Nahles-Rückzug

SPD in Bottrop denkt schon an die Zeit nach Andrea Nahles

Andrea Nahles mit Europa-Kandidatin Kirsten Einck (l.), und Bottrops SPD-Vorsitzender Sonja Voßbeck (Mitte) im Wahlkampf am Rande des Bottroper Wochenmarktes.

Andrea Nahles mit Europa-Kandidatin Kirsten Einck (l.), und Bottrops SPD-Vorsitzender Sonja Voßbeck (Mitte) im Wahlkampf am Rande des Bottroper Wochenmarktes.

Foto: Michael Korte / FUNKE Foto Services

Wegen des Rückzuges von Andrea Nahles hat SPD-Vorsitzende Sonja Voßbeck für die kommende Woche eine Sondersitzung der Bottroper SPD anberaumt.

Auf einen Generationswechsel an der Spitze der SPD-Bundestagsfraktion setzt der Bottroper SPD-Bundestagsabgeordnete Michael Gerdes. Sein Favorit auf den Job ist Dirk Wiese, ehemaliger persönlicher Referent von Franz Müntefering. Der kurzzeitige Wirtschaftsstaatssekretär solle den Fraktionsvorsitz aber erst in zwei Jahren übernehmen, meint Gerdes. Für den Übergang wäre Fraktionsvize Achim Post ein guter Nachfolger für die zurückgetretene Andrea Nahles.

Der Bottroper bedauerte die erneuten Personalquerelen in der SPD. „Ich bin darüber nicht begeistert“, sagte Gerdes. „Als Fraktionsvorsitzende hat Andrea Nahles gute Arbeit geleistet“, betonte der Bottroper. Auch die Bottroper SPD-Vorsitzende Sonja Voßbeck ist daher über Andrea Nahles kompletten Rückzug aus der Politik erstaunt. „Ich bin sehr überrascht, dass sie von allen Ämtern zurücktritt“, sagte Sonja Voßbeck. Wenige Tage vor der Europawahl hatte Andrea Nahles noch einen Wahlkampfauftritt auf dem Bottroper Wochenmarkt. „Da hat sie noch sehr optimistisch geklungen“, sagte Sonja Voßbeck.

Auch die Bürger hätten Andrea Nahles dabei ja auf den Streit um ihre Spitzenjobs angesprochen. „Da hat sie gar keinen Zweifel daran aufkommen lassen, dass sie ihre Ämter behalten will“, erinnert sich die Bottroperin. Sonja Voßbeck zollt Andrea Nahles Respekt. „Sie hat einen guten Job gemacht und einiges Richtige angestoßen“, meint sie. Andrea Nahles und SPD-Generalsekretär Lars Klingbeil seien ein gutes Duo gewesen. „Ich hatte gehofft, dass mehr Kontinuität in der SPD-Führung herrscht“, sagte Sonja Voßbeck, allerdings sei die Doppelbelastung zu groß gewesen. „Die Parteierneuerung zu stemmen und Verantwortung für die Regierung zu tragen, das war zu viel“, meint Sonja Voßbeck.

Bundestagsabgeordneter Michael Gerdes sieht Andrea Nahles in der Rolle als SPD-Vorsitzende dagegen kritischer. „Als Parteivorsitzende hat sie sich überschätzt“, sagte er. Von einem Ausstieg aus der Großen Koalition wegen des Rückzugs von Andrea Nahles hält der Bundestagsabgeordnete gar nichts. „In der Opposition können wir nichts bewirken. Es gibt aber noch Projekte, die wichtig sind: zum Beispiel die Grundrente“, betonte Gerdes.

Ein Verjüngung der SPD-Spitze um jeden Preis sieht die örtliche Vorsitzende skeptisch. „Erst einmal hoffe ich, dass jetzt nicht zehn Leute auf einmal aus der Deckung kommen, die glauben, sie könnten das besser“, sagte Sonja Voßbeck. „Was wir dann brauchen ist eine sehr gute Mischung sowohl aus sehr erfahrenen als auch aus jüngeren Mitgliedern“, meint die Bottroperin, die wegen des Rückzuges von Andrea Nahles für die kommende Woche eine Sondersitzung der SPD anberaumt hat.

Nicht alles richtig gemacht

„Ich kann das Wort Neustart echt nicht mehr hören, aber vielleicht gelingt uns nun ja ein echter Neubeginn“, meint SPD-Landtagsabgeordneter Thomas Göddertz. Das SPD-Ergebnis bei den Europawahlen sei allerdings desaströs, stellt er fest. Die SPD müsse mit Inhalten punkten. „Wir schaffen es nicht, unsere Themen und Erfolge zu verkaufen, dabei machen wir doch auch in Bottrop gute Arbeit“, bedauert Göddertz.

SPD-Mitglied Nils Beyer wiederum hofft, dass seine Partei schnell zu Geschlossenheit und Teamgeist zurückfindet. „Jetzt brauchen wir einen Parteivorsitzenden, der nicht zur aktuellen Führungsmannschaft gehört“, fordert der stellvertretende Vorsitzende des SPD-Ortsvereins Bottrop-Süd. Das neue Führungsteam der SPD müsse Inhalte in den Vordergrund stellen, verlangt auch er. Nils Beyer: „Andrea Nahles hat sicherlich nicht alles richtig gemacht, der öffentliche Umgang mit ihr war jedoch schäbig“.

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