Blindenverein

Wenn die Leitlinien blockiert sind, haben Blinde ein Problem

Stephanie Vallen, Werner Fries, Andreas Getzmann und Karl Lünskens (v.l.) folgen mit ihren Stöcken den Blindenleitlinien und stoßen auf manche Hindernisse.

Foto: Oliver Mengedoht

Stephanie Vallen, Werner Fries, Andreas Getzmann und Karl Lünskens (v.l.) folgen mit ihren Stöcken den Blindenleitlinien und stoßen auf manche Hindernisse.

Bottrop.   Verein informiert über Orientierungssystem, das Blinde durch Innenstadt führt. Manchmal sind Wege durch Tische oder Kleiderständer zugestellt.

Werner Fries, Vorsitzender des örtlichen Blinden- und Sehbehindertenvereins Westfalen lobt die Stadt: „Bottrop ist ganz gut aufgestellt. In anderen Städten ist es wesentlich schlechter.“ In der Innenstadt wie auch in vielen Außenbereichen sind auf den Straßen Pflasterungen angebracht, die Blinden und Sehbehinderten helfen, sich zu orientieren. Einen Wermutstropfen gibt es allerdings: Oft sind diese so genannten Blindenleitlinien zugestellt.

„Was nutzen uns die Kennzeichnungen, wenn sie durch Fahrräder, Stühle oder Kleiderständer zugestellt sind“, fragt der Vorsitzende. Für das neue Jahr haben er und seine Vereinskollegen sich vorgenommen, die Blindenleitlinien bekannter zu machen. „Wenn da was drauf gestellt wird, ist es keine Böswilligkeit, sondern Unkenntnis“, sagt er.

Wie auf Schienen geführt

Viele Menschen haben vermutlich schon die weißen Pflastersteine wahrgenommen, die sich in gerader Linie beispielsweise durch die Innenstadt und am Berliner Platz entlang ziehen – und haben sich gewundert über das „Muster“. Eben das sind die Leitlinien mit den Rillen, in die Sehbehinderte ihre Gehstöcke „einklinken“ können, um dann wie auf einer Schiene geführt zu werden – wenn kein Hindernis im Weg steht. Meist enden die Linien an einer Ampel, für Blinde zu erkennen an den Buckelsteinen, die sie mit ihrem Stock ertasten können. Die Ampeln geben ein akustisches Signal ab, wenn grün ist für Fußgänger.

Wenn sie denn funktionieren, was nicht immer überall der Fall ist, wie Werner Fries, Karl Lünskens, Stephanie Vallen und Andreas Getzmann wissen. Sie haben Fries auf einer Begehung des Berliner Platzes begleitet. Die kam auf Anfrage von Bürgermeister Klaus Strehl zustande. Der hatte nämlich in seiner Bürgermeistersprechstunde eine Beschwerde über zugestellte Blindenleitlinien auf dem Berliner Platz entgegengenommen und an den Verein weitergeleitet.

Bei ihrer Begehung haben sie ein Fahrrad auf dem Streifen umgehen müsse und auch die am Eiscafé stehenden Tische und Stühle sind ein Hindernis, denn der Streifen führt mitten durch die Außengastronomie. Was bei schönem Wetter zum Problem wird, genau wie die Kleiderständer, die dann vor den Geschäften stehen. Fries: „Wenn man da rein rennt, ist das nicht schön.“

Spur führt zum Hansa-Center

Wie Stadtsprecher Ulrich Schulze erklärt, gibt es für Außengastronomie generell eine Sondernutzung mit Auflagen, wie beispielsweise, Blindenleitlinien nicht zuzustellen. Am Berliner Platz wurden diese seinerzeit als direkte Verbindung zwischen Kaufland und Hansa-Center angebracht – wo sie schon lange ins Nichts führen. Man werde aber wohl über eine Verlegung der Leitlinien nachdenken müssen, meint Schulze. Das Center soll Mitte 2019 eröffnet werden.

Angebracht wurde die Blindenleitlinien in der Innenstadt und den Stadtteilen immer dann, wenn sowieso neu gepflastert wurde oder etwa beim Neubau des ZOB. Meist wurden der Blindenverein oder der Behindertenbeirat dann zu Rate gezogen. Genau wie jetzt bei der Sanierung des Rathauses. Dort wird es in Zukunft ein Leitsystem für Sehbehinderte geben, wie überhaupt das Gebäude besser für Menschen mit eingeschränkter Mobilität zugänglich wird.

Blindenverein schult den Tastsinn

Für das erste Quartal des neuen Jahres plant der Blindenverein wieder eine Reihe von Informationsveranstaltungen. Los geht es am Freitag, 26. Januar, mit dem Vortrag „Wenn das Sehen schwächer wird – was tun?“ Werner Fries wird den Vortrag im Rahmen der Veranstaltungsreihe „Blickpunkt Auge – Wir sehen weiter“ um 14.30 Uhr im Haus der Beratung (Horster Straße 6-8, 2. Obergeschoss) halten. Der Vorsitzende des Blindenvereins, der selber bereits in seiner Kindheit erblindet ist, will dabei erklären, welche Möglichkeiten es gibt, bei nachlassendem Sehvermögen ein selbstständiges und eigenverantwortliches Leben zu führen. Eine Optikerin stellt zudem optische Hilfen vor, die das Alltagsleben erleichtern können.

Wie Senioren und Menschen mit Handicap künftig ihre Bankgeschäfte erledigen können, ist Thema einer Veranstaltung im Awo-Treff Boy, Kraneburgstraße 50, am Mittwoch, 7. Februar, 14.30 Uhr. Ein Vertreter der Sparkasse wird dann Auskunft geben.

Termine des Blindenvereins

Jeweils mittwochs, 14. und 28. März, 13.30 Uhr, wird es im Awo-Treff Boy das Seminar „Den Tastsinn stärken“ geben. Das Angebot richtet sich an Menschen, deren Sehvermögen nachlässt und die daher ihren Tastsinn verbessern möchten.

Mitglieder und Freunde des Bottroper Blindenvereins treffen sich alle zwei Wochen mittwochs ab 14.30 Uhr in den Räumen der Awo Boy.

Anmeldungen zu den Kursen sind notwendig bei Werner Fries, Tel. 0209/1774999, E-Mail:fries@t-online.de. Hier erhalten Interessierte auch Informationen.

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