Im Chefsessel

Vom Offizier zum Schulleiter

Foto: Labus / FUNKE Foto Services

Bottrop.   Guido Tewes hat bei der Bundeswehr bereits mit 24 Jahren eine Einheit geleitet.Heute sitzt der 50-Jährige auf dem Chefsessel und leitet das Berufskolleg

Vor 20 Jahren ist Guido Tewes als Lehrer an das Berufskolleg in Bottrop gekommen. Der gebürtige Oberhausener hatte damals schon ein Ziel: Schulleiter werden. Sein Vater führte jahrelang eine Schule in Oberhausen und hat Tewes schon in jungen Jahren beeinflusst.

„Ich kam als Lehrer hierhin und wusste von Anfang an, dass ich Chef des Berufskollegs werden wollte. Zunächst übernahm ich einige Verwaltungsaufgaben, bis ich 2011 der Kopf der Schule geworden bin“, so Tewes. Die Kompetenz, ein Team zu führen, konnte er bereits in jungen Jahren bei der Bundeswehr lernen. Nach einem Studium im Bereich Wirtschafts- und Organisationswissenschaften, entschloss er sich für eine Karriere als Feuerleitoffizier. Schon mit 24 Jahren führte Tewes eine Einheit von 120 Leuten an. „Ich habe ein Team im Bereich Flugabwehrraketen geleitet“, erklärt er. „Die Truppe war sehr gemischt. Von Wehrpflichtigen, die gerade mal etwas jünger als ich waren, bis zu einem 58-Jährigen Unteroffizier war alles dabei.“ Tewes war an zehn Standorten weltweit stationiert. Nach acht Jahren wollte er aber schließlich sesshaft werden.

Weil ihm das Unterrichten seiner Einheit so viel Spaß bereitet hat, entschied er sich für eine Laufbahn als Lehrer in Bottrop. „Hier herrschte in den 90er Jahren ein unglaublicher Fachkräftemangel. Da war es leicht für mich, in der Stadt eine Stelle zu bekommen“, sagt der Pädagoge.

Auch wenn er heute nicht mehr die Welt bereist, ist in seinem Beruf kein Tag wie der andere. Als Schuleiter mag er besonders die Vielseitigkeit, die sein Job bietet. „Gestern habe ich mich um Verwaltungsaufgaben gekümmert, und morgen bin ich auf einem Termin in Berlin. Ich weiß jetzt noch nicht, wie mein Plan nächste Woche aussieht“, sagt er.

Zu seinen Aufgaben gehört es, neue Ideen in die Schule einzubringen und die Kontakte nach außen zu pflegen. Die Arbeit als Lehrer hat er sich aber bis heute nicht nehmen lassen: Ein paar mal die Woche unterrichtet er noch einen Leistungskurs in Betriebswirtschaftslehre. Die größte Herausforderung: den Anforderungen der Schüler gerecht zu werden. „Ich muss mit wenig Mitteln der Stadt viel erreichen, zum Beispiel alle drei Jahre die Computer erneuern. Das ist nicht leicht“, so Tewes.

Auf die Frage, ob er nochmal zur Bundeswehr zurückkehren würde, antwortet er lächelnd: „Es war eine schöne Zeit und ich möchte sie nicht missen. Aber hier bin ich einfach sesshaft geworden und hier entscheide ich allein, wohin ich gehe.

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