Nahverkehr

Vestische setzt zur Sicherheit auf Präventionsteams im Bus

Josef Arzdorf (l.) und Metin Bakir sind beide Fachkräfte für Schutz und Sicherheit und sind als Präventionsteam für die Vestische im Einsatz.

Josef Arzdorf (l.) und Metin Bakir sind beide Fachkräfte für Schutz und Sicherheit und sind als Präventionsteam für die Vestische im Einsatz.

Foto: Heinrich Jung / FUNKE Foto Services

Bottrop.  Die Vestische setzt Sicherheitsleute als Präventionsteams und Kontrolleure ein, um das Sicherheitsgefühl zu stärken. Eine Tour mit dem Team.

Der Fahrgast redet sich in Rage. Wiederholt immer wieder, dass er die 60 Euro nicht zahlen will. Metin Bakir bleibt ruhig, beobachtet aber genau, was der Mann mit seinen Händen macht. Zwischendurch versucht Bakir dem aufgebrachten Mann klarzumachen, dass es gar nicht um 60 Euro geht. Es gehe lediglich darum, dass das Monatsticket des Mannes nur in Verbindung mit einem Ausweis gültig ist. Doch weder Ausweis noch Krankenkassenkarte, Führerschein oder ein anderes Dokument mit Foto, durch das der Fahrgast seine Identität nachweisen kann, sind am Mann. Metin Bakir bleibt ruhig.

Er gehört zum Sicherheits- und Präventionsteam der Vestischen. Gemeinsam mit Josef Arzdorf bildet er an diesem Abend ein Team. Bis 3 Uhr sind die beiden Mitarbeiter einer Sicherheitsfirma in den Bussen der Vestischen in Bottrop und Gladbeck unterwegs und zeigen Präsenz am ZOB sowie an Goetheplatz und Oberhof in Gladbeck. Außerdem kontrollieren sie die Fahrausweise. Thomas Krämer, Betriebsleiter der Vestischen: „Das haben wir uns überlegt als Türöffner, wir haben uns gefragt, wie kommen die Teams mit den Fahrgästen in Kontakt.“ Und so habe man sich für den Klassiker, die Kontrolle entschieden.

Ein Teamwagen folgt dem Bus

Mit zum Team gehört auch immer ein Dienstwagen der Vestischen mit Fahrer. Er folgt den Bussen, nimmt das Team nach dem Ausstieg auf und fährt es zur nächsten Linie. Was noch wichtiger ist: Der Fahrer ist der Draht der Leitstelle zu dem Sicherheitsteam. Denn die Busfahrer können bei Problemen das Team über die Leitstelle anfordern. Die meldet sich dann beim Fahrer, und der bringt Josef Arzdorf und Metin Bekir auf kürzestem Weg zum Einsatzort.

Die Fahrer haben die Idee an die Geschäftsführung herangetragen, erzählt Krämer. Es habe immer wieder Situationen gegeben, in denen sie sich unsicher gefühlt hätten. So entstanden die Präventionsteams. Und die erleben durchaus brenzlige Situationen, berichtet Josef Arzdorf. Eine seiner Kontrollen endete damit, dass er mit einem Messer bedroht wurde. „Das war schon heikel.“ Zum Glück sei niemandem was passiert, bei der Polizei wurde Anzeige erstattet und dort war der Mann bereits bekannt. Doch solche Situationen seien die Ausnahme, sagen die Sicherheitskräfte.

Wer den Ausweis nachträglich vorzeigt, zahlt nur fünf Euro

Am Bottroper ZOB beginnt ihre Schicht, die erste Tour geht mit dem SB 91 in Richtung Oberhausen. Josef Arzdorf und Metin Bekir lassen ihre Blicke durch den Bus wandern, zücken ihre Kontrollgeräte. Bei ihren Einsätzen an den Wochenenden ertappen sie regelmäßig Schwarzfahrer, aber auch Fahrgäste, die sich nicht ausweisen können – wie den aufgebrachten Herrn, mit dem sich Metin Bakir befassen muss. Er ist ihnen auf der Rückfahrt ins Netz gegangen.

Dass er seinen Ausweis innerhalb von zwei Wochen nachreichen kann und dann nur fünf Euro Bearbeitungsgebühr zahlen muss – diese Information dringt zu dem Mann gar nicht durch. Stattdessen wird er immer lauter, redet auf das Sicherheitsteam ein, versichert, nur noch zwei Haltestellen weit fahren zu müssen und dann sofort seinen Ausweis zu holen. Am ZOB steigt die Gruppe aus. Tatsächlich ist der Fahrgast ratzfatz weg, zurück bleibt bloß sein Monatsticket. Doch dann taucht er nach einigen Minuten wieder auf und kann sich ausweisen.

Ausgebildete Sicherheitskräfte bilden die Präventionsteams

Die Regel ist ein derart unorthodoxes Vorgehen nicht. Vielmehr füllen die, die sich nicht ausweisen können, eine Selbstauskunft aus. Ticket, Selbstauskunft und Ausweis legen sie dann beim Kundencenter vor und die Sache ist erledigt. Auffällig ist, wie viele Menschen sich an so einem Abend nicht ausweisen können oder vermeintlich gar nicht wissen, dass ihre Fahrkarte nur gilt, wenn sie einen Ausweis mit Foto dabei haben.

Metin Bekir und sein Kollege sind Sicherheitsleute. Das unterscheidet sie von den klassischen Kontrolleuren. „Als Fachkraft für Sicherheit bin ich entsprechend ausgebildet im Umgang mit Menschen“, sagt Bekir. Er weiß, worauf er zu achten hat, verhält sich jemand unkooperativ. „Wichtig ist, dass ich immer sehe, wo derjenige gerade seine Hände hat.“ Greift er in die Tasche, könne er sich nie sicher sein, was der Fahrgast möglicherweise hervorholt. Das Team weiß auch: je später der Abend, desto heikler die Stimmung. „Es gibt dann immer wieder Situationen, wenn wir kontrollieren, dass sich Fahrgäste einmischen.“ Vor allem Jugendliche, zum Teil alkoholisiert, würden vielfach Schwierigkeiten machen.

Fahrer sind dankbar, dass es die Präventionsteams gibt

Für die Fahrer sei das Präventionsteam eine sehr gute Sache, sagt Ajeti Emrush. Er steuert an dem Abend die Linie SB 91. Und je später es wird, umso schwieriger werde es. „Es ist dann einfach gut zu wissen, dass jemand hinter einem ist“, sagt er mit Blick auf das Team im Wagen.

Drei Teams sind regelmäßig in Bottrop, Recklinghausen und Buer im Einsatz, vor allem am Wochenende. Seit Anfang Dezember läuft das Projekt, das zunächst auf 24 Monate angelegt ist. Es wird gefördert vom Land. Die Erfahrungen der Vestischen damit werden laut Krämer vielfach von anderen Verkehrsunternehmen nachgefragt.

Begleitet wird das Projekt von einer Fahrgastbefragung. Fahrgäste können den Fragebogen zu den Präventionsteams online ausfüllen unter: www.vestische.de

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