Stadtteil-Check

So bewerten Bottroper die medizinische Versorgung vor Ort

Wie bewerten die Bottroper die medizinische Versorung in ihrem Stadtteil. Das wollte die WAZ-Lokalredaktion beim Stadtteil-Check wissen.

Wie bewerten die Bottroper die medizinische Versorung in ihrem Stadtteil. Das wollte die WAZ-Lokalredaktion beim Stadtteil-Check wissen.

Foto: Christin Klose / dpa-tmn

Bottrop.  Vor der Corona-Krise haben wir die Bottroper nach der medizinischen Versorgung in ihren Vierteln gefragt. Stadtmitte schnitt dabei am besten ab.

Wie bewerten die Bottroper die medizinische Versorgung in ihrem Stadtteil? Das wollte die Lokalredaktion Bottrop bei ihrem Stadtteil-Check von den Bottropern erfahren - vor der Coronakrise. Wenig überraschend, dass dabei Stadtmitte am besten abschnitt.

Schließlich haben sich hier besonders viele Ärzte und auch Fachärzte niedergelassen, dazu kommen Apotheken und mit dem Marienhospital auch eines der beiden Bottroper Krankenhäuser. Das zweite, das Knappschaftskrankenhaus, liegt zwar streng genommen in Vonderort, doch die räumliche Nähe zur Stadtmitte an der großen Ausfallstraße nach Oberhausen ist hier zusätzlich gegeben. Am schlechtesten schnitten in dieser Frage des Stadtteil-Checks der äußerste Norden und der äußerste Süden Bottrops ab.

Bottroper bewerten Situation in Ebel und Feldhausen als mangelhaft

Die Ebeler und die Feldhausener bewerten die medizinische Versorgung in ihren Stadtteilen als besonders schlecht. Die Situation in Feldhausen wird mit 4,77 benotet, in Ebel gar mit 5,21 - sprich in beiden Fällen mangelhaft. Die beiden Stadtteile sind auch die einzigen, in denen kein Hausarzt niedergelassen ist. Feldhausener müssen mindestens bis Kirchhellen für einen Arztbesuch, wer aus Ebel zum Arzt möchte, der findet die nächsten in Welheim oder in Lehmkuhle.

Doch wird sich die Situation in den beiden Stadtteilen noch einmal ändern? Schwer zu sagen, so Dr. Christoph Giepen, der Sprecher des Ärztevereins in Bottrop. Er ist skeptisch - allein aufgrund der Größe der Stadtteile. Denn eine Hausarztpraxis brauche nun einmal eine gewisse Zahl an Patienten. "Damit ein Arzt von einer Praxis leben kann, rechnet man mit 900 bis 1000 Patienten pro Quartal", erläutert er.

In Bottrop praktizieren insgesamt 56 Hausärzte

Ein Vergleich mit den Einwohnerzahlen zeigt: In Ebel und der Welheimer Mark wohnen zusammen 2701 Menschen - Stand 2016. Das umfasst aber alle Alterklassen, auch Kinder. Das zeigt schon, dass es schwierig werden wird, hier auf rund 1000 Patienten pro Quartal zu kommen. Nicht viel anders die Zahlen in Feldhausen. Im gesamten statistischen Bezirk Kirchhellen Nord-Ost, zu dem Feldhausen zählt, lebten in demselben Zeitraum nur 2500 Menschen.

Insgesamt gebe es in Bottrop 56 Hausärzte oder hausärtzlich tätige Internisten, die im Ärzteverein organisiert sind, so Giepen. Damit sei Bottrop ähnlich aufgestellt wie die übrigen Kommunen im Ruhrgebiet, wo auf einen Arzt 1926 Einwohner kommen - so die Bedarfsplanung. Im Bundesvergleich sieht die Planung etwas anders aus, da kommen auf einen Arzt 1609 Einwohner. Auch im Ruhrgebiet wolle man nun auf diesen niedrigeren Wert kommen, so Giepen.

Kassenärztliche Vereinigung und Zulassungsausschuss reden mit

Das habe zur Folge, dass in Bottrop zuletzt sogar ein neuer Kassensitz genehmigt wurde. Dieser Kassensitz sei Voraussetzung dafür, dass ein Hausarzt überhaupt mit den Krankenkassen abrechnen dürfe, so Giepen. Denn Ärzte können sich nicht einfach so ohne Weiteres niederlassen, da gibt es Vorgaben etwa durch die Kassenärztliche Vereinigung.

Doch die beträfen lediglich die Stadt, so Giepen. Innerhalb des Stadtgebietes gebe es dagegen relativ großzügige Regeln. So könne es etwa vorkommen, dass wenn ein Kollege eine bestehende Praxis übernimmt, er sie verlegt oder in eine Gemeinschaftspraxis einbringt. Dafür müsse dann ein entsprechender Antrag beim Zulassungsausschuss gestellt werden.

In fünf Jahren ist knapp die Hälfte der Hausärzte 65 Jahre oder älter

Giepen selbst arbeitet in einer Gemeinschaftspraxis in Batenbrock. Aus seiner Sicht ist es sinnvoll, als Hausarzt im Viertel zu arbeiten, seine Praxis vor Ort zu haben. Einen Umzug in die Innenstadt hält Giepen bei einer Hausarztpraxis nicht für sinnvoll.

Allerdings macht sich Giepen auch Sorgen. Denn in vielen Praxen steht die Suche nach einem Nachfolger an. "In fünf Jahren sind 48 Prozent der Hausärzte 65 Jahre oder älter", sagt der Sprecher des Ärztevereins. Das gelte schon jetzt für 19 Prozent. Zwar gebe es in Bottrop noch nicht das Problem wie auf dem Land, wo Ärzte fehlen, doch auch hier sei schon eine Praxis aufgegeben worden, weil kein Nachfolger zu finden war.

Niederlassungen müssen auch für Berufseinsteiger attraktiv bleiben

Aus Giepens Sicht gehört es auch zu den Aufgaben der Kassenärztlichen Vereinigung, Niederlassungen interessant zu halten. Daran gelte es zu arbeiten. Denn die andernorts diskutierte Landarztquote helfe in Bottrop nicht. Allerdings sei Bottrop aufgrund seiner Lage im Ruhrgebiet immer noch interessant.

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Der Stadtteil-Check Bottrop hatte 3078 Teilnehmer.

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