Info-Nachmittag

Wie auch Blinde noch an ihr Geld kommen können

Christiane Köster und Patrick Hötten (stehend), erklären Werner Fries (gelber Pulli) und seinen Gästen wie sie ihre Bankgeschäfte erledigen können.

Foto: Thomas Gödde

Christiane Köster und Patrick Hötten (stehend), erklären Werner Fries (gelber Pulli) und seinen Gästen wie sie ihre Bankgeschäfte erledigen können. Foto: Thomas Gödde

Bottrop.   Blindenverein lädt Sparkassen-Mitarbeiter zu seinem Treffen ein. Die informieren über Möglichkeiten für Menschen mit Behinderung und Senioren.

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„Dann erzählen Sie mal, was Sie so alles für uns auf Lager haben“, forderte Werner Fries, Vorsitzender der Bezirksgruppe Bottrop des Blinden- und Sehbehindertenvereins die Gäste von der Sparkasse auf. Patrick Hötten, Leiter des Fachbereichs Mediale Kanäle, und Christiane Köster, Mitarbeiterin im Kundenservice-Center sollten nämlich erklären, wie die Kunden heute problemlos an ihr Geld kommen können.

Zuvor hatte Werner Fries geschildert, vor welchen Schwierigkeiten ein Sehbehinderter wie er steht, wenn er keine Sparkassen- oder Bankfiliale mehr in seinem Ortsteil findet, in der er seine Geldgeschäfte erledigen und Bargeld abheben kann oder wenn Bankautomaten nur noch per Touchscreen bedient werden können.

Mit seinem Thema beim Februar-Treffen in der Awo-Begegnungsstätte in der Boy hat der Blindenverein wohl einen Nerv getroffen. Denn nicht nur Vereinsmitglieder und deren Angehörige hatten sich dort versammelt, sondern auch viele Senioren aus den umliegenden Altenwohnungen.

Lieber am Schalter Geld abholen

Banken und Sparkassen werden zunehmend barrierefrei – nicht nur tatsächlich, sondern auch bei der Bedienung von SB-Geräten oder der Nutzung des Internets, schilderte Patrick Hötten den Gästen. „Das interessiert meine 86-jährige Mutter aber alles nicht“, meinte eine der Zuhörerinnen. „Sie will in die Bank gehen und am Kassenschalter ihr Bargeld abholen!“ Das aber könne sie nicht mehr, seit die Filiale in ihrer Nachbarschaft an der Essener Straße geschlossen worden sei.

Die Mitarbeiter aus geschlossenen Filialen seien keinesfalls entlassen worden, sondern würden jetzt in anderen Bereichen arbeiten, versicherte Patrick Hötten auf eine besorgte Nachfrage. Beispielsweise im Kundenservice-Center, das von 8 bis 20 Uhr telefonisch erreichbar ist. Hier können Kunden telefonisch Überweisungen durchgeben, Kontostände abfragen, Daueraufträge einrichten oder ändern. „Ist das denn auch alles sicher?“, wollte ein Gast wissen. Und Hötten erklärte ihm und seinen Zuhörern die nötigen Sicherheitsmaßnahmen.

Geld „kaufen“ im Supermarkt

Eine sehbehinderte Kundin, für die der Geldautomat eine unüberwindbare Hürde ist, fragte: „Wie kommen ich noch an mein Geld, wenn es keine Filiale mehr gibt?“ – Beispielsweise in dem sie in den Supermarkt gehe und nicht nur Lebensmittel, sondern an der Kasse auch Geld „kaufe“, wurde ihr erklärt. „Ich denke ja älter“, meinte Werner Fries dazu. „Ihren Mitarbeitern vertraue ich. Aber weiß ich, wer im Supermarkt hinter mir steht und mich beobachtet?“ Ihm bleibe auch die Alternative, sich telefonisch Geld zu bestellen und es sich nach Hause bringen zu lassen, schlug Hötten vor. Auch dafür gebe es spezielle Sicherheitsvorkehrungen, so Christiane Köster.

Viele Zuhörer, so zeigte sich, wussten nicht über alle bestehenden Möglichkeiten Bescheid. Mit Werner Fries waren sie sich aber darin einig, dass sie so lange wie möglich selbstständig leben und ihre Geschäfte erledigen wollen. Demnächst vielleicht auch am sprechenden Geldautomaten in der Hauptstelle am Pferdemarkt. Der soll Interessierten bei einem zweiten Termin auf jeden Fall vorgeführt werden.

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