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Revierpark Vonderort: Kleinod im Niedergang

Kampf gegen Windmühlen: Siegi Tiefenbrunner kritisiert den schleichenden Niedergang des Revierparks Vonderort und packt regelmäßig mit an, um das zu ändern.

Kampf gegen Windmühlen: Siegi Tiefenbrunner kritisiert den schleichenden Niedergang des Revierparks Vonderort und packt regelmäßig mit an, um das zu ändern.

Foto: Heinrich Jung / FUNKE Foto Services

Bottrop.  Verwilderte und gesperrte Anlagen, Müll ohne Ende: Der Zustand des Revierparks Vonderort macht Sorgen. Ortsbesuch mit einem engagierten Bürger.

Sechs „o’s“ dauert es, bis in der Google-Suche unter den Stichworten „Bottrop“ und „Park“ der Revierpark Vonderort auftaucht. Symptomatisch, denn das titulierte Kleinod im Südwesten der Stadt stirbt seit Jahren einen schleichenden Tod. Die Beschwerden über den Zustand der Anlagen nimmt zu – und die Leitung verspricht Besserung.

Es ist Dienstagmittag auf dem Parkplatz an der Ecke Koppenburgerstraße/Nürnberger Straße, der direkt an den nördlichen Teil des Revierparks Vonderort grenzt. Zwei Senioritas diskutieren mit zwei Männern im gesetzten Alter zwischen Laubhaufen, Gartenabfällen und Müll, drumherum springen und schnüffeln Hunde. Rudelbildung. Es geht hitzig zu, dem zufällig zusammengewürfelten Quartett liegt ein Thema schwer auf der Seele: Ihr Revierpark.

Der Berg Sigie Tiefenbrunner im Mittelpunkt

„Es tut einfach weh“, sagt der Fixpunkt der Versammlung. 55 Jahre jung, ein Tattoo auf dem Arm, Schnauzbart und eine Statur mächtig wie die Berge seines Heimatlandes Österreich: Sigie Tiefenbrunner ist nicht zu übersehen. Für die Besucher des Revierparks sowieso nicht, denn Tiefenbrunner wandert seit zwei Jahrzehnten mehrmals täglich über die Wege – es liegt schlicht in seiner Natur. Und er nutzt seine Präsenz, um auf Missstände hinzuweisen. Die stapeln sich im 32 Hektar großen Gelände hinter ihm höher und höher.

Mülleimer, die teils Monate nicht geleert werden und zum Snackautomaten für wilde Tiere mutieren. Totes Holz, das entweder vermodert oder die gepflasterten Wege bedeckt. Parkplätze, die als Müllkippen missbraucht werden. Verwilderte Sportanlagen. Ein Jahr für Jahr schrumpfender Kinderspielplatz, der inzwischen gesperrt ist – „vorläufig“, wie ein Schild seit Januar ausweist. Sigie Tiefenbrunner bleibt stehen, um seinen Worten Nachdruck zu verleihen. „Auf der Homepage war mal die Rede vom ‘Kleinod zwischen Oberhausen und Bottrop.’“ Ein Kopfschütteln. Die Mängelliste ließe sich noch beliebig erweitern und Tiefenbrunner könnte Geschichten bis tief in die Nacht erzählen, aber dafür reicht die Zeit nicht. Schließlich wartet Arbeit.

Anpacken statt mosern

Denn Sigie Tiefenbrunner ist kein Mensch der Marke „mosern bis zum Erbrechen“, stattdessen krempelt der Oberhausener die Hemdsärmel hoch. Er besitzt eine Müllpatenschaft, sammelt mit Sack und Harke bewaffnet Plastik auf, versucht Probleme zu melden und liefert praktische Vorschläge, wie sich etwas verbessern ließe – stößt damit jedoch oft auf taube Ohren. Ob die Oberhausener Gebäudemanagement GmbH (OGM), die Wirtschaftsbetriebe Oberhausen GmbH (WBO) oder der Betreiber Regionalverband Ruhr: Zuständigkeiten würden hin und her geschoben, fadenscheinige Gründe gefunden und am Ende passiere doch nichts, berichtet der Oberhausener.

Tiefenbrunner erweckt nicht den Eindruck, sich wichtig machen zu wollen. Stattdessen geht es dem Gastronom darum, seine direkte Umgebung jeden Tag ein Stück besser zu machen. Damit ist er nicht alleine. Am Parkplatz des sanierten Freibads geht ein älterer Herr ebenfalls auf Mülljagd, eine Hundegruppe packt an und auch die Boccia-Spieler haben nicht nur ihre Kugeln im Kopf. Das landauf, landab geforderte ehrenamtliche Engagement ist im Revierpark vorhanden.

Betriebsleiter Franz Dümenil versteht die Beschwerden und verspricht Besserung

Dafür fehlen professionelle Hilfe und eine Umsetzung der Konzepte, die sich schon in der Schublade stapeln. Das sagt Franz Dümenil, seines Zeichens Betriebsleiter der grünen Lunge. „Ich kann den Beschwerden nur beipflichten und finde den Zustand auch schlecht“, gibt der RVR-Mann ehrlich zu und fügt an: „Das Thema ist bei mir ziemlich präsent.“

Dümenil – gleichzeitig Chef des Revierparks Nienhausen zwischen Essen und Gelsenkirchen – löste Jens Vatheuer als Betriebsleiter ab und machte sich in den letzten Monaten ein Bild der Lage. Jetzt soll es vorwärts gehen. Mit Personal auf der einen Seite und mit Geld auf der anderen Seite, das etwa durch das Handlungskonzept „Revierparks 2020“ mit 5,5 Millionen Euro in ökologisch nachhaltige Maßnahmen fließen soll. Wie es geht, macht die in Luftlinie zehn Kilometer entfernte Anlage Mattlerbusch an der Grenze zwischen Oberhausen und Duisburg deutlich, der Begriff „Synergieeffekte“ fällt.

Franz Dümenil: „Wir fangen bei Null an“

Franz Dümenil holt nochmal aus. „Wir fangen bei Null an. Das Bad ist fertig, jetzt kommt der Park dran. Uns ist das auch ein Dorn im Auge, aber ich kann konkrete Hoffnung auf Besserung machen.“ Mit genauen Zeitpunkten tue sich der Betriebsleiter dagegen noch schwer.

Zurück zu Sigie Tiefenbrunner auf Besichtigungstour. „Ich kenne die Inhalte der Mülleimer in- und auswendig“, sagt der Malocher aus Niederösterreich und muss lachen, auch wenn ihm eigentlich nicht zum Lachen zumute ist. Den Worten der Verantwortlichen möchte Tiefenbrunner jetzt Taten folgen sehen. Am besten Tag für Tag, wenn er seine Runde durch den Revierpark Vonderort dreht.

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