Handarbeit

Stricken ist in: Flinke Finger lassen die Nadeln klappern

Einmal in der Woche treffen sich die Frauen im Handarbeitsladen, um gemeinsam zu plauschen und zu stricken. Meist stricken sie für sich selbst - Pullover, Jacken, Schals oder Socken.

Foto: Heinrich Jung

Einmal in der Woche treffen sich die Frauen im Handarbeitsladen, um gemeinsam zu plauschen und zu stricken. Meist stricken sie für sich selbst - Pullover, Jacken, Schals oder Socken. Foto: Heinrich Jung

Bottrop.   Im Handarbeitsgeschäft Drache gibt es täglich Kurse, um längst vergessene Techniken und Kniffe aufzufrischen oder neu zu lernen.

Leise klappern die Nadeln, Kaffeeduft liegt in der Luft und Gebäck steht auf dem Tisch. Sieben Frauen haben es sich gemütlich gemacht und stricken, was Wollknäuel und Finger hergeben. Stricken liegt wieder voll im Trend. Die Kurse im Hobby-Made-Geschäft Drache an der Hochstraße 13 sind sowohl bei Anfängern wie Fortgeschrittenen gefragt, mitunter gibt es sogar Wartelisten.

Einmal in der Woche treffen sich die Frauen mit Kursleiterin Karin Bucksteeg, um an ihren Werken zu arbeiten und neue Tricks und Kniffe zu lernen. „Es ist 30 Jahre her, dass ich Stricknadeln in der Hand hatte“, erzählt Marlies Martens. „Seit November bin ich nun im Kurs und es klappt besser als ich gedacht habe.“ Marlies - man duzt sich in der fröhlichen Runde - ist momentan die einzige Anfängerin im Kreis der Strickerinnen, die sich aber einig sind: „Stricken ist wie Radfahren. Das verlernt man nicht!“ Und so ist es wohl auch: Schließlich hat Marlies als erstes Werk nach so vielen Jahren gleich eine Strickjacke in Arbeit.

In der Schule haben sie das Stricken einst gehasst Zu Schulzeiten sahen die eigenen handgestrickten Werke nie schön aus. Doch heute gehen die Maschen flink und regelmäßig von der Hand. Foto: Heinrich Jung

Zu den „alten Hasen“ in der Runde zählen Ursula Eimers und Margot Stipek. Beide haben das Stricken bereits vor Jahren wieder für sich entdeckt. „In der Schule habe ich das Stricken gehasst“, erinnert sich Ursula. „Später habe ich lieber genäht. Aber dann sah ich das Strickmuster für ein Shirt mit riesigem Kragen. Das wollte ich haben! Und als ich es fertig hatte, war Stricken mein Ding!“

Auch Christel Kleine quälte sich einst in der Schule beim Stricken:„Es war nie schön, was ich gestrickt hatte, meine Oma hat’s stets wieder aufgemacht und neu gestrickt“, erzählt sie lachend.Irgendwann habe sie wieder angefangen und für ihren Sohn gestrickt. „Aber der ist schneller gewachsen, als ich das Teil fertig hatte.“ Nun strickt Christel für sich selbst - Pullover, Jacken, Schals.

Der Traum von einer Trachtenjacke

Bettina Kruse erfüllt sich einen langgehegten Traum: „Ich wünschte mir immer schon eine Trachtenjacke, aber keine passte und billig waren die schönen auch nicht“, erzählt sie. So machte sie sich selbst ans Werk. Seit zwei Jahren strickt sie nun schon daran - immer wenn sie Zeit und Lust hat. „Die rechten Maschen waren kein Problem, aber es ist grandios, dass daraus nun tatsächlich eine Jacke geworden ist“, meint sie schmunzelnd und präsentiert glücklich und auch ein bisschen stolz die Jacke mit lustiger Mütze, der nur noch Taschen und Strickrand fehlen. Überhaupt stricken die meisten Kursteilnehmerinnen für sich selbst. Es sei halt auch schwierig für Andere zu stricken. „Es steckt viel Herzblut im Selbstgemachten. Viele sind wild auf Selbstgestricktes, aber vielen gefällt’s auch nicht“, sind sich die Frauen einig.

Früher wie heute ist Stricken Frauensache. „Aber inzwischen haben wir auch vereinzelt Männer in den Kursen“, stellt Kursleiterin Karin Bucksteeg fest. Auch viele jüngere Leute entdecken das Stricken für sich, viele wollen ihren selbst gemachten Loop - einen ringförmig Schal - Handytaschen oder Oversized-Pullover. „Stricken kann jeder lernen“, ist Karin Bucksteeg überzeugt. „Einfach erstmal anfangen, am besten mit kraus rechts und mitteldicker Wolle.“

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