Einkünfte aus Nebentätigkeiten

So viel Geld bekommt Castrop-Rauxels Bürgermeister

Bürgermeister Rajko Kravanja muss sich finanziell keine Sorgen machen. Das liegt auch an den Einkünften aus Nebentätigkeiten im Öffentlichen Dienst. Doch was treibt der Bürgermeister „nebenher“ und was kassiert er dafür?

Foto: Tobias Weckenbrock

Bürgermeister Rajko Kravanja muss sich finanziell keine Sorgen machen. Das liegt auch an den Einkünften aus Nebentätigkeiten im Öffentlichen Dienst. Doch was treibt der Bürgermeister „nebenher“ und was kassiert er dafür? Foto: Tobias Weckenbrock

Castrop-Rauxel.  Als Bürgermeister verdient man in der Regel nicht allzu schlecht – erst recht nicht, wenn man eine ganze Liste von Nebentätigkeiten vorzuweisen hat. Das gilt auch für Castrop-Rauxels Bürgermeister.

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Einmal im Jahr müssen Bürgermeister die Karten auf den Tisch legen – zumindest unter bestimmten Voraussetzungen (siehe Infokasten): Welche Tätigkeiten üben sie neben ihrem Hauptamt aus und wie hoch sind die gesamten Einkünfte? Im Falle von Castrop-Rauxels Bürgermeister Rajko Kravanja waren das im Jahr 2016 exakt 9507,65 Euro monatlich für das Hauptamt, weitere 1975,56 Euro jährlich für dem Hauptamt zugeordnete Tätigkeiten und 4230 Euro pro Jahr für Nebentätigkeiten im Öffentlichen Dienst. Im Gespräch mit Felix Püschner erklärt Kravanja, was es mit den Einkünften auf sich hat.

Das Grundlegende zuerst: Sie müssen die Angaben eigentlich nur dem Leiter der Aufsichtsbehörde und dem Rat geben – warum machen Sie das auch öffentlich?

Kravanja: Ich habe das schon immer gemacht, seit ich politisch dabei bin und in die ersten Aufsichts- und Verwaltungsräte gewählt wurde. Warum sollte man das auch nicht transparent machen? Ich habe doch nichts zu verstecken. Und mein Vorgänger Johannes Beisenherz hat die Angaben ja auch immer öffentlich gemacht.

Im Vergleich zu ihrem Vorgänger haben Sie sogar relativ wenig Nebeneinkünfte – mit 4230 Euro lediglich etwa halb so viel. Haben Sie schlecht verhandelt?

(Lacht) Den Ausdruck „relativ“ müsste man erst einmal definieren. Was für den einen wenig ist, ist für den anderen viel. Ich wusste, dass ich weniger Einkünfte habe. Das liegt daran, dass mein Vorgänger in der Schiedsstelle Gelsenwasser war. Und das ist bei mir nicht der Fall, da diese Stelle turnusgemäß neu besetzt wurde. Dafür bin ich im Rat der Emschergenossenschaft. Das gibt immerhin 50 Euro. Letztlich hat das aber alles nichts mit Verhandlungsgeschick zu tun. Die Beträge sind festgelegt.

Zu den sechs vergüteten Tätigkeiten kommen neun Mitgliedschaften in Vereinen und Gremien hinzu. Wissen Sie sonst nichts mit Ihrer Freizeit anzufangen?

Es gibt schon viele andere spannende Themen in meinem Leben. Man muss dazu aber auch sagen, dass ich die dem Hauptamt zugeordneten Tätigkeiten – zum Beispiel die als Beirat der Uniper Wärme GmbH – im Auftrag der Stadt wahrnehme. Und da bekomme ich eine inhaltliche Vorbereitung von den Mitarbeitern der Verwaltung. Der Aufwand ist für mich in dem Bereich also nicht so groß.

Also haben Sie auch noch Zeit für Hobbys...

Ja, zwar nicht genug, aber es geht schon. Die Priorität liegt in meiner Freizeit ganz klar auf meiner Familie. Wenn ich es schaffe, gehe ich aber auch gerne zum Sport.

Und wie viel Zeit verbringen Sie demgegenüber mit Arbeit?

Das sind zwischen 60 und 80 Stunden pro Woche. Ein Tag kann schon mal um 7 Uhr beginnen und um 20.30 Uhr aufhören. Und damit bin ich auch ausgelastet.

Warum tun Sie sich das an? Geht es dabei nur ums Geld?

Nein, kein Bürgermeister macht das wegen des Geldes. Das Geld aus den dem Hauptamt zugeordneten Tätigkeiten fließt direkt in die Stadtkasse. Das Einkommen aus Nebentätigkeiten im Öffentlichen Dienst darf ich allerdings behalten – muss es aber auch normal versteuern. Man macht das alles, weil man das Beste für die Stadt rausholen will: Wo kriegen wir noch Fernwärme-Ausbau hin? Wo brauchen wir noch weitere ÖPNV-Anbindungen? Um solche Dinge geht es.

Und wie sehr schmerzt es dann, wenn man merkt, dass man doch nicht das Beste herausholen kann?

Mitstimmen ist oft besser, als nur beratend dabei zu sein, weil man so dokumentieren kann, für was man steht. Anderseits kann man als beratendes Mitglied natürlich die Stimme erheben – und das ist auch viel wert. Und selbst wenn man mit dem Ergebnis am Ende nicht zufrieden ist, verliert man nicht die Lust. Wer demokratische Entscheidungen nicht akzeptieren kann, wenn sie gegen ihn ausfallen, der ist in der Politik definitiv falsch. Das gehört einfach dazu.

Die veröffentlichten Zahlen zum Nebeneinkommen bezogen sich auf das Jahr 2016. Wird jemand, der im nächsten Jahr das Amtsblatt liest, Überraschungen erleben?

Nein, es ist nichts hinzugekommen.

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