Kultur in der Praxis

Schauspielerei ist immer auch Knochenarbeit

Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Schauspielwoche bei der „open stage“.    

Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Schauspielwoche bei der „open stage“.    

Foto: Dana Brüning

Bottrop.  Junge Erwachsene nahmen am Intensivkurs Schauspiel der Kulturwerkstatt teil. Dabei ging es um viele Disziplinen. Eine Teilnehmerin berichtet.

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Links von mir höre ich aus einem Zimmer Operngesang, rechts von mir den Klang eines selbstgebauten Musikinstrumentes, über mir übt jemand seinen Monolog, unter mir höre ich, wie mehrere eine Szene proben, hinter mir ertönt Lachen. Dann läuft neben mir ein Mädchen tänzelnd vorbei und in mir höre ich eine Stimme, die sagt: „Hier bist du genau richtig!“ Auf der Schauspielwoche der Kulturwerkstatt Bottrop.

Der Tag beginnt mit einem Sport-Workout

Wir sind 20 Teilnehmer, die unterschiedlicher kaum sein können - doch eine Sache verbindet uns: die Leidenschaft an der Kunst, am Schauspiel. Im niedersächsischen Melle verbringen wir nun die nächsten fünf Tage gemeinsam. Der Tag beginnt jeden Morgen mit einem Sport-Workout, was es echt in sich hat - aber ein Schauspieler braucht nun mal einen fitten Körper. Danach geht es mit Schauspielunterricht weiter. Dabei steht mit ganz unterschiedlichen Dozenten Theaterpädagogik, Schauspielgrundlagen, (Körper-) Bewegung und Filmschauspiel auf dem Programm.

Wer jetzt an Schulunterricht denkt, liegt vollkommen falsch. Außer beim gemeinsamen Essen sitzen wir noch nicht einmal am Tisch. Aktiv lernen, am eigenen Körper, darum geht es.

Kann ich spüren, wenn jemand mich von hinten antippen will? Wie kann ich meinen Körper neu entdecken, so als ob ich ihn gerade erst bekommen hätte? Wie viel Überzeugungskraft liegt allein in meiner Stimme? Worauf muss ich achten, wenn ich vor der Kamera stehe anstatt auf der Bühne?

Unterricht geht oft bis in den Abend

Die Unterschiede des Schauspielniveaus, der Ambitionen, der Lebenswege der Teilnehmerinnen und Teilnehmer sind wie weggepustet. Denn hier ist es egal, was für Fehler wir machen oder welche Hindernisse im Weg stehen. Hier geht es darum, sich weiterzuentwickeln, den eignen Horizont zu erweitern und vor allem Spaß an der Sache zu haben.

Der Unterricht dauert nicht selten bis nach neun Uhr abends. Das stört niemanden, denn alle sind mit Elan dabei, aber keine Streber.

Abschlussabend wird zur Leistungsshow

Der Abend klingt am Lagerfeuer bei einem kühlen Bier mit Anekdoten und Gitarrengesang aus. Darüber ist nur der Himmel von Melle. Meine Freundin flüstert: „Das ist echt wie eine Klassenfahrt, nur schöner.“

Die Abschlussshow setzt sozusagen noch einen oben drauf. Wir stellen uns die erarbeiteten (Film-)Szenen, Monologe und andere Überraschungen vor. Ich fühle mich, als würde ich einen gesamten Theaterabend erleben. Allerdings einen Theaterabend, der noch viel bunter ist als üblich: Vom pantomimischen Spiel, Eurythmie bis zum selbst geschriebenen Song ist alles dabei.

„Wow!“, sagt eine Stimme in mir trotz heftigen Muskelkaters und Schlafmangels: „Hier bist du genau richtig.“

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