Soziales

Schöne Stunden bis zuletzt

Brigitte Große-Venhaus und ihre Töchter Marie-Christin und Anna-Lena (v.l.) berichten, wie sie die Unterstützung durch den Palliativmedizinischen Konsiliardienst Bottrop erlebt haben.

Foto: Michael Korte

Brigitte Große-Venhaus und ihre Töchter Marie-Christin und Anna-Lena (v.l.) berichten, wie sie die Unterstützung durch den Palliativmedizinischen Konsiliardienst Bottrop erlebt haben. Foto: Michael Korte

Bottrop.   Familienvater starb umgeben von Vertrautem. Brigitte Große-Venhaus und ihre Töchter berichten, wie der PKD der Familie half.

Die Diagnose, mit der Michael Große-Venhaus im November 2016 konfrontiert wurde, ließ die ganze Familie taumeln: Lungenkrebs, inoperabel. „Es ging um Zeit. Er machte eine Chemotherapie, um seine Lebenszeit zu verlängern“, sagt Brigitte Große-Venhaus. Neun Monate später verstarb der Kirchhellener mit nur 56 Jahren, daheim, nah bei Frau und Töchtern. Für sie ist es bei aller Trauer ein Trost zu wissen, dass er zum Schluss schmerzfrei war und umgeben von Vertrautem. Unterstützung fand die Familie in dieser Zeit beim Palliativmedizinischen Konsiliardienst Bottrop.

Ansprechpartner 24 Stunden erreichbar

„Eigentlich war für uns klar, dass in der Endphase ein Hospiz anstehen würde“, berichtet Brigitte Große-Venhaus. Im Freundeskreis hatten sie Erfahrungen damit gemacht und das als positiv empfunden. Gleichzeitig wusste die Kirchhellenerin, dass es den PKD gibt, bei dem Koordinatoren und Palliativmediziner Schwerstkranken ambulant zur Seite stehen. „Mir ging es darum, dass man 24 Stunden einen Ansprechpartner hat, an den man sich wenden kann, der zu uns nach Hause kommen kann“, sagt die 51-Jährige. Fachleute im Hintergrund zu haben, die um den Patienten wissen, ist gerade auch in Krisensituationen wertvoll. Sonst muss vielleicht der Notarzt gerufen werden, der die Situation nicht kennt.

Zunächst ging es ihrem Mann noch relativ lange gut, berichtet die 51-Jährige. „Als wir das dann eingestielt haben wollten, erfuhren wir in unserer Hausarztpraxis in Gladbeck, dass dort eigentlich der PKD aus Gelsenkirchen zuständig sei. Die Entfernung war aber zu weit.“ Ihr Hausarzt Dr. Alexander Hoppe, der seinen Patienten auch weiterhin als erster Ansprechpartner behandelte, habe den Kontakt zum PKD Bottrop hergestellt.

Sichtweisen dargelegt

Ein Termin mit der Leitenden Koordinatorin Kerstin Drysch wurde vereinbart. „Dort hat auch mein Mann seine Sichtweise dargelegt.“ Ihm war wichtig, dass seine Frau und seine Töchter Marie-Christin (25) und Anna-Lena (24) Unterstützung haben. „Und er hatte große Angst vor Schmerzen, dass er sich quälen muss.“

Zu dem Zeitpunkt hatte der Kirchhellener noch mit Jahren gerechnet, die ihm bleiben würden. Doch bald wurden die Schmerzen schlimmer; mit akuter Lungenentzündung kam er ins Krankenhaus. „Das war der Knackpunkt, wo für mich im Nachhinein das Sterben anfing“, sagt Brigitte Große-Venhaus. „Das wäre auch der Moment gewesen, ins Hospiz zu gehen. Aber mein Mann war damals noch nicht so weit.“ – „Das stand außer Frage“, ergänzt Marie-Christin. „Ich hatte für mich auch nicht so direkt wahrgenommen, dass es so ernst war. Ich war froh, dass er nach der Lungenentzündung auf dem Weg der Besserung war.“ Ihr Vater kam nach Hause, „mit allem, was die Hilfsmittel hergaben“, so Brigitte Große-Venhaus. Das Krankenhausteam hatte sich darum gekümmert, der PKD sich eingebracht. „Dann ging alles rasend schnell. Es waren nur noch 13 Tage zu Hause.“

Gedankenanstöße gegeben

Das PKD-Team stand der Familie in verschiedenen Situationen zur Seite. Zum Beispiel, als es um eine dritte Chemo-Therapie für Michael Große-Venhaus ging, nachdem die zweite nicht gegriffen hatte. „Er wollte das eigentlich noch machen. Ich habe gedacht, das schafft er körperlich nicht mehr. Aber ich konnte ihm nicht sagen: Lass es“, berichtet Brigitte Große-Venhaus. Als der Palliativmediziner Dr. Manfred Thols zu einem Wochenendeinsatz vor Ort war, habe er das Thema im Gespräch mit dem Patienten aufgegriffen, Gedankenanstöße zur quantitativen und qualitativen Verlängerung der Lebenszeit gegeben.

Koordinatorin Kerstin Drysch war schließlich unter der Woche täglich vor Ort, zusätzlich wurde telefoniert. Sie unterstützte die Familie dabei, das Beschwerden lindernde Morphin auch selbstständig zu spritzen; gab ein Feedback, wenn Brigitte Große-Venhaus unsicher war, ob sie zu häufig spritzte. „Meine Mama hat vieles geregelt“, sagt Marie-Christin. „Ich habe das so empfunden, dass durch den PKD ein Stück weit Sicherheit da war. Man konnte anrufen, fragen, sich absichern.“

Auch in der Sterbephase gab Kerstin Drysch mit ihrer Erfahrung als ausgebildete Palliativfachkraft Anstöße, machte bewusst, dass es möglicherweise kein Morgen mehr gibt. Was den Töchtern bei der Entscheidung half, beim Vater zu bleiben, nicht noch einmal fort zu gehen.

Bei allem Schmerz über den Verlust kann Brigitte Große-Venhaus heute sagen: „In diesen letzten 13 Tagen hat es auch schöne gemeinsame Stunden gegeben. Wir als Familie haben für uns sehr viel mitnehmen können. Trotz allem.“

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