Nahverkehr

Trambahn ja oder nein - Bottroper sind die Staus leid

Straßenbahnen wie hier auf der Linie 308 in Bochum sollen auch wieder zwischen Bottrop und Essen fahren, hoffen Planer.

Straßenbahnen wie hier auf der Linie 308 in Bochum sollen auch wieder zwischen Bottrop und Essen fahren, hoffen Planer.

Foto: Claudia Heindrichs / FUNKE Foto Services

Bottrop.  Die Idee für eine Straßenbahn zwischen Bottrop und Essen löst Debatten aus. Die Tram stößt auf Sympathie - wie alles, mit dem man Staus entgeht.

Die Pläne für eine neue Straßenbahnlinie zwischen Bottrop und Essen stoßen auf Interesse. Für den SPD-Ratsherrn Rüdiger Lehr zum Beispiel hätte das Ganze Charme. „Vom Grundsatz her kann man nichts dagegen haben“, sagte der Vorsitzende des Bottroper Verkehrsausschusses, auch wenn es derzeit noch zu früh sei, um zu einem abschließenden Meinungsbild zu gelangen. „Alle Städte, die keine Straßenbahnlinien mehr haben, bedauern das“, stellt Lehr jedoch fest.

Hinter der Idee steckt die Absicht, weitere Nord-Süd-Verbindungen zwischen den beiden Städten zu schaffen. So sehen die Planer vor, bei der Entwicklung des Städtebauprojektes „Freiheit Emscher“ eine so genannte Umwelttrasse zwischen der Kreuzung Prosperstraße/Knappenstraße in Bottrop und der Hafenstraße in Essen zu schaffen, möglicherweise mit einer neuen Straßenbahnlinie, die das riesige Gebiet zu beiden Seiten des Rhein-Herne-Kanals erreichbar machen soll.

Die Idee für die Straßenbahnlinie brachte die CDU vor vier Jahren auf

Der Vorschlag für eine Straßenbahntrasse zwischen Bottrop und Essen stammt von der Bottroper CDU. „Ähnlich dem Berthold-Beitz-Boulevard in Essen könnte in der Mitte ein Bereich für eine Straßenbahntrasse frei gehalten werden“, sagte CDU-Fraktionschef Hermann Hirschfelder vor gut vier Jahren. Jetzt geht es darum, mit Hilfe von Fördergeldern den genauen Verlauf einer solchen Linie zwischen Bottrop und Essen zu planen.

Auch SPD-Ratsherr Lehr tritt dafür ein, öffentliche Verkehrsmittel zu stärken. „Der Ausbau des ÖPNV ist das A und O“, betont der Vorsitzende des Verkehrsausschusses, und er merkt an: „Eine separate Trasse wäre deutlich weniger stauanfällig“. Die Vestische dagegen hatte schon früh wegen der hohen Kosten Bedenken gegen die Straßenbahnpläne angemeldet: Das Projekt sei zu teuer. Busse stünden zwar wie Pkw zu den Hauptverkehrszeiten im Stau, auf eigenen Busspuren und mit Busschleusen oder Busvorrang an Ampeln wären auch Busse nicht mehr stauanfällig, lautete ihr Argument.

Die Diskussion flammt jetzt auch in sozialen Netzwerken wieder auf

Die Diskussion um die Straßenbahn flammt jetzt auch unter den Bürgern wieder auf. Auch in Facebook-Gruppen stoßen die Pläne bei etlichen Leuten auf Sympathie. „Eine sehr gute Idee“, lobt etwa Dana Jacobs. „Super, wenn die Taktung stimmt“, meint auch Ralf Mader. Die Straßenbahnlinien hätten nie aufgegeben werden dürfen, meinen einige Leser, wieder andere schlagen schon alternative Straßenbahnlinien vor. Holger Schwark will sogar über Bottrop hinaus alle alten Strecken reaktivieren, um den Straßenverkehr zu entlasten.

Doch es gibt auch skeptische Stimmen. „Nur weil ein Großteil der Kosten von anderen gezahlt wird, sollte man keine Strecken bauen“, spielt Sebastian Schunck darauf an, dass das Land den größten Teil der Kosten tragen müsste. „Gerade in Essen sind aus neuen geplanten Linien (Hauptbahnhoftangente und Quartier 51) bisher nur Luftschlösser entstanden“, mahnt er. Besser wäre es, dafür zu sorgen, dass der Schnellbus SB 16 nicht mehr so lange im Stau stehe. Doch selbst Hoppeditz Marco Lewis gewinnt der Tram etwas ab. „Warum denn nicht, spricht nichts dagegen, und mit dem Auto ist es sehr nervig“, meint der Erzschelm.

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