Anerkanntes Gewaltopfer

Thomas Frauendienst zieht einen Schlussstrich unter seine Nachforschungen

Thomas Frauendienst ist erleichtert. Und will sich künftig für Schicksalsgenossen einsetzen.

Foto: Giustolisi

Thomas Frauendienst ist erleichtert. Und will sich künftig für Schicksalsgenossen einsetzen.

Castrop-Rauxel.  Thomas Frauendienst hat es geschafft: Seine Abstammung und sein Geburtsort sind nach 54 Jahren endlich bewiesen. Eine tiefe Befriedigung für das Contergan- und Missbrauchsopfer aus Castrop-Rauxel.

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Die Geschichte von Thomas Frauendienst gleicht einem Martyrium, das im Moment seiner Geburt begann. Doch jetzt hat der Habinghorster endlich Gewissheit: Seine Mutter Margret, die ihn direkt nach seiner Geburt, bei der Frauendienst mit umgedrehten Füßen zur Welt kam, in ein Behindertenheim gab, ist seine leibliche Mutter. Und Frauendienst ist tatsächlich, wie er immer vermutet hat, im Evangelischen Diakonissenkrankenhaus in Witten zur Welt gekommen.

Beide Tatsachen, die für die Krankengeschichte des von vielen Krankheiten gebeutelten Habinghorsters von eminenter Bedeutung sein können, hatten sich bislang nicht belegen lassen. Einerseits, weil die Akte im Krankenhaus nicht mehr vorhanden war (laut Krankenhaus nach 30 Jahren vernichtet), andererseits, weil bis zuletzt unsicher war, ob die Frau, die laut Papieren als seine Mutter geführt wird, tatsächlich auch die ist, die ihn zur Welt gebracht hat.

Frauendienst ist sichtlich erleichtert

„Das ist jetzt beides bewiesen, und damit kann ich endlich einen Schlussstrich unter meine Nachforschungen setzen“, so ein sichtlich erleichterter Thomas Frauendienst im Gespräch mit unserer Redaktion.

Nachdem er lange Jahre allein und gemeinsam mit seinem Anwalt zunächst für seine Anerkennung als Missbrauchsopfer (siehe Infokasten) und um Klarheit über seine Geburts- und seine Krankheitsgeschichte (seine missgebildeten Füße werden auf das Medikament Contergan zurückgeführt) gekämpft hat, soll nun Schluss sein.

Standesamt Witten hat geholfen

Zu verdanken hat er die Klarheit erstens dem Standesamt in Witten, in dem sich nach langen Nachforschungen die Geburtsanzeige hat finden lassen, die belegt, dass Frauendienst am 25. März 1964 um 22.50 Uhr im Krankenhaus an der Pferdebachstraße zur Welt gekommen ist. Frauendienst lobt die Unterstützung des Wittener Standesamtes, „wo man mir wirklich sehr geholfen hat“.

Uniklinik Essen hat Abstammung bestimmt

Ebenso freut er sich über das Ergebnis eines Abstammungsgutachtens, das die Rechtsmedizin des Universitätsklinikums Essen erstellt hat. Mundschleimhautproben von Margret und Thomas Frauendienst, die dort untersucht wurden, haben laut Gutachten eine DNA-Übereinstimmung ergeben, die eine Mutterschaftswahrscheinlichkeit von 99,999 Prozent bedeute. Damit gelte die Mutterschaft als „praktisch erwiesen“.

„Damit ist nach 54 Jahren endlich klar, woher ich komme“, so Frauendienst. „Das ist eine große Befriedigung.“ Künftig wolle er sich nun auf seine Gesundheit konzentrieren und die Erfahrungen, die er mit seiner Leidensgeschichte gemacht habe, für andere Menschen in ähnlicher Situation einsetzen.

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