Bergbau endet 2018

Wir suchen Erinnerungen an die große Zeit der Steinkohle

Blick auf Kohlenwäsche l. und Verladestation der Zeche Erin. Die Gleise führten über die Herner Straße (im Hintergrund) zum DB-Anschluss Güterbahnhof Süd.

Foto: Foto Chapelier

Blick auf Kohlenwäsche l. und Verladestation der Zeche Erin. Die Gleise führten über die Herner Straße (im Hintergrund) zum DB-Anschluss Güterbahnhof Süd. Foto: Foto Chapelier

Castrop-Rauxel.  Das Jahr 2018 wird zum Jahr des Bergbaus. Zum Abschiedsjahr. Ende des Jahres schließen in Bottrop und Ibbenbüren die letzten deutschen Steinkohlenzechen. Wir wollen die Erinnerung an die Kohle bewahren. Und suchen dafür Erinnerungen und Fotos unserer Leser und User.

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Der Castroper Lutz Chapelier hat von einem Streifzug über das Erin-Gelände in den letzten aktiven Tagen der Zeche, die die ganze Stadt Castrop-Rauxel prägte, beeindruckende Fotos mitgebracht: 1983, kurz vor Weihnachten, ging es für ihn noch mal hoch, mit einem Kumpel zu den Seilscheiben des Erin-Turms, einem Wahrzeichen unserer Stadt bis heute. Die Stadt nahm damals Abschied von einer Ära des Bergbaus, die schon zehn Jahre zuvor in Ickern zum Teil und 1988 mit den letzten Kohlen aus dem Grubenfeld Ickern III zu Ende gegangen war. Kurz vor Weihnachten 1983, „da habe ich viele Tränen bei den Männern gesehen“, sagte Hans-Georg Zimoch, der Singende Steiger, kürzlich gegenüber unserer Redaktion.

So wird es wohl 25 Jahre später auch an den Schächten in Bottrop und Ibbenbüren sein, wenn dort Ende Dezember die letzte Förderschicht gefahren wird. Mit ihr endet dann nicht nur die Bergbau-Geschichte einer Stadt, sondern die Geschichte des deutschen Steinkohlebergbaus insgesamt. 2007 hatten sich die Bundesregierung und die Bergbau-Bundesländer im Grundgesetz auf ein Ende des subventionierten Steinkohle-Bergbaus in Deutschland verständigt. Damals arbeiteten noch 34.000 Kumpel auf acht Zechen. In Hoch-Zeiten, Ende der 1950er Jahre, gab es allein im Ruhrgebiet bis zu 600.000 Bergleute auf mehr als 140 Zechen. Doch nach und nach wurden immer mehr Bergwerke geschlossen. Inzwischen sind nur noch zwei übrig – die Zeche Ibbenbüren im Norden des Münsterlands und Prosper in Bottrop. Ende 2018 ist auch hier Schluss.

Nicht nur wirtschaftspolitisch ist das ein historischer Einschnitt. Denn der Bergbau, der an den Hängen der Ruhr schon im Mittelalter begann, und mit Großzechen im Norden des Ruhrgebietes endete, hat die Städte der Region nicht nur immens wachsen lassen, sondern das Leben in jeder Beziehung geprägt. „Der Bergbau hat einen eigenen Mikrokosmos geschaffen“, sagt Dr. Annette Kugler-Mühlhofer, die Leiterin des LWL-Industriemuseums Zeche Zollern in Dortmund, das die Sozialgeschichte des Bergbaus dokumentiert.

Die Kumpel arbeiteten nicht nur unter schwierigsten Bedingungen zusammen, sondern lebten auch als Nachbarn in den Zechen-Siedlungen, trafen sich in Vereinen. „Die Bergwerkgesellschaften haben eine eigene Kulturpolitik betrieben“, berichtet Kugler-Mühlhofer. Sie förderten Musik- und Sportvereine, unterhielten Wohlfahrtshäuser, in denen die Frauen Haushaltskurse absolvieren konnten und die Kinder betreut wurden. In den Siedlungen wurden in Arbeitergärten Obst und Gemüse angebaut, Tauben und Hühner gezüchtet. Auch das schuf neue Vereine und eine ganz eigene Lebenskultur. Die typischen Buden des Ruhrgebiets, die vielen Eckkneipen, sie alle waren eng mit dem Bergbau verbunden.

Einiges davon hat sich erhalten, wird bis heute in Knappenvereinen und Spielmannszügen gepflegt. Bergbau-Rentner treffen sich, um gemeinsam Hobbys zu pflegen, Grubenwehr-Kameradschaften um Erinnerungen an alte Zeiten wach zu halten. Fördertürme und alte Maschinenhallen wurden zu Denkmälern. Lokale Bergmanns- und Geschichtsvereine kümmern sich darum, Relikte der Bergbau-Ära zu pflegen. Ganze Museen widmen sich der Bergbaugeschichte – vom großen Bergbaumuseum in Bochum über die Industriemuseen mit mehreren Standorten bis zu privaten Kleinmuseen wie in Datteln oder Dortmund-Mengede. 2018 wird die Erinnerungskultur eine besondere Rolle spielen. Museen planen Sonderausstellungen und Zeitzeugen-Projekte. Das Industriemuseum Zollern will etwa unter dem Titel „Revier-Gestalten“ aufzeigen, wie der Bergbau Familien über Generationen prägte – und was davon übrig ist.

So können Sie mitmachen

Unsere Zeitung will dazu beitragen, die Erinnerung wachzuhalten. Wir laden unsere Leser dazu ein, ihre Geschichten zu erzählen, uns Erinnerungen und Fotos zuzusenden. Sie sollen beitragen, das Jahr 2018 zum „Jahr des Bergbaus“ zu machen.

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