehen.“ Selbst wenn nur ein Liter pro Quadratmeter falle, wären das 51 Millionen Liter, so Steinbach. Ein Großteil davon versickere zunächst, und der Rotbach habe „eine kräftige Wasserführung. Da gehen etwa 1000 Liter pro Sekunde durch.“ Aber selbst ein „verhältnismäßig kurzer Regen“ reiche aus, „um recht viel Wasser ins Einzugsgebiet zu bringen. Die Natur erholt sich, wenn die Bedingungen stimmen.“

>>HINTERGRUND

Der Rotbach soll gemäß der Europäischen Wasserrichtlinie, die eine ökologische Verbesserung des Gewässers bis 2027 vorschreibt, zwischen B8 und Stadtgrenze Voerde renaturiert und im Bereich Thyssenstraße teilweise freigelegt werden.

Das Konzept stellte die Stadt im vergangenen Jahr vor. Zur Zeit werden laut Stadt die Unterlagen für die wasserrechtlich notwendigen Verfahren erstellt. Das dauert bis Ende des Jahres

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