Künstler Gunter Demnig

Neun weitere Stolpersteine in Castrop-Rauxel

Schüler des EBG legten weiße Rosen nieder und zündeten Kerten für die Verstorbenen an.

Schüler des EBG legten weiße Rosen nieder und zündeten Kerten für die Verstorbenen an.

Castrop-Rauxel.  Ein Zeichen für die Stadt hat das Aktionsbündnis Stolpersteine gesetzt: Künstler Gunter Demnig verlegte neun weitere Stolpersteine ein Kunstprojekt, das an Menschen erinnern soll, die im Nationalsozialismus verfolgt und ermordet wurden. Und ein Projekt, das offenbar auf großen Respekt stößt.

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Bürgermeister Rajko Kravanja sprach in seinem Grußwort mahnende Worte, sich in politisch unruhigen Zeiten wie diesen an die schlimmen Taten der NS-Zeit zu erinnern, damit sich so etwas niemals wiederhole. An drei Orten in der Europastadt wurden insgesamt neun neue Stolpersteine verlegt:

Fünf Stolpersteine erinnern in der Altstadt an die Familie Heymann, an die Eheleute Bertha und Josef, sowie an deren zwei Söhne Alfred und Rudolf und an deren Tochter Dorothea, die am Marktplatz wohnten. Drei weitere Steine wurden am Münsterplatz 8 verlegt, zu Gedenken an die Familie Hugo Josephs mit seiner Frau Erna und deren Tochter Helga Klara. Der neunte Stein liegt an der Ochsenkampstraße 24a in Habinghorst und steht für die im Widerstand verhaftete Karoline Fele.

Schüler legen weiße Rosen nieder

Ein EUV-Mitarbeiter entfernte zunächst die Pflastersteine. Künstler Gunter Demnig setzte dann routiniert die Stolpersteine ein. Isaac Tourgman, Vorbeter und Kantor der Jüdischen Gemeinde, sprach das Totengebet. Danach legten Schüler des Ernst-Barlach-Gymnasiums weiße Rosen nieder und zündeten Kerzen für die Opfer des Nationalsozialismus an.

SPD-Ratsmitglied Daniel Molloisch nahm alle Anwesenden in die Verantwortung, sich auch heute wieder gegen rechtes Gedankengut zu wehren. "Es scheint Mode geworden zu sein, dass man für Miseren schnell einen Schuldigen findet und auf schwierige Fragen einfache Antworten gibt", sagte er. "Wer zu uns kommt und Hilfe braucht, sollte die auch bekommen." Es handle sich um Menschen und keine Schmarotzer.

13 Stellen mit Stolpersteinen im Stadtgebiet

Die ersten Stolpersteine in Castrop-Rauxel wurden am 5. November 2010 verlegt, die dritte und bis heute letzte Verlegung war im Dezember 2014. Initiiert hatte das Hartmut Wittenbreder. Castrop-Rauxel war 2010 die 600. Stadt, die sich dem Kunstprojekt anschloss.

Mit den neun verlegten Steinen gibt es nun 55 an 13 Stellen im Stadtgebiet. Über 100 Menschen aus Castrop-Rauxel wurden deportiert, ihnen allen soll - wenn möglich - mit einem Stolperstein gedacht werden. Wichtig sei dabei, ihre Lebensdaten nachzurecherchieren.

"Respekt vorm Projekt scheint groß"

"Es hat ein paar Jahre gedauert, das Projekt gegen Widerstände auf die Beine zu stellen", sagte Yvonne Wittenbreder-Molloisch, Tochter des damaligen Initiators. Der Respekt vor dem Projekt scheint aber groß zu sein: Es habe bislang noch keine Vandalismus-Schäden an den Stolpersteinen gegeben, erzählte die Ehefrau des Obercastroper SPD-Ratsherrn. "Ich war bei der ersten Verlegung dabei, mein Vater ist ein Jahr später gestorben", so Wittenbreder-Molloisch. Deshalb führe sie sein Engagement fort - in Gedenken an ihn und die Menschen, die unter den Nazis litten.

Spenden
Ein Stolperstein kostet inklusive Herstellung und Verlegung 120 Euro
Wer das Aktionsbündnis unterstützen möchte, kann das unter der folgenden Bankverbindung tun: DE05 3506 0190 2001 1420 22, Verwendungszweck: Aktion Stolpersteine / Evangelische Pauluslirchengemeinde Castrop

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