Interview

Schulleiter verlässt die Willy-Brandt-Gesamtschule

Jochem von Schwerdtner wird am Freitag offiziell verabschiedet.

Foto: Michael Korte

Jochem von Schwerdtner wird am Freitag offiziell verabschiedet. Foto: Michael Korte

Bottrop.   Jochem von Schwerdtner wechselt zur Bezirksregierung Münster. Nicht alle Probleme der Schule konnten bisher gelöst werden – etwa die Raumnot.

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Seit rund zehn Jahren leitet Jochem von Schwerdtner die Willy-Brandt-Gesamtschule. Doch am Freitag nimmt er Abschied und wechselt zur Schulaufsicht nach Münster. Im Gespräch mit WAZ-Redakteur Matthias Düngelhoff erzählt der 61-Jährige von seiner Zeit in Bottrop und den Herausforderungen, vor denen die Willy-Brandt-Gesamtschule und auch andere Schulen in der nächsten Zeit stehen.

Wenn Sie zurückblicken auf ihre zehn Jahre an der Schule, was sind Dinge, mit denen sie zufrieden sind?

v. Schwerdtner: Dass es uns beispielsweise gelungen ist, auf Lehrerebene die Schule zu einer Teamschule umzugestalten. Man muss dazu wissen, dass wir in der Sekundarstufe eins sechszügig sind, es also jede Klasse sechsmal gibt. Bisher ist es uns auch immer gelungen, einen Jahrgang gemeinsam auf einem Flur unterzubringen, nur waren die Klassenlehrer verteilt auf verschiedene Lehrerarbeitsräume in der Schule. Nun sitzen die Klassenlehrer eines Jahrgangs zusammen und nahe an den Klassen. Das macht Absprachen einfacher. Außerdem haben wir die Schule für Kooperationen etwa mit Unternehmen und Institutionen geöffnet, da wo es zeitlich möglich ist und in den Lehrplan passt. Zudem haben wir als Schule auch profitiert, dass Bottrop nun Hochschulstandort ist, wir kooperieren also auch mit der HRW sind mit unseren Schülern auch regelmäßig da. Und auch die Inklusion läuft bei uns verhältnismäßig gut.

Auch ein Thema, was Sie in den letzten Jahren arg beschäftigt haben dürfte.

Selbstverständlich. Aber man muss wissen, dass wir hier schon immer alle vier Jahre eine kleine Gruppe von Schülern aufgenommen haben, die einen besonderen Förderbedarf haben. Doch jetzt bilden wir im Schnitt pro Jahrgang zwei Inklusionsklassen mit je fünf, maximal sechs Förderkindern. Da arbeiten dann auch Sonderpädagogen mit. Aber wir haben nicht so viele im Kollegium, dass immer einer zusätzlich in der Klasse ist. Mittlerweile haben einige Kollegen über ein Jahr eine Fortbildung gemacht, um zumindest Grundlagen der Sonderpädagogik vermittelt zu bekommen. Aber das ist ja nicht vergleichbar.

Es gibt ja auch schon Stimmen, die fordern, die Inklusion auszusetzen.

Davon halte ich nichts. Ähnlich wie bei dem Wechsel von G 9 zu G 8 und jetzt wieder zurück rate ich, die Schulen auch mal in Ruhe arbeiten zu lassen. Außerdem würde ich für die Willy-Brandt-Gesamtschule sagen, dass wenn es kalkulierbar ist, es also bei der Zahl der Förderschüler bleibt und die Landesregierung ihre Zusagen einhält was Räume und Personal angeht, dann funktioniert es. Denn eigentlich brauchen wir für jede Inklusionsklasse einen Sonderpädagogen zusätzlich zum Fachlehrer. Und es fehlt uns ein Raum, wo ein Schüler auch mal vom Sonderpädagogen betreut werden kann.

Die Raumnot war sowieso ein Thema in den letzten Jahren, getan hat sich bisher nichts.

Wir platzen hier aus allen Nähten und es gab ja mal Überlegungen, Die Paulschule zu übernehmen und auch die ehemaligen HRW-Räume an der Tannenstraße waren im Gespräch, aus all dem ist nichts geworden aber die Raumnot besteht nach wie vor und wird sicher auch künftig ein Thema sein.

Was glauben Sie, wird noch auf ihre Nachfolgerin oder ihren Nachfolger zukommen?

Ein Punkt wird sicher das Ende der internationalen Förderklassen für Flüchtlingskinder sein. Die werden bisher ja noch an allen Schultypen unterrichtet. Nur nach zwei Jahren läuft das aus und landesweit bleiben 80 Prozent der Kinder dann nicht an Gymnasien oder Realschulen. Das heißt also, dass da die Haupt-, Sekundar- und Gesamtschulen gefordert sein werden. Da gilt es auch drauf zu achten, das gleich zu verteilen. Zusätzlich wird die Digitalisierung die Schulen noch stärker verändern. Wir brauchen dafür die entsprechende Ausstattung aber das wird sich auch auf den Unterricht auswirken.

Was wird denn künftig ihre Aufgabe bei der Schulaufsicht sein?

Man hat mich gefragt, ob ich mir den Wechsel vorstellen könnte und ich werde da dann zuständig sein für Sekundar- und Gesamtschulen, allerdings nicht für Bottrop. Und selbstverständlich geht es bei der Schulaufsicht schon um eine Art von Kontrolle. Gleichzeitig sind aber gerade im Regierungsbezirk Münster viele Gesamt- und gerade auch Sekundarschulen erst vor kurzem gegründet worden. Da geht es also dann auch darum, diese Schulen weiter zu unterstützen und zu begleiten, wenn es beispielsweise dann an den Gesamtschulen auch darum geht, eine Oberstufe einzurichten.

Freitag werden Sie offiziell verabschiedet, kommt schon Wehmut bei Ihnen auf?

Klar, ich war knapp zehn Jahre hier. Im Juni 2008 habe ich hier angefangen und habe viele gute Erfahrungen gemacht. Auch die Zusammenarbeit mit der Stadt als Schulträger lief immer gut. Auch wenn ich natürlich die Interessen meiner Schule vertreten habe und man da nicht immer und in jeder Frage einer Meinung war. Allerdings freue ich mich auch auf meine neue Aufgabe und jetzt noch einmal etwas ganz anderes machen zu dürfen.

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