Suchtkranke

Stiftung hilft älteren Suchtkranken

Sie wollen helfen: (v.li.): Jörg Martin, Ulrich Frensch, Andreas Trynogga (Caritas-Direktor), Martin Schindler.Foto:B.irgit  Schweizer

Sie wollen helfen: (v.li.): Jörg Martin, Ulrich Frensch, Andreas Trynogga (Caritas-Direktor), Martin Schindler.Foto:B.irgit Schweizer

Foto: WAZ FotoPool

Für ältere suchtkranke Menschen gibt es in Bottrop ein ganz neues Hilfs-Angebot. Eine neue Stiftung, die Erich Backhaus Stiftung, will gemeinsam mit der Caritas gezielt über 60-Jährigen helfen, aus der Alkoholabhängigkeit zu kommen. Es ist ein Konzept, von denen es bisher nicht sehr viele gibt, wie alle Beteiligten erklärten.

Mit im Boot ist die Volksbank. Sie verwaltet das Stiftungs-Geld. Es stammt von Erich Backhaus, dem früheren Leiter des Rechnungsprüfungsamtes, der 2009 starb. „Bestandteil seines Testamentes ist die Gründung einer Stiftung für alkoholkranke Menschen“, so Ulrich Frensch, Vorstand der Stiftung, Testamentsvollstrecker und Prokurist der Volksbank Kirchhellen/Bottrop.

Sinn-Entleerung in der Rente

„Gesicht“ der neuen Suchthilfe ist Martin Schindler, Fachbereichsleiter der psychosozialen Dienste der Caritas. Bis 2008, bis zur Schließung, leitete er deren Suchtberatung in Bottrop. „Die können wir mit dem Stiftungsgeldern zwar nicht mehr aufmachen“, sagt er. Denn die Gelder seien begrenzt – auf etwa 800 Euro monatlich. Aber er könne sich gezielt um eine spezielle Gruppe der Alkoholkranken kümmern: die über 60-Jährigen. „Dieses Thema ist bisher unterbelichtet“, weiß er. Um suchtkranke Arbeitnehmer kümmerten sich u. a. die Rentenversicherer, Sucht im Alter werde aber vernachlässigt.

„Wir bieten ab 1. Februar eine Einzelfallhilfe für diejenigen an, die nach dem Berufsleben suchtkrank werden“, umschreibt er das Konzept. Die Gründe für eine Suchtkrankheit seien vielfältig: eine Sinn-Entleerung nach dem Ende der Berufstätigkeit, körperliche Beschwerden, Schmerzen, Tod des Partners. Schindler will nun zunächst mit den Älteren oder denjenigen, die Kontakt mit ihnen haben, ins Gespräch zu kommen – in Senioreneinrichtungen, Selbsthilfegruppen, bei Hausärzten. „Ich werde dann mit den Betroffenen Ziele entwickeln und sie dabei begleiten, die zu erreichen.“ Dazu gehöre auch die Vermittlung in Fachkliniken. Zudem werde er das „Netz“ der Caritas bei Bedarf nutzen, etwa Sozialstationen, pflegerische Leistungen, ambulantes betreutes Wohnen für Suchtkranke.

Jörg Martin, Geschäftsführer der Deutschen Stiftungsagentur NRW und Vorstand der Erich Backhaus Stiftung, wünscht sich, dass das Projekt Schule macht. „Mein Traum ist, dass es angenommen wird, dass weitere Caritas-Ortsverbände mitmachen.“ Und vor allem: dass es in Bottrop eine Zustiftung gibt, um die Stiftung dauerhaft finanziell zu erhöhen. Zu erreichen ist Martin Schindler: Adolf-Kolping-Str. 3, Telefon: 132073 und: www.caritas-bottrop.de.

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