IHK-Bericht

Wirtschaft in der Emscher-Lippe-Region trübt sich ein

Während sich das regionale wirtschaftliche Klima in der Industrie abkühlt, meldet die Baubranche weiterhin gute Zahlen.

Während sich das regionale wirtschaftliche Klima in der Industrie abkühlt, meldet die Baubranche weiterhin gute Zahlen.

Foto: Daniel Karmann

Bottrop.  Zwar geben sich die Unternehmen in Bottrop und Umgebung noch zuversichtlich, doch sind die Zeichen einer Abkühlung nicht zu übersehen.

Das Wirtschaftsklima in der Emscher-Lippe-Region hat sich spürbar abgekühlt. Das zeigt die aktuelle Konjunkturumfrage der IHK Nord Westfalen. „Insgesamt sind die meisten Unternehmen nach wie vor zufrieden mit ihrer aktuellen Geschäftslage, sehen aber deutlich weniger optimistisch in die Zukunft als noch Anfang des Jahres“, resümiert IHK-Hauptgeschäftsführer Fritz Jaeckel.

Der IHK-Konjunkturklimaindikator, der die aktuelle Geschäftslage und die Zukunftsaussichten der Unternehmen in einem Wert zum Ausdruck bringt, rutschte seit Jahresbeginn von 123 auf aktuell 109 Punkte ab. Er liegt damit so niedrig wie zuletzt 2012 und zehn Punkte unter dem langjährigen Mittelwert. Seinen Höchststand hatte der IHK-Konjunkturklimaindikator Anfang 2018 mit 135 Punkten.

Besondere Sorgen bereitet der Kammer die Industrie

Dabei bewerten insgesamt immer noch über 90 Prozent der Unternehmen ihre aktuelle Lage als „befriedigend“ (49 Prozent) oder „gut“ (42). Nicht einmal jedes zehnte Unternehmen berichtet, sie sei „schlecht“ (8,9 Prozent). Allerdings nahm seit Anfang des Jahres der Anteil der Unternehmen, die die Situation mit gut bewertet haben, um zehn Prozentpunkte ab, während der Negativanteil sich verdoppelte.

Besondere Sorgen bereitet der IHK die Industrie, wo der Anteil der Negativurteile mit 17,5 Prozent knapp doppelt so hoch ist wie im Durchschnitt. „Die Industrie droht in eine ausgeprägte Schwächephase zu geraten, die auch auf andere Wirtschaftsbereiche auszustrahlen droht“, fürchtet Jaeckel und warnt vor „Ansteckungsgefahr“.

Bauwirtschaft läuft weiterhin auf hohen Touren

Demgegenüber läuft die Bauwirtschaft weiterhin „auf hohen Touren“. Hier sagen 58 Prozent der Unternehmen, ihnen gehe es gut. 84 Prozent gehen zudem davon aus, dass dies auch in den nächsten sechs Monaten so bleibt. Ebenso bewerten Handels- und Dienstleistungsunternehmen zumindest die Lage überdurchschnittlich positiv. „Die tragenden Kräfte der Binnenkonjunktur zeigen sich aktuell noch halbwegs robust“, betont Jaeckel.

Wirtschaftliche Impulse aus dem Auslandsgeschäft erwarten die Unternehmen hingegen kaum. Nicht einmal jedes zehnte Unternehmen rechnet damit, dass die Exportgeschäfte demnächst wieder besser laufen (8 Prozent). Zu Jahresbeginn war noch knapp jedes vierte Unternehmen dieser Meinung. Nun gehen umgekehrt 28 Prozent davon aus, dass der Außenhandel weiter nachlässt.

Die Pessimisten nehmen in ihrer Zahl zu, die Optimisten ab

Entsprechend trüb sind die Aussichten. Mehr als ein Viertel der Unternehmen erwartet eine schlechtere Geschäftsentwicklung. Damit haben die Pessimisten fast zehn Prozentpunkte zugelegt, während der Anteil der Optimisten um fünf Punkte auf 15 Prozent fiel.

Mit gleichbleibend guten Geschäften rechnet die große Mehrheit der Betriebe im Handel und im Baugewerbe. „Für den Einzelhandel könnte demnach sogar ein weiteres Wachstumsjahr herauskommen“, wagt Jaeckel eine Prognose.

Stimmungsumschwung auch bei den Dienstleistern

Bei den Dienstleistern zeichnet sich ebenfalls ein Stimmungsumschwung ab, „was als weiteres Warnsignal interpretiert werden kann“. Die Verunsicherung der Unternehmen lässt sich an ihrer Investitionsbereitschaft ablesen, die buchstäblich auf den Nullpunkt gesunken ist. Zwar will noch knapp jedes vierte Unternehmen die Investitionen aufstocken, jedoch schraubt auf der anderen Seite ein gleich hoher Anteil die Ausgaben herunter.

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