Corona und die Folgen

Studierende vermissen persönlichen Kontakt

Andrea Ostendorf ist Professorin für Naturwissenschaften an der Hochschule Ruhr West. Ihr fehlt der persönliche Kontakt zu den Studierenden und zu den anderen Lehrenden.

Andrea Ostendorf ist Professorin für Naturwissenschaften an der Hochschule Ruhr West. Ihr fehlt der persönliche Kontakt zu den Studierenden und zu den anderen Lehrenden.

Foto: Thomas Gödde / FUNKE Foto Services

Bottrop.  Der virtuelle Hörsaal ist ein wichtiges Angebot in der Krise. Wie viel davon übrig bleibt, steht und fällt mit dem Verlauf der Pandemie.

Corona hat die Welt an der Hochschule Ruhr West (HRW) verändert. In den Räumen, Hörsälen und der Mensa am Standort Bottrop an der Hans-Sachs-Straße herrscht gähnende Leere. Lehrende und Studierende arbeiten seit Wochen im Home Office und müssen teils neue Wege der Kommunikation finden.

In den zurückliegenden Monaten nach den strengen Corona-Auflagen hat man Erfahrungen gesammelt. Aus einer Präsenzlehre ist längst ein digitales Semester geworden. Wie Hochschulsprecherin Beatrice Liebeheim-Wotruba betont, habe das HRW-Präsidium schon frühzeitig in der vorlesungsfreien Zeit die Lehrenden darauf hingewiesen, dass sehr wahrscheinlich im Sommersemester viele Dinge auf digitalem Weg geklärt werden müssen. „Die für uns typische Lehre mit viel praxisorientierter Anwendung in unseren modernen Laboren war leider nicht oder nur eingeschränkt möglich“, sagt Susanne Staude, Präsidentin der Hochschule.

Eine Reihe von digitalen Abläufen hat sich bewährt

Manche digitale Veränderung hat sich bewährt. Da wäre die Online-Sprechstunde, die von Studenten zur Beantwortung von Fragen genutzt wird. Gut möglich, dass dieses Angebot nach Corona von einigen Dozenten beibehalten wird. Andrea Ostendorf, Professorin für Naturwissenschaften, vermisst vor allem den persönlichen Kontakt zu ihren Kollegen und Studenten. Aus Gesprächen weiß sie, dass es sehr vielen Studenten und Dozenten ebenso geht. Beide müssen den Alltag und die neuen Umstände meistern, so gut es geht. Sehr viel eigenverantwortliche Organisation und Selbstdisziplin sind gefragt. „Jeder musste für sich herausfinden, was funktioniert und was nicht“, sagt Ostendorf.

Ihre größte Herausforderung mit Beginn der Coronakrise? „Die Technik“, sagt sie. Die Hochschule stellte den Dozenten Dienstrechner zur Verfügung. Wer einen zusätzlichen Monitor benötigte, baute das Gerät aus dem Büro ab und Zuhause wieder auf. Webcams, Online-Tools, Mikrofone gehören nun zur Grundausstattung im Haushalt. Aufgrund dessen musste sich Andrea Ostendorf umgewöhnen, die Vorbereitung auf Vorlesungen umstellen. Erklärvideos werden auf der Online-Lernplattform Moodle bereitgestellt. Und Unterlagen wie Kursfolien und Präsentationen in PowerPoint vertont sie für ihre Kursteilnehmer. Ostendorf und das HRW-Präsidium loben die gute Zusammenarbeit zwischen Lehrenden, IT-Service und E-Learing-Team der Hochschule. Alle arbeiten Hand in Hand nach Lösungen.

E-Mails und Chat-Nachrichten kosten Zeit

Es kann jedoch zu Schwierigkeiten bei der Vermittlung des Lerninhalts kommen. Ostendorf erzählt, dass sich bei Videokonferenzen und einem virtuellen Hörsaal nur schwer überprüfen lässt, ob die Studenten den Sachverhalt verstanden haben. Im traditionellen Hörsaal war es früher sichtbar leichter. Nun fehlt die Körpersprache oder der Blick in fragende Gesichter oder das kurze Nicken des Verstehens. Die Zeiten, in den Studenten nach dem Unterricht zu ihr nach vorne kommen, das Gespräch suchen und nachfragen, sind aufgrund der Pandemie vorerst vorbei. Heutzutage wird deshalb gerne von Studenten eine E-Mail oder eine Chat-Nachricht geschrieben. Und das kann Zeit kosten.

Ostendorf antwortet auf die Nachricht. Es kann vorkommen, dass der Student eine weitere Frage hat, dann schreibt sie ihm erneut zurück. Das Spielchen kann unter Umständen öfters hin und her gehen. Wenn die Frage häufiger von anderen Studenten gestellt wird, setzt sie eine gesonderte E-Mail an den Verteiler auf.

Die Digitalisierung der Lehre schreitet weiter voran

Vor Corona war die Kommunikation von Angesicht zu Angesicht entspannter und persönlicher. Deshalb wünscht sie sich die Rückkehr zu einer gewissen Normalität. Wann das sein wird, ist unklar. „Es steht und fällt mit der Entwicklung der Pandemie“, sagt die Professorin. An der Hochschule laufen derweil neben dem aktuellen Betrieb die Vorbereitungen für das Wintersemester. Vieles muss noch geklärt werden, unter anderem, ob das Studienangebote als Präsenz oder erneut virtuell stattfinden wird.

Ostendorf bleibt skeptisch und vermutet, dass nicht alle Plätze in den Hörsälen besetzt werden dürfen. „Wir wollen so viel Präsenz wie es geht“, sagt sie. Aber die Hygiene- und Schutzmaßnahmen müssen eingehalten werden. Ähnlich sieht es Susanne Staude: „Wir bleiben eine Präsenzhochschule und werden dennoch die Digitalisierung der Lehre sinnvoll weiter konzipieren“, erklärt die Präsidentin der HRW.

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