Förderantrag

Straßenbahn soll wieder zwischen Bottrop und Essen fahren

1996 hat die Stadt Oberhausen die Straßenbahn wieder eingeführt auf einer eigenen Trasse zwischen den Bahnhöfen Sterkrade und Oberhausen.

1996 hat die Stadt Oberhausen die Straßenbahn wieder eingeführt auf einer eigenen Trasse zwischen den Bahnhöfen Sterkrade und Oberhausen.

Foto: Gerd Wallhorn / FUNKE Foto Services

Bottrop/Essen.  Planer in Essen und Bottrop denken über eine Straßenbahnverbindung zwischen beiden Städten nach. Diese war vor 50 Jahren gekappt worden.

Mehr als 50 Jahre ist es her, seit die Straßenbahnverbindung zwischen Bottrop und Essen gekappt wurde. Jetzt denken die Planer in beiden Städten ernsthaft darüber nach, ob eine neue Trasse Sinn macht. Die Stadt Bottrop jedenfalls macht gerade zwei Schritte in diese Richtung.

Am Mittwoch werden die Stadtplaner einen Förderantrag auf den Weg bringen. Mit den Fördermitteln wollen beide Städte und die RAG Montan Immobilien den genauen Verlauf der Umwelttrasse zwischen der Kreuzung Prosperstraße/Knappenstraße in Bottrop und der Hafenstraße in Essen planen. Dabei spielt auch der Bau einer Straßenbahntrasse eine zentrale Rolle.

Straßenbahn: Gutachten zu drei Trassen

Parallel dazu wird die Verwaltung ein Gutachten in Auftrag geben, in dem das Potenzial für eine Straßenbahn auf drei Korridoren untersucht wird. Neben der Verbindung Essen/Bottrop sollen eine Strecke nach Oberhausen und eine nach Gelsenkirchen untersucht werden. Eine Neuauflage der Strecke nach Gladbeck ist kein Thema: Auf dieser Trasse rollte im Herbst 1976 die letzte Straßenbahn.

Grund für diese Auswahl: Untersucht werden sollen „regionale Achsen mit verdichteter Siedlungsstruktur und bereits heute bestehendem dichten Takt“, am besten „Anknüpfungspunkte an vorhandene Straßenbahnlinien“. In Essen reicht das Straßenbahnnetz bis nach Bergeborbeck und nach Karnap. Die Stadtbahnlinie U 17 verkehrt zwischen der Essener Innenstadt, Essen-Karnap an der Stadtgrenze zu Bottrop und Gelsenkirchen-Horst.

Seit 1996 rollt in Oberhausen wieder die Straßenbahn

Oberhausen wiederum hat schon 1996 vorgelegt und die Straßenbahnverbindung zwischen den Bahnhöfen Oberhausen und Sterkrade über das Centro auf einer neuen Trasse in Betrieb genommen. Dyas hatte eine massive Erhöhung der Fahrgastzahlen bewirkt: Sie stiegen von 24,5 Millionen pro Jahr vor dem Start der Straßenbahn bis auf 37,1 Millionen im Jahr 2000. Dieses Niveau hat das Verkehrsunternehmen Stoag allerdings nicht halten können: Derzeit liegen die Fahrgastzahlen bei rund 34 Millionen. Trotzdem plant die Stadt weiter eine Ausweitung des Straßenbahnnetzes.

Auf den drei möglichen Strecken soll das Gutachten jetzt in der ersten Hälfte 2020 mögliche Trassen inklusive einer betriebswirtschaftlichen Bewertung vorlegen. Gut möglich, dass ein Ergebnis lautet: Auf der Trasse durch „Freiheit Emscher“ sind die Planungen am weitesten fortgeschritten, lasst uns damit anfangen.

Vorschlag kam vor vier Jahren von der CDU

Den Vorschlag, über eine Straßenbahntrasse durch das Entwicklungsgebiet „Freiheit Emscher“ zwischen Bottrop und Essen nachzudenken, hatte die CDU im Oktober 2015 aus ihren Haushaltsberatungen mitgebracht und dabei auf das Essener Vorbild verwiesen. Dort war beim Neubau des „Berthold-Beitz-Boulevards“ durch den Krupp-Gürtel eine Straßenbahntrasse in der Mitte des Boulevards gebaut worden.

Der Verkehrsverbund Rhein-Ruhr hatte damals Zustimmung signalisiert. Für eine solche Trasse sei eines Landesförderung in Höhe von 85 bis 95 Prozent denkbar, hatte VRR-Sprecherin Sabine Tkatzig damals in Aussicht gestellt. Das Verkehrsunternehmen Vestische, das den Busverkehr zwischen Essen und Bottrop auf der Schnellbuslinie SB 16 organisiert, hatte damals Beschleunigungsmaßnahmen für die Buslinie favorisiert: „Wenn wir bessere Nahverkehrsverbindungen zwischen Bottrop und Essen haben wollen, können wir das billiger und schneller haben“, hatte Vestische-Sprecher Norbert Konegen damals gesagt. Seitdem war allerdings kein Versuch sehr erfolgreich, den Schnellbus besser durch den Stau zu schleusen.

Bis zur Verwirklichung sind noch dicke Bretter zu bohren

Ideen für eine Anbindung der neuen Trasse an die Innenstädte beider Städte gibt es bereits. Am Tetraeder könnte die Straßenbahn mit der S-Bahnlinie 9 verknüpft werden, an der Haltestelle Am Trapez mit dem zentralen Busbahnhof ZOB. Auf Essener Seite am Stadion Essen vorbei mit den Linien in Bergeborbeck verknüpft werden.

Allerdings müssen bis dahin für Bahn- und für Umwelttrasse noch dicke Bretter gebohrt werden, sagt Ursula Dickmann, Abteilungsleiterin im Planungsamt: „Wir brauchen eine neue Brücke über die Emscher - und über den Rhein-Herne-Kanal müssen wir auch noch.“

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