Stadtjugend gedenkt Nazi-Opfern

Castrop-Rauxeler Schüler bauten KZ-Modell, um zu mahnen

Am Simon-Cohen-Platz standen mehrere Pavillons. Die Franz-Hillebrandt-Hauptschule baute nach ihrer Buchenwald-Fahrt im Sommer ein Modell und das Eingangsportal des Vernichtungslagers nach.

Foto: Tobias Weckenbrock

Am Simon-Cohen-Platz standen mehrere Pavillons. Die Franz-Hillebrandt-Hauptschule baute nach ihrer Buchenwald-Fahrt im Sommer ein Modell und das Eingangsportal des Vernichtungslagers nach. Foto: Tobias Weckenbrock

Castrop.  9. November 1938 – vor 79 Jahren galt es als angemessen, jüdische Einrichtungen niederzubrennen. Bei einem Schweigemarsch am Donnerstag zeigten Schüler zur Mahnung das selbstgebaute Modell eines KZ.

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Bürgermeister Rajko Kravanja, der bei der vom Stadtjugendring und Team Jugendarbeit veranstalteten Gedenktreffens als einer der ersten sprach, zitierte aus dem Castrop-Rauxeler Stadtanzeiger vom 11. November 1938: „Auch in Castrop-Rauxel“, so hieß es dort, „machte sich die Empörung über die jüdischen Lügen breit.“ Der Zorn der Demonstranten habe sich in brennender Synagoge und Übergriffen auf mehrere Geschäfte in der Altstadt und Habinghorst niedergeschlagen, so die Zeitung damals. „Die kurze Passage zeigt“, sagte Kravanja, auf dem Grundriss der alten Synagoge stehend, „wie selbstverständlich es war, so mit Juden umzugehen. Das muss uns in dieser Zeit, in der sich die Stimmung bedenklich ändert, zu denken geben.“ Er sehe Parallelen, wenn er zum Beispiel auf Wahlergebnisse aus dem Jahr 2017 schaue. „Dem müssen wir entgegentreten!“

Rund um den Platz standen die Jugendlichen mit Transparenten und selbst gemalten und gebastelten Fähnchen: „Augen auf!“ war darauf zu lesen. Und daneben waren Pavillons aufgebaut, in denen drei Jugendgruppen der Stadt, die in diesem Jahr eine Fahrt in die Gedenkstätten von Auschwitz und Buchenwald unternommen hatten, Erfahrungen dokumentierten: Die Franz-Hillebrand-Hauptschüler zeigten ein selbst gebautes Komplett-Modell des Vernichtungslagers Buchenwald sowie einen Nachbau des Eingangsportals.

Die Willy-Brandt-Gesamtschule zeigte historische Bilder jüdischer Opfer und Fotos aus der heutigen Zeit. Und das Kinder- und Jugendparlament lud mit Uwe Wortmann vom Fotostudio Keepsmile zu einer Fotoaktion mit einem Statement ein: Der Fotograf nahm die Augenpaare der Menschen in einer Naheinstellung auf; außerdem hinterließen die Gäste einen Standpunkt auf einem Zettelchen. Daraus wird am Ende eine große Fotocollage.

„Augen auf“, mahnte Frank Ronge, Vorsitzender des Stadtjugendrings. „Stellt Fragen und bezieht Standpunkte. Bezieht Stellung gegen Gewalt und Rassismus.“ Kravanja ergänzte: „Lasst uns dieser Selbstverständlichkeit, die es früher für Hass gegen andere gab, keinen Platz geben.“ Damit es nie wieder eine Reichspogromnacht geben kann.

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