Handwerk & Gastronomie

Torte gegen Brötchen: Süße Kooperation in Kirchhellen

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Volker Rütter, Stefan Bertelwick und Markus Kläsener (v.l.) haben soeben die Kooperation zwischen Gasthof Berger und Bäckerei Kläsener besiegelt.

Volker Rütter, Stefan Bertelwick und Markus Kläsener (v.l.) haben soeben die Kooperation zwischen Gasthof Berger und Bäckerei Kläsener besiegelt.

Foto: Jörg Schimmel / FUNKE Foto Services

Aus der Not macht Bäcker Kläsener eine Tugend: Bei ihm gibt’s bald Bergers berühmten Torten - in Feldhausen seine Brötchen. Das steckt dahinter.

Zwischen Feldhausen und Kirchhellen bahnt sich gerade eine im wahrsten Sinne süße Kooperation an: Bergers berühmte Torten gibt es ab dem nächsten Wochenende auch bei Markus Kläsener in Kirchhellen. Dafür haben Stefan Bertelwick und Volker Rütter ab dem 22. Januar mindestens sechs Sorten Kläsener-Brötchen im Verkaufssortiment. Für die Anwohner des einen wie des anderen Teils von Kirchhellen bedeutet dies kürzere Wege. Für Bergers Kunden und Gäste aus der Region darüber hinaus eine sicher willkommene Erweiterung des Angebots.

Breiteres Angebot für Gäste und Kunden

Das diese Zusammenarbeit aus einer gewissen Not heraus entstanden ist, soll nicht verschwiegen werden. „Wir spüren den Personalmangel schon seit einiger Zeit in der Backstube und so haben wir uns entschlossen, die Torten nicht mehr selbst herzustellen“, sagt Markus Kläsener. In seinem Kirchhellener Stammhaus mit insgesamt zehn Filialen, einige davon auch in Gladbeck und Buer, will sich der Bäckermeister daher auf sein Kerngeschäft konzentrieren: gutes Brot, Brötchen und Kleingebäck aber auch noch Kuchen. Nur im Konditoreisegment speckt Kläsener nun ab - und blickt zu Berger nach Feldhausen. „Und wir haben Kläseners tolle Brötchen im Blick, die es ab nächster Woche dann neben unseren Kuchen und Torten hier zu kaufen gibt“, sagt Stefan Bertelwick, bevor er wieder in die Küche muss. Denn auch im Gasthof Berger herrscht seit einiger Zeit Personalmangel, zu spüren vor allem in der Küche.

In Bergers Konditorei, deren bis heute fast legendärer Ruf vor über 50 Jahren Stefan Bertelwicks Vater Theo zurückreicht, hat heute Volker Rütter das Sagen. „Wir waren uns schnell einig, auch über den Umfang des Sortiments und welche Klassiker, sprich: Lieblingstorten unserer Gäste, unbedingt dabei sein mussten“, so der Konditor: Lübecker Marzipan- und die Himbeertorte. Insgesamt werden es ab 22. Januar rund zehn Berger-Torten sein, die in Kläseners Vitrinen stehen. „Nicht das komplette Sortiment, aber immerhin gut zwei Drittel, von dem, was wir auch in Feldhausen anbieten“, so Rütter.

„Emmer ist die Oma des Weizens, Dinkel dessen Mutter“ - so der Bäckermeister

Im Gegenzug gibt es in Feldhausen dann neben anderen Frühstücks- und Brotzeit-Klassikern zum Bespiel die bekannten Dinkel- und Emmer-Brötchen. „Zwei alte Getreidesorten, die auch jetzt wieder in Kirchhellen angebaut werden und die wir natürlich von hier beziehen“, so Markus Kläsener. Dinkel, ok. Aber Emmer? „Emmer ist gewissermaßen die Oma des Weizens, Dinkel dessen Mutter“, erklärt der Bäckermeister die Ahnentafel dieser Grundzutaten der Brötchen und Brote, die auch Menschen vertragen, die eine Weizenallergie haben. Nur für die Brote und das Backwaren-Vollsortiment müssen Kundinnen und Kunden schon direkt in den Filialen vorbeischauen. Bei Berger gibt es nur die Brötchen-Auswahl - wie auch umgekehrt nicht Volker Rütters gesamte Berger-Naschereien bei Kläsener erhältlich sind. Aber die Mehrproduktion werde sein Team von drei Konditoren und zwei Auszubildenden schon wuppen. Und immerhin ist ja auch der Chef vom Fach.

Aber die Überproduktion, wie man sie eventuell auch früheren Zeiten noch kennt, werde es in beiden Betrieben nicht mehr geben. Wenn etwas ausverkauft ist, ist eben Schicht, wir können nicht das Komplettangebot bis kurz vor Feierabend vorhalten, um dann das, was übrig bleibt wegzuwerfen“, sind sich beide Chefs einig. Dazu seien auch die Zutaten zu teuer. Denn: „Bei der Qualität der Grundprodukte machen wir trotz Kostensteigerungen keine Abstriche“, sind Kläsener wie Rütter sich einig. Zum Verständnis: Allein der Mehlpreis sei binnen eines Jahres von 28 auf 45 Euro pro Doppelzentner gestiegen. Alle spüren es im Geldbeutel. Bei Berger und Kläsener zum Glück nicht bei der gewohnten Qualität.

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