Bergbau

Ruf nach Abriss des Turms der Zeche Haniel löst Protest aus

Um den Förderturm der Zeche Franz Haniel in Bottrop entbrennt ein heftiger Streit.

Um den Förderturm der Zeche Franz Haniel in Bottrop entbrennt ein heftiger Streit.

Foto: Thomas Gödde / FUNKE Foto Services

Bottrop.  Vertreter von CDU und ÖDP stehen schwer in der Kritik. Bürger rufen zu Protestmarsch auf. CDA-Vorsitzender dachte an Parteiaustritt.

Die Forderung der Vertreter von CDU und ÖDP nach einem Abriss des alten Förderturms der Zeche Franz Haniel schlägt hohe Wellen. Erste Bürger rufen zu einer Demonstration für die Rettung des Fördergerüstes auf. CDA-Vorsitzender Michael Gleißner wäre fast empört aus der CDU ausgetreten. Auch die Grünen sind gegen einen Abriss. Die Fuhlenbrocker SPD will den Doppelbockturm sowieso stehen lassen, und FDP-Vertreter betonen: "Nicht mit uns!"

Im sozialen Netzwerk Facebook kursiert nach den Abrissforderungen ein Beitrag des Bergmanns Günther Biskup. "Erst nehmen die Politiker uns die Arbeits- und Ausbildungsplätze, dann unsere Rente. Jetzt wollen sie uns auch noch unsere Kultur und Geschichte auslöschen. Doch das lassen wir uns nicht gefallen", schreibt der Bottroper und ruft zu einem Protestmarsch gegen den Abriss des Turms auf. Danach wollen sich die Demonstrationsteilnehmer am Samstag, 17. Oktober, um 10 Uhr auf dem Parkplatz der Zeche Franz Haniel treffen und von dort geschlossen zum Rathaus gehen. Biskups Aufruf wird mittlerweile in einer ganzen Reihe von Facebook-Gruppen geteilt.

Fuhlenbrocker CDU-Vertreter reagiert verärgert

Auch CDU-Arbeitnehmer-Sprecher Michael Gleißner war nach dem Plädoyer seiner Parteifreundin Susanne Jungmann für den Abriss des Förderturms "mehr als irritiert". Die neu gewählte CDU-Ratsfrau hatte in der Bezirksvertretung Mitte darauf verwiesen, dass es in Bottrop schon genügend Erinnerungen an den Bergbau gebe. Sie steht als Sprecherin der CDU-Bezirksfraktion mit ihrer Haltung in der Union auch keineswegs allein. Immerhin hält auch Hermann Hirschfelder wenig davon, den Förderturm zu erhalten. Der Chef der CDU-Ratsfraktion will wie sie vermeiden, dass der alte Gerüst zum Hindernis für Firmenansiedlungen auf dem Haniel-Gelände würde.

Zwar hoffte der CDU-Fraktionschef, dass die Diskussion über den Förderturm schon nicht zu einem Prüfstein für die Bottroper Union werde, doch schon lässt CDA-Chef Michael Gleißner wissen, dass er in seiner ersten Verärgerung "über einen sofortigen Austritt aus der CDU nachgedacht" habe. Der Fuhlenbrocker CDU-Arbeitnehmervertreter setzt sich jedenfalls sehr dafür ein, dass der Förderturm stehen bleibt. Seine Position sei in der Union auch bekannt. Andere CDU-Kandidaten hätten sie im Wahlkampf mitgetragen.

NRW-Bauministerin auf Landmarken-Pläne angesprochen

"Seit der Schließung der Zeche Franz Haniel wurde in zahlreichen Gesprächen mit Vertretern der IGBCE, meines Heimatvereins Plattdeutsche ut Waold un Hei und des Fördervereins St. Bonifatius dargestellt, dass der Förderturm als Landmarke, Denkmal, Kulturerbe möglichst erhalten bleiben soll", erklärte Gleißner. Er habe auch mit CDU-Bauministerin Ina Scharrenbach schon über Möglichkeiten zur Erhaltung des Förderturms gesprochen. "Ich werde mich weiterhin mit den anderen Institutionen und Vereinen, auch über Parteigrenzen hinweg, für den Erhalt des Förderturms einsetzen", teilte der CDU-Vertreter mit.

Zumindest irritiert über den Vorstoß von CDU und ÖDP sind auch die Liberalen. Der FDP sei es wichtig, den Förderturm der Zeche Handel zu erhalten; allein schon aus Anerkennung und Dankbarkeit gegenüber den Bergleuten. "Bottrop wäre ohne den Bergbau nicht die Stadt, die sie heute ist. Die Zeche Haniel war die letzte Zeche im Revier; als Landmarke ist der Förderturm schon von Weitem zu sehen. Der Förderturm ist für mich zum Symbol unserer Bergbaukultur geworden. Deshalb ist er auch erhaltenswert", sagte FDP-Ratsherr Andreas Mersch.

Grüne sehen gute Ergänzung zum Tetraeder

Auch die Grünen wollen den Zechenturm als Landmarke erhalten. Sie sehen in ihm eine gute Ergänzung zum Tetraeder. "Sie schaffen beide weit sichtbar eine Strahlkraft und Erinnerung an unschätzbare Werte", meint Ratsfrau Andrea Swoboda. Es sei sicherlich nicht notwendig, jedes alte Zechenhaus in Bottrop zu erhalten, doch der Förderturm der Zeche Haniel sei in den Herzen vieler Bürger längst zu einem Wahrzeichen Bottrops geworden.

"Er steht für all die Menschen mit ihren Familien, die im Bergbau gearbeitet haben. Für all die Menschen, die nach Bottrop gekommen sind, und durch den Bergbau eine neue Heimat gefunden haben", meint die Grünen-Sprecherin. Andererseits stehe der Förderturm aber auch als Mahnmal für die negativen Eingriffe durch die Bergbau-Industrie in die Natur und das Leben vieler Menschen gerade in Grafenwald und Kirchhellen.

Stadtspitze will den Förderturm zur Landmarke machen

>>> Die Stadtplaner hatten in der Bezirksvertretung Mitte die Pläne zum Ausbau der Zeche Franz Haniel zu einem neuen Gewerbegebiet vorgelegt. Dabei weisen sie ausdrücklich darauf hin, dass der Förderturm der Schachtanlage möglichst als Landmarke erhalten bleiben soll.

"Das ist das Ziel der Stadt Bottrop", erklärte auch Beigeordneter Klaus Müller im Austausch mit der WAZ-Redaktion. CDU-Sprecherin Susanne Jungmann sprach sich aber ebenso wie ÖDP-Bezirksvertreter Markus Stamm dagegen aus, den Förderturm zu erhalten.

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