Wasser in der Stadt von morgen

Stadt von morgen: Bottrop will mit Wasser Klima verbessern

Die Welheimer Mark ist ein gutes Beispiel für den ökologischen Umgang mit Regenwasser in Bottrop. In dieser Siedlung wird es von Dächern und Flächen in die Vorgärten geleitet.

Die Welheimer Mark ist ein gutes Beispiel für den ökologischen Umgang mit Regenwasser in Bottrop. In dieser Siedlung wird es von Dächern und Flächen in die Vorgärten geleitet.

Foto: SCHWEIZER, Birgit / WAZ FotoPool

Bottrop.  Bottrop macht bei der Klima-Initiative „Wasser in der Stadt von morgen“ gemeinsame Sache mit allen Emscher-Städten. Was die Bürger davon haben.

Die Verwaltungsspitze kündigt eine neue Klimaschutzoffensive für den Herbst an. „Die Auswirkungen des Klimawandels sind überall sichtbar“, begründete Beigeordneter Klaus Müller erst vor kurzem in einer Gesprächsrunde bei Oberbürgermeister Bernd Tischler den aktuellen Aktionsplan. Stürme, Starkregen, immer mehr Hitzetage machten auch in Bottrop zu schaffen. „All das wird in immer häufigerer Folge auf uns zukommen. Das zwingt uns zum Handeln“, unterstrich Klaus Müller.

Der Stadtrat und seine Gremien werden sich in den kommenden Wochen daher immer wieder mit Klimaschutzaktivitäten befassen. Nicht alle dieser Projekte sind komplett neu, kommen nun aber in ihre konkrete Vorbereitungsphase. So machten gerade der Umweltausschuss und der Bauausschuss des Rates den Weg für die Zukunftsinitiative „Wasser in der Stadt von morgen“ frei. Die Zustimmung des Rates zum Ende des Monats wird damit quasi zur Formsache. Unter dem Dach dieser Zukunftsinitiative verständigen sich alle 16 Emscher-Städte und die Emschergenossenschaft auf eine gemeinsame Strategie zur Klimaanpassung, teilt Stadtsprecher Andreas Pläsken mit.

Weniger verrohrte Gewässer, weniger Regenwasser in Abwasserkanälen

Die Städte legen dazu einen Katalog an Maßnahmen vor: Weniger verrohrte Gewässer, weniger Hitzeinseln soll es geben, weniger eigentlich ja sauberes Regenwasser soll in die Abwasserkanäle fließen. Um das zu erreichen, treiben die Städte etwa die Begrünung von Dächern und Fassaden und die weitere Schaffung von Verdunstungsflächen mit Wasser und Grün voran. Um gut zehn Prozent soll so die Verdunstungsrate erhöht werden. Denn so merkte Beigeordneter Müller schon vorab an: „Durch Verdunsten wird es kühler“.

Die Städte wollen nun weitere Wasserverbände an Ruhr, Lippe und Rhein mit einbinden. Denn, so sagt der Bottroper Stadtsprecher: „Der Herausforderung Klimawandel muss sich das Ruhrgebiet integral stellen“. Das Vorhaben sei daher auch zur Ruhrkonferenz angemeldet. Im Herbst entscheide die Landesregierung über die Umsetzung und Förderung des Projektes. Auch die Stadt hofft sehr auf ein Ja und eben Zuschüsse. Denn die Vernetzung von Grünzügen und Wasserachsen, temperaturausgleichende Wasserflächen, Speicherräume zum Rückhalt von Starkregen, und die Gestaltung von Stadtlandschaften mit Regenwasser werde immer nötiger, erklärt Andreas Pläsken.

Grundstückseigentümer sollen finanzielle Hilfen bekommen

Sehr wichtig ist der Stadtspitze dabei die Koppelung der Klimadaten mit sozialen Daten. Beigeordneter Klaus Müller macht das an einem einfachen Beispiel klar. Die Verwaltung wisse ja, dass die Bevölkerung in Fuhlenbrock-Wald besonders alt sei. „Die Menschen leiden dort also am stärksten unter Hitzesommern“, betont er. Aus solchen Erkenntnissen lassen sich Handlungsempfehlungen zur Klima-Anpassung ableiten. Ein Sachgebiet für Klimagerechtigkeit bildet der Umweltdezernent daher in seinen Ressorts, und auch die Koordinierungsstelle für Stadtentwicklung diene ja dazu die Handlungsfelder in Sachen Klimaschutz miteinander in Einklang zu bringen.

Die Stadt verpflichtet sich zwar gemeinsam mit den anderen Emscher-Städten zu der gemeinsamen Strategie zur Klima-Anpassung, sie will und kann die dafür nötigen Maßnahmen aber nicht allein umsetzen. Sie holt dazu alle Grundstückseigentümer im Stadtgebiet mit ins Boot, sowohl die Unternehmen, aber auch Privateigentümer. Wie unter dem Dach des Klimaschutz-Modellprojektes Innovation City erprobt, will sie dabei auch für finanzielle Anreize sorgen. Die Befreiung von der Niederschlagswassergebühr ist da nur das Eine, wenn die Eigentümer einen Teil ihrer Grundstücksflächen von der Kanalisation abkoppeln. Finanzielle Hilfen durch Fördergelder wären das Andere - wenn denn das NRW-Kabinett sein Okay gibt.

Die Absichtserklärung unterschrieben die Stadtoberhäupter schon 2014

Gerade die Zukunftsinitiative „Wasser in der Stadt von morgen“ ist aber auch ein Beispiel dafür, wie lange die Gemeinden dafür brauchen. Zwar hat auch die Stadt durchaus einzelne Projekte wie etwa zuletzt die Renaturierung des Kornbachs in Angriff genommen, doch unterzeichnet hatten die Emscher-Genossenschaft und die Emscher-Städte die Absichtserklärung zu dieser Initiative im Mai 2014. Im Frühjahr 2018 dann beschlossen ihre Oberbürgermeister und Umweltdezernenten den Maßnahmenkatalog 2020 plus.

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