Gisela Peters-Wackerbarth im Portrait

Erfinderin des Bilderbuchkinos feiert 92. Geburtstag

Gisela Peters-Wackerbarth wird am Donnerstag 92 Jahre alt. Sie hat Generationen von Kindern mit ihrem Bilderbuchkino das Lesen näher gebracht.

Foto: Schlehenkamp

Gisela Peters-Wackerbarth wird am Donnerstag 92 Jahre alt. Sie hat Generationen von Kindern mit ihrem Bilderbuchkino das Lesen näher gebracht. Foto: Schlehenkamp

Dorf Rauxel.  Sie hat die öffentliche Bücherei im Wichernhaus in Castrop aufgebaut und viele Jahre geleitet. Am Donnerstag feiert Gisela Peters-Wackerbarth ihren 92. Geburtstag. Sie kann den Ehrentag nach überstandener Krankheit daheim feiern.

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Sie hat es geschafft. Sie ist wieder heimgekommen. In ihre eigenen vier Wände, das Altenheim war nichts für sie. Die Pfälzer Straße 3 ist schon seit weit mehr als 50 Jahren ihr Zuhause. Donnnerstag empfängt Gisela Peters-Wackerbarth dort wieder Besuch. Sie wird 92. Ist dem Tod noch mal von der Schüppe gesprungen, wie sie im Gespräch mit unserer Zeitung erzählt.

Sie ist so unglaublich zart geworden. Die Frau, die durch ihre Unerschrockenheit immer überzeugt hat – und durch ihren steten Einsatz für andere Menschen. Nicht bloß für ihre Kinder, die beiden, die Castrop-Rauxel die Treue gehalten haben, wie sie selbst sagt. Sondern ganz besonders für die Kinder, die zu ihr in die Bücherei im Wichernhaus am Brückenweg kamen.

Gisela Peters-Wackerbarth hat die öffentliche Bücherei der evangelischen Kirchengemeinde, die quasi nicht mehr existent war, aufgebaut und ihr fast drei Jahrzehnte lang auf eindrucksvolle Art und Weise neues Leben eingehaucht. Sie hat das Bilderbuchkino bei uns erfunden, als noch längst nicht in allen Köpfen verankert war, wie sehr Bücher die Bildung und das soziale Miteinander beeinflussen.

Von der Liebe nach Castrop-rauxel verschlagen

„Ich bin ja nicht von hier“, sagt sie, die aus Kassel stammt, im Kreis Fritzlar aufgewachsen ist. Die Liebe hat sie in unsere Stadt verschlagen. Sie kam mit ihrem Mann Mitte der 1950er-Jahre ins Ruhrgebiet. „Gelsenkirchen wollte er mir nicht antun“, erinnert sie sich lächelnd. Der Spätheimkehrer war Bergmann, es gab Kontakte zu einem Assessor, der auf Schwerin wohnte. „So sind wir in Castrop-Rauxel gelandet“, sagt sie. Wo haben sich denn der Bergmann, der aus Pommern stammte, und seine Frau kennengelernt? „Beim Karneval in Düsseldorf“, antwortet die Pfarrerstochter prompt.

Den hang zur Kirche hat sie sich stets bewahrt. „Zum Hingucken und Helfen erzogen“, sagt sie. Und die Stimme zu erheben, wenn es ungerecht zugeht. Als sie bei den Grünen Damen anfängt, den Besuchsdienst am Evangelischen Krankenhaus organisiert. Oder zur Harkortstraße gegangen ist. „Wir mussten doch den Aussiedlern helfen“, sagt sie. Peters-Wackerbarth hat gesammelt, sich um Wohnungen gekümmert. „Ich war ja Hausfrau, ich hatte Zeit, mich zu kümmern.“

Sie hat auch heftig bei Carmen Thomas mitdiskutiert, als die Moderatorin in den 80er- und 90er-Jahren mehrfach in Castrop-Rauxel mit ihrem Übertragungswagen Station gemacht hat. „Die war normal, sie hat Leute nicht klein gemacht“, erinnert sich Gisela Peters-Wackerbarth. Sie hat auch den Mund aufgemacht, als die Gottesdienste in der Auferstehungskirche gestrichen wurden. „Das war nicht richtig“, sagt sie.

„Ich bin ja selber noch gut drauf.“

Im Wichernhaus, da, wo so viele Jahre „ihre“ Bücherei war, war sie neulich wieder. Als Gast in der Tagespflege. „Aber das ist nicht so meins“, sagt sie freimütig. Und versichert: „Ich bin ja selber noch gut drauf.“ Ihre Kinder kümmerten sich rührend um sie. Gisela Peters-Wackerbarth hat zwei Enkel und drei Urenkel. „Darüber bin ich auch dankbar“, sagt sie. In die Kirche geht sie nicht mehr. Stattdessen hört sie Sonntagmorgens Radio oder schalte den Fernseher ein, wenn der Gottesdienst läuft. Dann holt sie das Gesangbuch raus, singt und betet mit.

Ja, die Musik hat auch immer zu ihrem Leben gehört. Organistin war sie viele Jahre in der Auferstehungskirche. Jetzt traut sie sich nicht mehr, Klavier zu spielen. Weil sie die Noten nicht mehr richtig erkennen kann. Ihr Mann, 1999 verstorben, wäre Montag 95 geworden. Sie war mit ihren Kindern am Grab. Und erzählt lächelnd: „Wir haben das Steigerlied gesungen, mein Sohn hatte dazu extra eine Grubenlampe mitgebracht.“

Die Blumen im Vorgarten an der Pfälzer Straße sind ihr ganzer Stolz. Rosen und Mohn. „Ich weiß genau, wie welche riecht“, sagt sie. Sie blühen tatsächlich noch, gelbe Rosen, rosa Rosen und ein dicker roter Klatschmohn, und das im November. Sicherlich zum Ehrentag von Gisela Peters-Wackerbarth.

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