Zeitumstellung

Von Bottrops Martinskirche schlägt immer die richtige Stunde

Fotografiert mittels Drohne: Die Turmuhr der Martinskirche zeigt seit 1984 immer die richtige Stunde - auch bei der Zeitumstellung. Hinter dem traditionellen Zifferblatt steckt eine Funkuhr.

Fotografiert mittels Drohne: Die Turmuhr der Martinskirche zeigt seit 1984 immer die richtige Stunde - auch bei der Zeitumstellung. Hinter dem traditionellen Zifferblatt steckt eine Funkuhr.

Foto: Michael Bokelmann

Bottrop.  Im Turm der City-Kirche hängt nämlich eine Funkuhr. Eine Spenderin half zum 100-jährigen Jubiläum 1984 bei der Finanzierung - aus diesen Gründen:

Alle Jahre wieder ist es soweit. In der Nacht von Samstag auf Sonntag wird die Uhr von drei auf zwei Uhr, also eine Stunde, zurückgestellt. Dann heißt es: tschüss Sommerzeit, hallo Winterzeit. Klaus Bleiber ist Küster an der Martinskirche und muss Gott sei dank nicht mitten in der Nacht aufstehen. Die Kirchenuhr mit ihrem weißen Ziffernblatt, schwarzen Zeigern und römischen Zahlen stellt sich automatisch um. „Es ist eine Funkuhr“, sagt er.

Man könne sie sich vorstellen wie jede andere herkömmliche Funkuhr. Die Schaltzentrale befindet sich im Küsterraum der Kirche. Dort ist an der Wand ein Schaltkasten befestigt. Das Datum, der Wochentag und die Uhrzeit, bis auf die Sekunde genau, werden digital angezeigt. Seit 15 Jahren ist Klaus Bleiber in Amt und Würden. Probleme habe er mit der Kirchenuhr noch nie gehabt. Treu verrichtet sie ihren Dienst. Regelmäßig wird sie gewartet. Kaum zu glauben aber wahr, die Martinskirche besitzt überhaupt erst seit 1984 eine Turmuhr. Vorher befand sich dort eine Rosette, ein kreisrundes verglastes Fenster.

Turmuhr war von Anfang an vorgesehen

Die Martinskirche ist die älteste evangelische Kirche in Bottrop. 1884 wurde das Gotteshaus als neugotischer Backsteinbau errichtet. In der Zeit rund um das 100-jährige Jubiläum war Johannes Schildmann Gemeindepfarrer. Für das Jubiläum sollte die Kirche in neuem Glanz erstrahlen. Denn der Zahn der Zeit hatte sichtbare Spuren hinterlassen. Schildmann begab sich bei der Planung auf die Suche nach alten Unterlagen. Im Keller des Gemeindeamts wurde er durch Zufall fündig. „Ich entdeckte in einem Pappkarton die alten Architekten-Zeichnungen“, sagt Schildmann. Die sehr gut erhaltenen Original-Dokumente stammten von 1883. Anhand der Zeichnungen war eine Turmuhr an der Frontseite an eben jener Stelle der Fensterrosette vorgesehen.

Das Vorhaben war bis dato allerdings nie in die Tat umgesetzt worden. „Die Gemeinde hatte wohl kein Geld“, vermutet Schildmann. Die finanziellen Engpässe zogen sich bis zum 100-jährigen Jubiläum hin. Mit Blick auf die entstehenden Kosten für die Renovierung und Erhaltungsarbeiten startete er einen Spendenaufruf in der Gemeinde. Im Zuge dessen wünschte er sich, dass eine Turmuhr nach dem historischen Vorbild endlich ihren Platz finden sollte. Kurze Zeit nach dem Aufruf bekam er Besuch von einer älteren Dame.

Ein Kirchturm braucht eine Uhr

Auch nach fast 40 Jahren erinnert sich Schildmann an diese Begegnung, als wäre sie erst gestern gewesen. Die Dame erzählte ihm, dass sie einst als Kind mit ihrer Mutter nach dem Krieg als Flüchtling aus Ostpreußen nach Bottrop kam. Als die gläubige Mutter erfuhr, dass es in Bottrop eine evangelische Kirche gab, jedoch ohne Kirchenuhr, musste die Tochter ihr etwas versprechen. „Wenn sie später in ihrem Leben zu Geld kommen sollte, dann soll sie der Gemeinde helfen, eine Uhr zu kaufen“, zitiert Schildmann den Wunsch der Mutter.

Also stand die Tochter, mittlerweile selbst eine ältere Dame, aufgrund des Spendenaufrufs vor ihm und überreichte 10.000 D-Mark, die in die Anschaffung der Kirchturmuhr flossen. Noch heute ist Schildmann „gerührt“, wenn er an diese Geschichte zurückdenkt.

An die Glocken gekoppelt

Die Turmuhr der Martinskirche ist mit den dortigen drei Glocken gekoppelt, so dass über Funk gesteuert wird, welche Glocke zu welcher Uhrzeit schlagen soll. Viele Bürger haben sich in einer EU-weiten Umfrage die Abschaffung des Sommerzeit-Winterzeit-Wechsels gewünscht. Das EU-Parlament ist dafür, doch die einzelnen Länder entscheiden dazu erst 2021.

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