Gastronomie und Corona

Wie Bottroper Wirte weiter gegen das Virus kämpfen

Ramona und Armin Fleer vom „Hürter“ setzten auf moderne Luftreinigung innen, um mehr Gäste bewirten zu können.

Ramona und Armin Fleer vom „Hürter“ setzten auf moderne Luftreinigung innen, um mehr Gäste bewirten zu können.

Foto: FUNKE Foto Services

Bottrop.  Das Hürter setzt auf einen neuen Luftreiniger, um mehr Gäste zu platzieren. Die Stadt zögert. Die Pizzeria Romantica richtet eine Terrasse ein.

Bottrop - eine Insel der Seligen. Beim Betrachten der Inzidenzwerte in Sachen Coronaneuinfektionen der umliegenden Kreise und Städte könnte sich dieser Vergleich aufdrängen. Dennoch wissen aber nicht nur Ordnungs- und Gesundheitsamt oder der städtische Corona-Krisenstab, dass die Lage sich sehr schnell ändern kann. Vor allem im Kneipen- und Gastronomiebereich steigt mit den Infektionszahlen auch die Sensibilität für strengere Schutzmaßnahmen, um das Virus einzudämmen.

So hat Ramona Fleer, Inhaberin des Traditionsgasthauses „Hürter“ auf der Gladbecker Straße vor einigen Wochen zusätzlich zum vorhandenen Partikelmessgerät BQ 30 einen Luftreiniger Modell „TAC V+“ geordert und hofft so, auf den starren Mindestabstand von anderthalb Metern zwischen den Tischen in ihrem Lokal verzichten zu können und das Aufstellen von Stehtischen innen wieder möglich zu machen. Eine schriftliche Anfrage beim Krisenstab der Stadt, die das Schreiben ans Ordnungsamt weiterleitete (der Schriftwechsel liegt der Redaktion vor), ergab: Diese Technik könne zwar das Lüften mit Frischluft, nicht aber die geltenden Hygiene- und Abstandsvorschriften ersetzen. Beim Stehtischangebot im Innenraum gab es von Amts wegen immerhin ein Zugeständnis: Stehtische innen ja, aber bitte mit Hockern. Damit sei dem Sitzplatzgebot Genüge getan.

Kein leichtfertiges Handeln

Mit der Absage an die Lockerungen im Gastraum will sich Ramona Fleer allerdings noch nicht abfinden. Denn: „Das von uns bestellte Luftreinigungsgerät, immerhin eine Investition von 4500 Euro, sorgt nicht nur für frische Luft, sondern reduziert auch die Virenlast im Raum erheblich, was bei normalem Durchlüften so gar nicht gegeben ist.“ Laut Coronaschutzverordnung begrüße die Landesregierung den Einsatz solcher Geräte ausdrücklich und stelle sogar Fördermöglichkeiten in Aussicht. Zudem bezieht sich die Wirtin auf eine Studie des Instituts für Strömungstechnik und Aerodynamik der Bundeswehr-Uni München vom August, das eben diesem Gerät bescheinigt: „Wenn Sie diese Anlage dauerhaft laufen lassen, wird kein Mensch es schaffen, in einem Raum eine Aerosolkonzentration von infektiösem Niveau zu erzeugen.“ Jetzt hat Ramona Fleer bei der Stadt Widerspruch gegen das Lockerungsverbot eingelegt und zitiert dabei NRW-Minister Laumann, der auch die Lockerung starrer Mindestabstandsregeln bei Nutzern dieser Geräte in Betracht ziehe.

„Ich hoffe, dass wir uns mit dem Widerspruch bei der Stadt nicht unbeliebt machen und die Verantwortlichen es vielleicht eher sportlich sehen. Wir sind ja alle dabei zu lernen, was Schutzmaßnahmen gegen Corona betrifft“, sagt Ramona Fleer. Es gehe ja keinesfalls um leichtfertiges Handeln in angespannter Zeit, sondern natürlich um den Schutz der Gäste und das Halten eines möglichst niedrigen Inzidenzwertes. Die Situation um Bottrop herum sei angespannt genug und für die Wirte dort auch wieder ein wirtschaftlicher Rückschlag. „Das wollen wir ja für Bottrop gerade nicht und deshalb investieren wir ja auch in Schutzmaßnahmen.“

Der Drang ins Freie bleibt

Mit den sinkenden Temperaturen schwindet auch der Drang ins Freie. Amin Mhissen, Inhaber der Pizzeria Romantica an der Osterfelder Straße in der City, hält dagegen: Er hat gerade seine Außenterrasse unter den Kolonnaden des Volkswohlbundhauses fertiggestellt. In einigen Tagen sollen die neuen Möbel da sein - und eine elektrische Außenheizung. „Die Hälfte der Plätze innen ist durch Corona weggefallen und von den neuen 40 Terrassenplätzen kann ich auch höchstens 20 besetzen, aber es ist immerhin etwas“, so Mhissen, der erst vor einem knappen Jahr mit seinem Lokal von der Hochstraße umgezogen ist. Die Zusammenarbeit mit den städtischen Ämtern habe er als gut empfunden, auch das Aussetzen der Gebühren für die Außengastronomie - geplant bis Januar.

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