Bahn droht mit Vertragsauflösung

Datteln.  Für Datteln 4-Gegner fühlte sich der Dienstag an wie Heiligabend. Die Meldung, die Deutsche Bahn drohe mit der Auflösung des mit Eon vor acht Jahren ausgehandelten Stromliefervertrags, sorgte in der Dattelner Meistersiedlung für Glücksgefühle. „Eine schöne nachträgliche Bescherung“, frohlockt Rainer Köster, Sprecher der Kraftwerksgegner.

Sollte die Bahn tatsächlich diesen Vertrag aufkündigen, der Eon Einnahmen von mehreren hundert Millionen Euro sicherte, könnte das der Todesstoß für Datteln 4 sein, mutmaßen Gegner. Denn dieser Liefervertrag sollte den wirtschaftlichen Betrieb des Steinkohlekraftwerks am Dortmund-Ems-Kanal auch in Zeiten der Energiewende sichern.

Es geht um die dauerhafte Abnahme von 413 Megawatt des 16,7-Hertz-Bahnstroms – gut ein Drittel der Leistung von Datteln 4. Geschlossen wurde der Vertrag 2007, im Jahr der Grundsteinlegung für Datteln 4, als die Zeiten für Betreiber konventioneller Kraftwerke noch rosiger waren. Damals waren die Strompreise hoch und Eon pocht auf die Einhaltung des lukrativen Vertrags. Die Bahn will dagegen nachverhandeln, droht mit Vertragsauflösung und sei auch schon im Gespräch mit dem Eon-Konkurrenten Steag, heißt es. 2012 hatte Steag der Bahn schon einmal angeboten, Bahnstrom aus Lünen zu liefern.

Seit Jahren bezieht die Deutsche Bahn rund 20 Prozent ihres Strombedarfs aus Datteln. Zweites Faustpfand für Datteln 4 ist die Fernwärme. Datteln 4 könnte laut Eon bis zu 100 000 Haushalte in der Region versorgen. Der Bau der 13 Kilometer langen Fernwärmeleitung nach Recklinghausen-Grullbad ist jüngst von der Bezirksregierung genehmigt worden.

Der Streit mit dem Großkunden Deutsche Bahn kommt für Eon zur Unzeit. Zum Jahreswechsel wird die Aufspaltung des Energiekonzerns vollzogen. Die neue Kraftwerksgesellschaft Uniper geht an den Start. Mit im Portfolio unrentabel gewordener Kraftwerke: Datteln 4. Gegner des fast fertiggestellten Kraftwerks bezeichnen Uniper spöttisch als „Bad Bank“. Ohne den Bahnstromvertrag stünde Datteln 4 in der Tat auf wirtschaftlich wackeligen Beinen. Nach dem Scheitern vor Gericht in 2009/2010 und dem weitreichenden Baustopp gab es 2014 den neuen Bebauungsplan der Stadt Datteln. Im Januar erwartet der Konzern die immissionsschutzrechtliche Genehmigung der Bezirksregierung Münster – praktisch die Bau- und Betriebserlaubnis. Innerhalb der nächsten zwei Jahre soll Datteln 4 fertiggebaut und am Netz sein. An einen Ausstieg denke bei Eon/Uniper niemand.

Kraftwerksgegner wie die IG Meistersiedlung, der BUND und die Stadt Waltrop wollen Datteln 4 mit neuen Klagen scheitern lassen.

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