Stadtteil-Check

Warum die Kirchhellener ihrem Dorf so gute Noten geben

Natürlich Kirchhellen – das scheint das Motto der vielen Kirchhellener zu sein, die am Stadtteil-Check der Lokalredaktion teilgenommen haben. Gundis Jansen-Garz ist auch überzeugte „Dorfbewohnerin“.

Natürlich Kirchhellen – das scheint das Motto der vielen Kirchhellener zu sein, die am Stadtteil-Check der Lokalredaktion teilgenommen haben. Gundis Jansen-Garz ist auch überzeugte „Dorfbewohnerin“.

Foto: Joachim Kleine-Büning / FUNKE Foto Services

Bottrop.  Im Stadtteil-Check loben die Kirchhellener vor allem den Zusammenhalt im Dorf. Doch das ist nicht der einzige Grund, warum sie gern hier leben.

Die Teilnehmer des Stadtteil-Checks Bottrop haben entschieden, die Kirchhellener haben ihr Dorf an die Spitze gewählt – mit einer Gesamtnote von 1,51, gefolgt von den beiden anderen nördlichen Stadtteilen Feldhausen und Grafenwald. Erst auf Rang vier folgt mit einer Gesamtnote von 1,81 mit dem Fuhlenbrock der erste Alt-Bottroper Stadtteil. Doch warum leben die Kirchhellener so gern in ihrem Stadtteil?

Gundis Jansen-Garz ist in Kirchhellen geboren, das steht auch in ihrem Personalausweis. Zwar hat sie zwischenzeitlich das Dorf auch mal verlassen, aber mit Geburt der Kinder ging es dann zurück nach Kirchhellen.

Gute Note für Gemeinschaftsgefühl

Dass das Dorf beim Stadtteilcheck der Lokalredaktion vorne liegt, kann die überzeugte Kirchhellenerin gut verstehen.

Nicht umsonst sprächen die Kirchhellener ja auch selbst vom „Dorf“, sagt Gundis Jansen-Garz. Und dieser dörfliche Charakter sei wohl ausschlaggebend dafür, dass die Menschen sich in Kirchhellen so wohl fühlen. Daraus ergebe sich nämlich ein besonderes Zusammengehörigkeitsgefühl - „und zwar auf ganz vielen Ebenen“. Tatsächlich bewerten die Kirchhellener des Gemeinschaftsgefühl besonders gut.

Und hier weiß Gundis Jansen-Garz auch, wovon sie spricht, ist sich doch Vorsitzende des Vereins „Natürlich Kirchhellen“, ein Zusammenschluss der Kirchhellener Vereine. Regelmäßig leistet auch diese Gruppe ihren Beitrag zum Gemeinschaftsgefühl – etwa mit dem jährlichen Wintertreff auf dem Johann-Breuker-Platz.

In Kirchhellen stimmt die Infrastruktur

Dazu kommen zahlreiche andere Veranstaltungen, Feiern und Zusammenschlüsse, in denen sich die Kirchhellener treffen – dazu gehört auch, dass zwei der größten Bottroper Sportvereine Kirchhellener sind. Zuletzt hatte die Schützengesellschaft zur Gründungsversammlung geladen und der Saal im Brauhaus war voll. Gundis Jansen-Garz: „Und alle neuen Mitglieder im Vorstand da sind unter 30 Jahre alt.“ Das zeige eben, dass auch die jungen Kirchhellener ein Interesse daran hätten und das Gemeinschaftsgefühl weiter gegeben wird.

Doch reicht ein solches Gefühl allein aus, um einen Stadtteil als den lebenswertesten zu sehen? Wer im Dorf unterwegs ist, der merkt schnell, dass hier die Infrastruktur noch stimmt.

Metzger, Bäcker, Boutiquen, Apotheken und ein Drogeriemarkt, dazu Supermärkte und Discounter – die Kirchhellener sind bestens versorgt.

Einkäufe in Bottrop-Kirchhellen lassen sich häufig zu Fuß erledigen

Ein kleiner Wermutstropfen aus Sicht der Vereine: Die zunehmende Zahl der Filialisten. „Die beteiligen sich ja nicht so am Dorfleben, sponsern keine Veranstaltungen oder kaufen eine kleine Anzeige in Festschriften“, bedauert Gundis Jansen-Garz. Dass es auch anders geht, hat die Sticker-Aktion zum VfB-Jubiläum gezeigt. Die Bildchen mit dem Konterfei der VfB-Sportler wurden beim örtlichen Rewe verkauft. Mit Hof Jünger und dem Heimathaus haben sie sich – wiederum getragen von Vereinen und ehrenamtlichen Engagement – zudem ein liebenswertes kulturelles Zentrum geschaffen.

Vieles lässt sich zu Fuß erledigen, ein Pluspunkt, gerade für ältere Menschen, so wie Hans (80) und Gisela (75) Lidzba. Die beiden sind Neu-Kirchhellener, sind erst vor einem Jahr von Herne ins Dorf gezogen „und wir fühlen uns sauwohl hier!“ Es sind diese „kurzen Wege“, die das Ehepaar begeistern. „Wir haben hier Apotheken, Geschäfte und selbst den ÖPNV vor der Tür“, lobt Hans Lidzba. Und entsprechend positiv bewerten auch die Teilnehmer des Stadtteilchecks die Einkaufsmöglichkeiten, aber auch die Seniorenfreundlichkeit.

Hallenbad und Bücherei runden Angebot ab

Andererseits hat Kirchhellen auch vieles zu bieten, was es in anderen Stadtteilen nicht oder nicht mehr gibt. Die einzige Zweigstelle der Bücherei ist im Dorf, dazu das Hallenbad. Am schlechtesten schneiden in der Befragung der Nahverkehr (Note 2,98) und das gastronomische Angebot ab. Tatsächlich gebe es im Dorf kaum noch Kneipen, hat Gundis Jansen-Garz beobachtet.

1976 wurde das Dorf endgültig ein Teil Bottrops. Die früher eigenständige Gemeinde Kirchhellen und die Stadt Bottrop einigten sich auf einen Gebietsänderungsvertrag. Alternativ gab es auf Landesebene auch Überlegungen, Kirchhellen zu zerschlagen, Teile mit Gladbeck und Gelsenkirchen zu vereinigen, die anderen Teile mit Bottrop und Essen.

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben