Flughafen Düsseldorf

Reisebüro Bottrop: „Passagiere sind zum Teil selbst Schuld“

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Überfüllte Flughäfen: Das müssen Sie zum Ferienstart wissen

Überfüllte Flughäfen- Das müssen Sie zum Ferienstart wissen

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Bottrop.  Bottrops Reiseexperten äußern sich zu den chaotischen Zuständen am Flughafen Düsseldorf. Ihre Tipps für eine verhältnismäßig stressfreie Reise.

Ab Montag beginnen in NRW die Schulferien. Doch schon vor dem Urlaub liegen bei vielen Reisenden die Nerven blank, wenn sie an ihre Abreise vom Düsseldorfer Flughafen denken. Die Gründe: Flugausfälle wegen Personalmangels, lange Staus bei der Gepäckkontrolle, chaotische Zustände. Die Gefühlslage in Bottrops Reisebüros ist so kurz vor den Ferien (noch) eine andere.

Edgar Holze betreibt seit mehr als 30 Jahren sein Reisebüro an der Johannesstraße. Er sagt: „Bisher ist keiner zurückgekommen, der Probleme hatte.“ Stattdessen würden in den zurückliegenden Tagen viele Kunden ihn und sein Team vor allem mit einer Frage kontaktieren. Wann soll man am Flughafen sein? „Wir versuchen immer zu beruhigen. Deshalb empfehlen wir unseren Kunden, dass sie drei Stunden früher da sind“, sagt Edgar Holze.

Reisen Holze: „Bei uns ist der Juni ein sehr starker Monat.“

Die Besorgnis kann er verstehen. „Wenn ich als Kunde eine teure Flugreise mache, will ich auch eine vernünftige Abwicklung am Flughafen haben.“ Ob sich die Situation in den nächsten Wochen in Düsseldorf oder in Köln verschlimmern wird, will er nicht beurteilen. „Es ist im Moment noch zu früh, etwas dazu zu sagen“, so der Reiseexperte. Für sein Geschäft kann er sagen, dass man froh sei, dass es wieder läuft und wieder verreist wird. „Bei uns ist der Juni ein sehr starker Monat.“

Auch Volker Beyhoff empfiehlt, drei Stunden vor Abflug am Flughafen zu sein. Bei ihm im TUI-Reisecenter an der Gladbecker Straße in der Innenstadt klingelt häufig das Telefon. Aber nicht, weil die Kunden wegen der medialen Berichterstattung Sorge um ihren Flug haben, sondern weil sie lieber buchen und in den Urlaub wollen. „Von den Zahlen her sind wir besser als vor der Pandemie“, sagt er.

Wenn er darauf angesprochen wird, dass Lufthansa und ihre Tochter Eurowings angekündigt haben, im Juli mehr als 1000 Flüge zu streichen, reagiert er besonnen. „Über 1000 Flüge sind nicht viel“, sagt er. Das klingt für Laien zunächst merkwürdig, sieht bei näherer Betrachtung und 1000 Flügen verteilt auf 30 Wochentage allerdings nachvollziehbar aus.

Reiseexperte: Flugstreichungen im Juli an den Wochenenden

Und die Ankündigung der Fluggesellschaft bezieht sich auf Deutschland und Europa, also auf mehrere Flughäfen. Beyhoff erklärt, dass vor allem die Drehkreuze in Frankfurt und München betroffen seien. Der Reiseexperte geht davon aus, dass innerdeutsche Flüge und möglicherweise ein paar europäische Städte als Ziele gestrichen werden. „Überwiegend am Wochenende, also Freitag, Samstag und Sonntag“, sagt er.

„Wir raten unserer Kundschaft immer zu einer Pauschalreise“, meint Edgar Holze. Wie sein Kollege aus der Boy macht auch Volker Beyhoff sich bei derartigen Fällen dafür stark. Denn wer den Flug getrennt vom Hotel gebucht hat, kann bei kurzfristigen Ausfällen Probleme bekommen – anders bei Pauschalreisen. „Der Reiseveranstalter ist dann dazu verpflichtet, für einen Ersatzflug zu sorgen“, sagt Beyhoff.

Bottroper Reisebüro: Schuld nicht nur auf Flughäfen schieben

Als Reiseexpertin verfolgt Johanna Weigel vom Reisebüro Weigel an der Gladbecker Straße 217 genau die Ereignisse am Flughafen Düsseldorf. Sie meint: „Ja, es gibt zu wenig Personal.“ Aber: „Man muss auch die andere Seite sehen.“ Zum Teil seien viele Reisende selbst Schuld an den Verzögerungen und damit folglich an den langen Warteschlangen. Mit dieser Aussage spricht sie wahrscheinlich vielen Betroffenen aus der Seele.

Passagiere kommen unvorbereitet zum Abflug. Ein möglicher Check-In bis zu 72 Stunden vor Abflug über das Internet wird nicht in Anspruch genommen. Wichtige Dokumente sind nicht griffbereit oder es gibt zähe Diskussionen über zu schwere oder zu große Koffer. „Solche Dinge kann man doch vermeiden und Zuhause vorbereiten“, findet Johanna Weigel. „Man kann die Schuld nicht nur auf die Flughäfen schieben.“

Kürzlich berichtete eine ihrer Kundinnen von einer skurrilen Szene. Ein Passagier habe am Band der Gepäckausgabe für ein Chaos gesorgt, weil er darauf seinen braunen Koffer vermisste und ihn nicht fand. Letztlich stellte sich heraus, dass er ursprünglich einen blauen Koffer dabei hatte und ihn übersah. „Wenn man so etwas hört, kann man sich nur noch an den Kopf packen“, sagt Johanna Weigel. Sie selbst fliegt demnächst ab Köln in den Urlaub. „Ich weiß nicht, was mich da am Flughafen erwartet.“

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