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Wo der Löwe brüllt: Urbane Collagen in Bottrops Passmanns

Der Löwe Brüllt im Passmanns: Matthias Gertz vor einigen seiner „Urbanen Collagen“ in Passmanns Kulturkneipe.

Der Löwe Brüllt im Passmanns: Matthias Gertz vor einigen seiner „Urbanen Collagen“ in Passmanns Kulturkneipe.

Foto: Thomas Gödde / FUNKE Foto Services

Bottrop.  Matthias Gertz bearbeitet alte Werbeplakate. In Bottrop zeigt der Kirchhellener nun, was aus diesen Dokumenten kulturellen Lebens werden kann.

Es ist eine etwas andere Art von Recycling, die Matthias Gertz betreibt. Quer durch Europa spürt er Plakate von abgelaufenen Veranstaltungen auf (denn nur die dürfen erlaubterweise mitgenommen werden) und nimmt sie als Grundlage für seine Kunst. „Urbane Collagen“ nennt der Kirchhellener seine Arbeiten, die allesamt in den letzten zehn Jahren entstanden sind, und von denen er jetzt eine Auswahl in Passmanns Kulturkneipe zeigt.

Künstlerischer Weg begann in Kirchhellen

Der 32-Jährige, der an so unterschiedlichen Orten wie der Uni Paderborn und der Fine Arts-Class der Uni im us-amerikanischen Oklahoma studierte, ist inzwischen zurück im heimatlichen Kirchhellen, unterrichtet Sport und - natürlich - Kunst am Gustav-Heinemann-Gymnasium in Dinslaken. Obwohl seine Anfänge in Skizzenkursen bei Dieter Haf oder Aktzeichnen bei Katrin Walther im Bottrop-Kirchhellener Umfeld liegen, setzt er seit vielen Jahren seinen künstlerischen Schwerpunkt auf das Thema Collage. Die Auseinandersetzung mit dem gefundenen Material, dessen Bearbeitung, Übermalung.

Das Ausgangsmaterial, die Plakate, findet Gertz grob gesagt zwischen Spanien und Berlin, manches stammt sogar noch aus den USA. Die Themen sind so unterschiedlich, wie die Facetten von Gesellschaft oder Kultur, auf die das Werbematerial einst verwies. „Das findet sich oft in mehreren Schichten, manchmal reiße ich ein Plakat herunter und darunter kommt immer wieder ein neues zum Vorschein, später betrachtet wird das oft sogar zu einer kleinen Zeitreise“, sagt Matthias Gertz.

Plakate als Zeitreise

Vor rund zehn Jahren stößt er in Berlin auf eine Ankündigung für ein Musik-Event. Irgendwo unter ist der DJ „Alle Farben“ aufgeführt. „Heute stünde der ganz oben und allein auf dem Plakat“, so der Künstler über den inzwischen berühmten Kulturkollegen und Musikproduzenten, der nur drei Jahre älter ist als er selbst.

In Passmanns Hinterzimmer brüllt der Löwe - zufällig auch ein Berliner, dessen markante Schnauze sich wie aus einem Nebelschleier heraus auf die Betrachter zu zu bewegen scheint. Grundlage: ein altes Plakat des Berlin Zirkus. Es ist immer ratsam, mehrmals hinzuschauen. Denn werden Zahlen und Wortfetzen auf einmal wieder lesbar, zuweilen seitenverkehrt. Und der Kontext lässt sich unter Übermalungen, abgekratzten Flächen oder penibel ausgeschnittenen und wieder aufgebrachten Buchstaben, erahnen. Nein, es geht Matthias Gertz weniger um historische Schichten oder Archäologie der Geschichte auf oder hinter den Plakaten. Im Vordergrund steht die Gesamtkomposition und immer auch das Haptische seiner Arbeiten, die durch Überkleben, Übermalen und nicht zuletzt die Fixierung eine Dynamik bekommt.

Kulturprogramm in schwieriger Zeit

Nicht alles ist dabei so eindeutig wie „Godfather“, „Der Pate“, als großes Querformat über dem Eingang des Passmanns hängt. Lediglich Gesicht und Knopflochrose von Marlon Brando sind noch Originalplakat. Schultern und Oberkörper sind Gertz’ Pinselstriche, die wie verschleiert auftauchenden Figuren, die den Paten umschweben, entstammen allesamt dem Film von Francis Ford Coppola - in der Gertz’schen Bearbeitung. Mit dieser vielschichtigen wie zugänglichen Schau setzt Passmanns auch in schwieriger Coronazeit sein Kulturprogramm fort.

Termine und Daten

Die Ausstellung „Urbane Collage“ von Matthias Gertz ist noch bis zum 31. Dezember in Passmanns Kulturkneipe, Kirchhellener Straße 57, zu sehen. Geöffnet: Montag bis Samstag ab 17 Uhr. Sonntag Ruhetag. www.passmanns-bottrop.de.

Fürs das nächste Jahr plant Matthias Gertz eine Schau mit Zeichnungen und Malerei - und zeigt dann eine andere Facette seiner künstlerischen Arbeit.

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