Haldenkult in Bottrop

Über 2500 Pilger zieht es zum Kreuzweg auf die Halde Haniel

Über 2500 Gläubige der näheren Region zogen am Karfreitag zum Kreuzweg auf die Halde Haniel auf der Stadtgrenze von Bottrop und Oberhausen.

Über 2500 Gläubige der näheren Region zogen am Karfreitag zum Kreuzweg auf die Halde Haniel auf der Stadtgrenze von Bottrop und Oberhausen.

Foto: Joachim Kleine-Büning

Bottrop/Oberhausen.  1000 Besucher mehr als 2018 beteiligten sich am Kreuzweg. Beim größten Gottesdienst im Bistum warb Bischof Overbeck für eine ökologische Umkehr.

Was in zwei Jahrhunderten gewachsen ist, lässt sich nicht so leicht abschütteln wie Kohlestaub aus der Jacke. Auch im Jahr 1 nach dem Ende des Steinkohlebergbaus im Revier funktioniert der partnerschaftliche Schulterschluss von Bergbau und Kirche noch. Tausende Gläubige ziehen auch an diesem Karfreitag hinter Kreuz, Fahnen und der Ehrengarde von Prosper-Haniel die Halde hinauf, die sich Bottrop und Oberhausen teilen.

Zum 25. Mal „besetzen“Pilger aus näheren Region für einige Stunden den künstlichen Berg, von dem aus der Blick frei schweift auf die grüne Stadt- und Industrielandschaft des Emschertals, aber auch auf das beginnende Münsterland.

Bergbau und Kirche vereint

Franz-Josef Overbeck, der Bischof von Essen, und der neue Bergwerksleiter von Prosper-Haniel, Thomas Telsemeyer, beten Seite an Seite mit Bärbel Bergerhoff-Wodopia von der RAG-Stiftung, so als ob es das Bergbauende nie gegeben hätte. Dass die Stiftung in der Nachfolge der Zeche derzeit (noch) Eigentümerin der Halde ist , macht für die Pilger ohnehin keinen Unterschied.

Sie ziehen singend und betend den geschlungenen Weg hinauf. Der ist staubig, knochentrocken, fast schon wie im Hochsommer. Vogelgezwitscher, zwischendurch hämmert der Specht. Dann erklingen Strophen des alten Chorals „O Haupt voll Blut und Wunden“, die Menge spricht „Herr, erbarme dich“ und hält dann Stille in der blühenden Haldenlandschaft.

Dass der grüne Schein oft genug trügt, daran erinnert der Bischof in seiner Predigt unter dem Gipfelkreuz. War das vergangene Jahr eher von Wehmut mit Blick auf den Bergbauabschied geprägt, so blickt der Ruhrbischof nun nach vorn. Es geht um Ewigkeitslasten und -kosten des Bergbaus als dunkle Kehrseite dessen, was bleibt. Global verkleidet Overbeck die Forderung nach einer guten Zukunft und einer lebenswerten Welt in die Frage: „Wie gelingt es, Ökonomie und Ökologie so zusammen zu führen, dass alle Generationen eine Zukunft haben?“

Er lobt den Einsatz der Jugend und deren Galionsfigur Greta Thunberg für den Erhalt der Schöpfung, outet sich aber als Gegner des Schulschwänzens. Unter dem Beifall der Teilnehmer wirbt Overbeck für eine „ökologische Umkehr“, einen Lebensstil, der die Schöpfung stützt und pflegt, kurz: ein neues, auf Zukunft gerichtetes Bündnis zwischen Mensch und Umwelt.

Den über 2500 Besuchern - gut 1000 mehr als im vergangenen Jahr - rief Bergwerkschef Thomas Telsemeyer zu: „Bis zum nächsten Jahr!“. Das Kapitel Kirche und Bergbau ist längst nicht zu Ende.

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben