Hermann Hölter

Verein würdigt Einsatz für Schulgemeinschaft mit Preis

Uwe Schipper,  Vorsitzender des Hermann-Hölter-Vereins und seine Stellvertreterin Theresia Hill zeichnen Dilara Cakir und Ehsanullah Khurami (v. l.) aus.

Uwe Schipper, Vorsitzender des Hermann-Hölter-Vereins und seine Stellvertreterin Theresia Hill zeichnen Dilara Cakir und Ehsanullah Khurami (v. l.) aus.

Foto: Heinrich Jung / FUNKE Foto Services

Bottrop.  Ein Schüler und eine Schülerin des Berufkollegs dürfen sich über den Hermann-Hölter-Preis freuen. Verein lobt ihren Einsatz gegen Ausgrenzung.

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Dilara Cakir und Ehsanullah Khurami sind überrascht. Dass ihr Engagement am Berufskolleg und darüber hinaus für ein friedliches Zusammenleben in der Gesellschaft und das Eintreten für Demokratie preiswürdig ist, hätten sie nicht gedacht. Und doch stehen sie am Mittwochabend im Martinszentrum und dürfen sich über so eine Auszeichnung freuen. Sie beide erhalten in diesem Jahr den Hermann Hölter Preis. Zum 17. Mal hat der gleichnamige Verein die Auszeichnung vergeben. Über je 300 Euro können sich die beiden Schüler zudem freuen.

„Für mich ist so ein Einsatz eigentlich selbstverständlich, dass ich dafür einen Preis bekomme, hätte ich nie gedacht“, sagt Dilara Cakir. Die 21-Jährige ist auch Schülersprecherin am Berufskolleg und tut viel für das Gemeinschaftsgefühl. „Wir sind eine große Schule mit Schülern aus ganz vielen Nationen. Wir sind eine multikulturelle Schule und alle sollen sich hier wohlfühlen.“ Und dafür tut Dilara Cakir einiges, so organisiert sie regelmäßig ein großes Frühstück, an dem auch die Besucher der internationalen Förderklassen, sprich der Flüchtlingsklassen teilnehmen. Denn auch sie seien Teil der Schulgemeinschaft. Das nächste Treffen dieser Art findet im Dezember statt und Dilara Cakir und ihre Mitstreiter rechnen mit 400 Teilnehmern.

Bei einem Auftritt auf einer Kundgebung sind die beiden Schüler dem Verein aufgefallen

Doch wie wurde der Verein denn nun auf seine beiden neuesten Preisträger aufmerksam? Theresia Hill, die stellvertretende Vorsitzende, erinnert sich. Bei einer Kundgebung gegen eine AfD-Veranstaltung im Berufskolleg sind die beiden Schüler aufgefallen. Sie haben sich spontan auf die Bühne gestellt und dort ihre Meinung kundgetan. „Das hat uns beeindruckt und wir kamen zu dem Schluss, das könnten geeignete Preisträger sein.“ Als man sich dann näher mit Dilara Cakir und Ehsanullah Khurami auseinandergesetzt habe, habe man noch viel mehr über ihr Engagement erfahren. „Und so kam die Jury zu dem Schluss, dass wir würdige Preisträger gefunden haben.“ Das habe auch die Schulleitung des Berufskollegs bestätigt, sagt Uwe Schipper, der Vereinsvorsitzende. „Als wir mit denen gesprochen haben, haben sie uns gesagt, da hätten wir genau die richtigen ausgewählt.“

An den Auftritt auf der Bühne erinnert sich Dilara Cakir noch genau, zumal am Donnerstagabend erneut eine Veranstaltung der AfD in der Schule stattfand. Das ärgert die Schülersprecherin – gar nicht mal nur bezogen auf die AfD. „Ich finde generell, dass Parteien und ihre Veranstaltungen nichts in Schulen zu suchen haben.“ Die 21-Jährige macht jetzt ihr Abitur, beginnt danach ein Ausbildung mit parallelem Studium, doch diesen einen Wunsch hätte sie noch für ihre Schule: Ein Aus für Parteiveranstaltungen. Unterstützung erhält sie da von Ehsanullah Khurami.

Appell, die Demokratie vor Gefahren zu bewahren

Der 19-Jährige ist fast so etwas wie der lebende Beweis für die gute, offene Schulgemeinschaft. Erst vor knapp vier Jahren kam er allein aus Afghanistan nach Bottrop, jetzt macht er am Berufskolleg sein Fachabitur. Sein Vater hat sich in Afghanistan politisch engagiert, daher wisse er nur zu gut, was in Ländern passiere, in denen eben keine Demokratie und Meinungsfreiheit herrsche. „All diejenigen, die hier leben, können froh sein und sollten aufpassen, dass die Demokratie nicht in Gefahr gerät“, so sein Appell.

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