Tempo im Internet

So kommen Bottroper Nutzer zu schnellerem Internet

Lange Ladezeiten und abbrechende Streams brauchen Bottroper Internetkunden nicht klaglos zu ertragen, sagen die Verbraucherberaterinnen Annette Abraham (links) und Doris Grzegorczyk.

Lange Ladezeiten und abbrechende Streams brauchen Bottroper Internetkunden nicht klaglos zu ertragen, sagen die Verbraucherberaterinnen Annette Abraham (links) und Doris Grzegorczyk.

Foto: Lutz von Staegmann

Bottrop.   Verbraucherberater verweisen auf die Kriterien der Bundesnetzagentur. Am Freitag bieten sie eine Telefonaktion zum Thema Breitband an

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Bottrop ist mit digitalem Breitbandnetz eigentlich gut versorgt. Bei einem Vergleich des Prognos Institutes landete Bottrop auf Patz 3 in NRW und Platz 13 bundesweit. Trotzdem hat das Netz vor allem im Norden noch große Löcher. Und nach Angaben der Bundesnetzagentur gibt es in Bottrop Haushalte, in denen weniger als 20 Prozent der versprochenen Übertragungsgeschwindigkeiten ankommen. Die Verbraucherberatung bietet am Freitag, 15. Februar, von 10 bis 14 Uhr eine Telefonaktion zum Thema an. Sie weist darauf hin: Jeder Kunde kann die Anbieter an ihren Versprechungen messen.

Zehn Messungen an zwei Tagen

Das Prinzip ist einfach, sagen die Beraterinnen Annette Abraham und Doris Grzegorczyk. Die Netzagentur gibt jedem Kunden die Möglichkeit, auf www.breitbandmessung.de seine eigene Surfgeschwindigkeit zu messen. Kriterium dafür, ob das versprochene Datentempo tatsächlich beim Kunden ankommt, sind allerdings nicht die Werbeversprechen der Anbieter, sagt Doris Grzegorczyk: „Da sichern die sich ab mit der Formulierung ,bis zu’.“ Im Produktinformationsblatt dagegen stehen die Geschwindigkeiten, an denen die Anbieter sich tatsächlich messen lassen müssen: minimale, normale und maximale Übertragungsraten.

Protokoll gibt Auskunft: Soll erreicht oder nicht?

Auf der Mess-Seite können Kunden diese Raten eintragen. Zusammen mit Postleitzahl, Anbietername und Tarif wird automatisch verglichen. Wichtig: Das gilt nur fürs Festnetz. Und: Der Rechner muss mit einem Netzwerkkabel an den Router angeschlossen sein.

Die Kriterien

„Und jetzt wird es doch ein wenig kompliziert“, sagt Annette Abraham und zitiert die Voraussetzungen der Netzagentur wörtlich: „Wenn nicht an mindestens zwei Messtagen jeweils mindestens einmal 90 Prozent der maximalen Geschwindigkeit erreicht werden, die normale Geschwindigkeit nicht in 90 Prozent der Messungen erzielt oder die Mindestgeschwindigkeit an mindestens zwei Tagen unterschritten wird, kann der Kunde Abhilfe verlangen.“

Messprotokoll als Beleg

Uff. Aber am Ende von jeweils zehn Messungen an zwei Tagen bekommt der Kunde für jede Messung ein Protokoll mit der Bewertung: Soll erreicht oder nicht. Diese Protokolle dienen als Beleg gegenüber dem Anbieter. Dem kann der Kunde nun eine Frist zum Nachbessern des Datentempos setzen. Wird das Netz dann schneller: gut. Wenn nicht, kann der Kunde einen Wechsel verlangen in einen günstigeren Tarif mit geringeren Datenmengen. Achtung, sagt Doris Grzegorczyk: „Dabei sollte der Kunde darauf achten, dass die Mindestvertragslaufzeit nicht von vorne beginnt.“ Wenn der Anbieter weder das Datenvolumen erhöhen noch einen günstigeren Tarif anbieten kann, darf der Kunde außerordentlich kündigen.

Neue Modelle für den Norden gesucht

In der Bezirksvertretung Kirchhellen waren Digitalisierung und Versorgung mit schnellem Internet schon mehrfach ein Thema. In Grafenwald und Kirchhellen-Mitte hat die Telekom in den letzten Jahren massiv Glasfaser ausgebaut, in Feldhausen und im Norden von Kirchhellen gibt es aber eine Unterversorgung. Das bestätigt auch Doris Grzegorczyk von der Verbraucherberatung: „Im Norden hat die Breitband-Karte noch große weiße Flecken.“

Bottrop gehört zur digitalen Modellregion

Wie das anders werden kann, haben die Bezirksvertreter unter anderem bei einer interfraktionellen Tagung zum Thema diskutiert. Dabei sind Lösungsmodelle aus anderen Städten ebenso vorgestellt worden wie private Lösungen in Form von Leitungsverlegungen entlang von Ackerrändern. Bund und Land haben zwar Förderprogramme aufgelegt. Die Breitbandberater der Wirtschaftsförderer der Emscher-Lippe-Region warnen aber vor: Es werde Jahre dauern, bis die Mittel im Bottroper Norden ankommen, obwohl Bottrop zu einer von fünf „digitalen Modellregionen gehört. In diesen Regionen werden Modellprojekte für digitale öffentliche Dienstleistungen gefördert. Das Land hingegen verweist auf die „in Deutschland einzigartigen“ Digitalisierungskredite der NRW-Bank mit Kreditsummen von 25.000 bis zehn Millionen Euro.

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