IHK-Umfrage

Wirtschaftslage an Emscher und Lippe ist besser als erwartet

Positive Signale kommen vom Einzelhandel in der Emscher-Lippe- und der Münster-Region, der seine Lage überdurchschnittlich gut beurteilt (42 Prozent der Befragten).

Positive Signale kommen vom Einzelhandel in der Emscher-Lippe- und der Münster-Region, der seine Lage überdurchschnittlich gut beurteilt (42 Prozent der Befragten).

Foto: Kerstin Kokoska / FUNKE Foto Services

Bottrop.  In einer Umfrage der Industrie- und Handelskammer zeichnet sich Licht am Ende des Tunnels ab. Doch die Unterschiede in den Branchen bleiben groß.

Die Wirtschaft in der hiesigen Emscher-Lippe-Region hat die Corona-Krise bislang besser verkraftet als erwartet. Ein Viertel der Unternehmen befindet sich bereits wieder auf Vorkrisenniveau oder darüber. „Der Motor ist schnell wieder angesprungen“, stellt denn auch IHK-Hauptgeschäftsführer Fritz Jaeckel fest, als er die Ergebnisse der jüngsten Umfrage am Mittwoch präsentierte.

Dennoch dauert es nach Einschätzung der IHK womöglich noch länger als ein Jahr, bis die Wirtschaft in der Region insgesamt zu alter Stärke zurückkehrt. „Nach dem ersten Nachholeffekt dürfte der Steigungswinkel der konjunkturellen Erholung nun flacher werden“, schätzt Jaeckel. Jetzt komme es darauf an, den Erholungsprozess in Gang zu halten.

Situation in einzelnen Wirtschaftsbereichen sehr unterschiedlich

Sorgen bereiten der IHK insbesondere die Außenwirtschaft und die niedrige Investitionsbereitschaft. „Zudem sind wichtige Dienstleistungsbranchen nach wie vor stark von den Einschränkungen zur Eindämmung des Coronavirus betroffen“, betonte Jaeckel. 30 Prozent der Unternehmen berichten aktuell von einer guten Geschäftslage, 24 Prozent beurteilen sie als schlecht. Dabei ist die Lage in den einzelnen Wirtschaftsbereichen sehr unterschiedlich.

„Positive Signale, die Mut machen“, so der IHK-Hauptgeschäftsführer, kommen vom Einzelhandel, der seine Lage überdurchschnittlich gut beurteilt (42 Prozent). Von den privaten Konsumausgaben erwartet Jaeckel deshalb „einen soliden Beitrag zur Gesamterholung“. Den geringsten Anteil an Unternehmen, die ihre Lage als gut bezeichnen, hat hingegen der Dienstleistungsbereich mit 24 Prozent.

Stimmung in der Industrie bleibt verhalten

Verhalten ist die Stimmung auch in der Industrie, die im ersten Halbjahr Umsatzeinbußen von rund zehn Prozent hinnehmen musste. „Hier ist der Weg aus der Talsohle heraus besonders mühsam“, resümiert Jaeckel, zumal das Auslandsgeschäft „wenig Anlass zur Hoffnung gibt“. Nicht einmal jedes zehnte Unternehmen erwartet in den nächsten Monaten steigende Auslandsumsätze, deutlich mehr als ein Drittel geht sogar von einer sinkenden Exportleistung aus.

Nicht sehr viel optimistischer als das Auslandsgeschäft bewerten die Unternehmen die Geschäftsaussichten insgesamt. Diejenigen, die in den nächsten Monaten eine bessere Geschäftslage erwarten (20 Prozent), sind in der Minderheit. 28 Prozent erwarten eine Verschlechterung. „Die Unternehmen wissen, dass der weitere Erholungsprozess sehr unsicher und von vielen Faktoren abhängig ist“, erläutert der IHK-Hauptgeschäftsführer. So rechnet fast die Hälfte der Unternehmen erst im zweiten Halbjahr 2021 oder nach 2021 mit einer Rückkehr zur Normalität.

Der wirtschaftliche Schaden, den die Pandemie anrichtet, zeigt sich an den erwarteten Umsatzeinbußen der Unternehmen: Für das Gesamtjahr 2020 rechnen 29 Prozent der Unternehmen mit Umsatzrückgängen in der Größenordnung von elf bis 25 Prozent, weitere 20 Prozent befürchten noch Rückgänge von bis zu zehn Prozent. Auf der anderen Seite erwartet fast ein Fünftel der Unternehmen, den Jahresumsatz sogar steigern zu können.

Großteil der Unternehmen zeigt sich krisenfest

Trotz der tiefen Einschnitte durch die Coronakrise zeigt sich ein Großteil der nord-westfälischen Unternehmen krisenfest. Rund 60 Prozent der Unternehmen sagen, die Corona-Pandemie habe bislang keine grundlegende Auswirkung auf ihre finanzielle Situation. „Viele Mittelständler haben in den letzten wachstumsstarken Jahren gut gewirtschaftet und können nun von ihrem Polster zehren“, sagt Jaeckel. Zwischenzeitige Verluste könnten hier häufig aus eigener Kraft kompensiert werden.

Sorgen bereitet der IHK die weiterhin niedrige Investitionsbereitschaft der Unternehmen, die Jaeckel schon länger beobachtet. Er bezweifelt, dass eine wiederbelebte Konjunktur ohne begleitende Entlastungen der Betriebe ausreichen wird, Investitionen zu stimulieren. Die meisten Unternehmen werden nach IHK-Einschätzung zunächst ihre Bilanzen reparieren, bevor sie an Investitionen denken.

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