Im Chefsessel

Faible für Selbstgenähtes hat Katja Abing zum Beruf gemacht

Ein einzigartiges Sortiment führt Katja Abing in ihrem Geschäft an der Kirchhellener Straße. Übernommen und weiter entwickelt hat sie es 2011. Doch erst jüngst gab sie ihm den Namen Katjas Nähkiste.

Foto: Thomas Gödde

Ein einzigartiges Sortiment führt Katja Abing in ihrem Geschäft an der Kirchhellener Straße. Übernommen und weiter entwickelt hat sie es 2011. Doch erst jüngst gab sie ihm den Namen Katjas Nähkiste. Foto: Thomas Gödde

Bottrop.   Die Bottroperin sprang als Chefin vor sieben Jahren ins kalte Wasser. Bereut hat sie es nie. Die „Nähkiste“ findet immer mehr treue Kunden.

Die Chefin mag sie nicht herauskehren, viel lieber wirkt sie im Hintergrund. Deshalb ist es auch nicht verwunderlich, dass sie nach zwei Jahren im Laden und am ersten Tag ihrer Selbstständigkeit erstaunt von einer Kundin gefragt wurde: „Sind Sie neu hier?“

Katja Abing erinnert sich schmunzelnd an diese Begebenheit. 2011 hatte die heute 44-Jährige das Geschäft mit den vielen bunten Stoffen und unzähligen Knöpfen an der Kirchhellener Straße übernommen. Aber gerade erst hat sie ihm auch ihren Namen. Es heißt Katjas Nähkiste.

"Gelernt habe ich das Nähen in der Schule"

Der Faible fürs Nähen begleitet Katja Abing schon ihr Leben lang. „Gelernt hab ich’s in der Schule. Schon als Kind habe ich Kleider für meine Barbiepuppen genäht“, erinnert sich die Bottroperin. Nach dem Abitur wollte sie eigentlich Kostümbildnerin am Theater werden. „Aber es war unmöglich, einen Ausbildungsplatz zu bekommen.“ Immerhin klappte es mit einer Lehre zur Schneiderin bei der damaligen Firma Steilmann in Bochum-Wattenscheid. „Ich wollte halt lernen, wie man richtig näht“, sagt Katja Abing.

Weiter ging es mit dem Studium der Textil- und Bekleidungstechnik an der Fachhochschule in Mönchengladbach. „Eigentlich hätte ich nach dem Abschluss ins Ausland gehen müssen“, meint Abing. Stattdessen arbeitete sie für zehn Jahre als Schnittdirektrise in Ochtrup.

„Der Bekleidungsindustrie in Deutschland ging es immer schlechter, und mit meiner Kündigung bekam ich das dann auch hautnah zu spüren“, erinnert sich Katja Abing. Doch letztlich sei das gut so gewesen, denn schnell keimte der ursprüngliche Wunsch nach Selbstständigkeit auf. Wie sie den umsetzen könnte, blieb zunächst noch unklar. Doch dann entdeckte Katja Abing im Sommer 2009 die „Nähkiste“, die damals noch ihre heutige Mitarbeiterin Anette Linning führte. „Wir kamen ins Gespräch. Und irgendwie kam ich mit einem Job im Gepäck wieder aus dem Laden raus“, erzählt sie.

Ihr Taschen-Entwurf wurde zum absoluten Renner

Ihr Entwurf einer Tasche wurde zum Renner in dem Laden. Zig Kunden wollten genau diese Tasche nähen. „Also gab ich immer mehr Kurse und Workshops. Schließlich stand das Angebot im Raum, die Nähkiste zu übernehmen.“

Am 1. August 2011 sei schließlich ihr großer Traum von der Selbstständigkeit in Erfüllung gegangen. „Ich habe das einfach gemacht und den Laden ziemlich unbedarft übernommen“, meint Katja Abing und fügt schmunzelnd hinzu: „Und was sollte auch schon schief gehen?“ Bereut habe sie den Entschluss jedenfalls nie, auch nicht, als schließlich Nachwuchs unterwegs war und sie erstmal weniger Zeit für ihr Unternehmen hatte.

Einen Chefsessel besitzt Katja Abing nicht. Vielmehr berät sie gemeinsam mit ihren Mitarbeiterinnen die Kunden in ihrem Laden – zwischen rund 2500 Stoffballen, 20 000 Knöpfen, unzähligen Borden, Litzen, Garnen, Schnittmustern, Hutgummis, Fingerhüten und Gardinenröllchen. Mit diesem Sortiment gilt das kleine Geschäft inzwischen als einzigartig. Drum kommen die Kunden nicht nur aus Bottrop.

Die Unternehmerin schaut optimistisch in die Zukunft

„Nähen liegt im Trend“, stellt die Fachfrau fest. Inzwischen würden auch immer mehr Männer zu Nadel und Faden greifen, sich Blazer, Pullover, ein Stofftier fürs Kind oder auch mal ein mittelalterliches Kostüm nähen. „Und das Schönste für mich ist, die Freude der Leute zu spüren, wenn sie sich etwas Eigenes genäht haben und sich hier wohlfühlen.“

Die Zukunft ihrer Nähkiste sieht Katja Abing optimistisch. Aber um zu bestehen, will sich die Chefin in Kürze doch dem Online-Handel öffnen. „Eigentlich denke ich, es ist schöner, einen Stoff mal in der Hand zu haben, bevor man ihn kauft“, so Abing. „Aber der Bedarf ist da und man muss mit der Zeit gehen. Außerdem werden sich meine Kunden freuen, die inzwischen nach Süddeutschland oder ins Ausland gezogen sind, dass sie dann nicht mehr nur bei Besuchen in Bottrop bei mir einkaufen können.

>> DIE ÖFFNUNGSZEITEN

  • Katjas Näkiste, Kirchhellener Straße 12, 46236 Bottrop

  • geöffnet: montags bis freitags 9 bis 18 Uhr, samstags 9 bis 13 Uhr

  • Infos im Netz katjas-naehkiste.de

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